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Sexuelle Gewalt auf Mallorca: Meist in den Urlaubsorten und während der Hochsaison

Auf den Balearen gehen mehr Anzeigen ein als in den anderen Regionen Spaniens - und doch ist die Dunkelziffer beträchtlich

Sexuelle Übergriffe sind auch auf Mallorca an der Tagesordnung Hildenbrand / dpa

In keiner anderen Region Spaniens gehen so viele Anzeigen wegen geschlechterspezifischer Gewalt ein wie auf den Balearen. Laut Statistiken des spanischen Innenministeriums werden auf Mallorca und den Nachbarinseln 34,6 Frauen pro 100.000 Einwohnern den Anzeigen zufolge Opfer von sexueller Gewalt. An zweiter und dritter Stelle kommen Ceuta und die Region Valencia mit 24,2 beziehungsweise 23,6 Anzeigen pro 100.000 Einwohner.

Allein in diesem Jahr 2022 seien zwischen Januar und Juni 408 Delikte gegen die sexuelle Freiheit zur Anzeige gebracht worden. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2021 waren es nur 340. Bei 44 der Fälle handelt es sich um Vergewaltigungen - knapp 70 Prozent mehr als im Vorjahr, wo aufgrund der Pandemie aber auch weniger Menschen auf den Inseln waren. Im ersten Halbjahr des Vor-Corona-Jahrs 2019 gingen 589 Anzeigen wegen sexueller Gewalt bei den Sicherheitsbehörden auf Mallorca und den Nachbarinseln ein.

Meiste Fälle in Touristengegenden

Vor allem in Palma wurden in diesem Jahr viele Vergewaltigungen gemeldet. "Dass die Zahlen auf den Inseln so hoch liegen, liegt daran, dass wir eine Urlauberregion sind", bewertet die Leiterin des balearischen Frauen-Instituts (IB-Dona), Maria Duran. "Die höchsten Werte gibt es in Touristengegenden und die meisten Vergehen finden während der Hochsaison statt."

Allerdings gibt es auch Fälle, die nichts mit dem Tourismus zu tun haben: 118 Frauen suchten von Januar bis Juni Schutz beim IB-Dona. 37 von ihnen waren Opfer von Gewaltausbrüchen ihrer eigenen Partner geworden - 28,8 Prozent mehr als vor einem Jahr. Das Fraueninstitut berät die Opfer telefonisch, begleitet sie aber auch bei Arztterminen oder em Gang zum Anwalt, wenn es nötig ist.

Hohe Dunkelziffer

Klar ist, dass nur ein Bruchteil der Fälle sexueller Gewalt auch tatsächlich zur Anzeige gebracht wird - etwa 10 bis 12 Prozent, vermutet Maria Duran. Laut einer Studie des Gleichstellungsministeriums kommt es auf den Balearen jährlich zu rund 7.000 Delikten gegen die sexuelle Freiheit. "Noch wird wenig angezeigt. Früher waren die Vergewaltiger häufig Unbekannte, heute gibt es zwei verschiedene Profile. Einerseits Männer, die denken, nach dem ersten Date ein Anrecht auf sexuelle Beziehungen mit der Frau zu haben. Andererseits oft junge Männer, die in Gruppen auftreten und meinen, sie könnten gemeinsam ein Mädchen zu vergewaltigen."

Elf Prozent dieser Fälle würden spanienweit sogar gefilmt und über Messanger-Dienste weiterverbreitet. 20 Prozent der Aggressoren dieses Profils seien minderjährig, ebenso wie 40 Prozent der Opfer. Schuld für diese Art von sexuellen Aggressionen sieht Duran in der Internetpornografie, zu der immer häufiger auch junge Jugendliche Zugriff hätten und in der Massenvergewaltigungen verharmlost würden. /somo

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