Post-Skandal auf Mallorca: Zusteller entsorgen Hunderte Knöllchen in einem Sturzbach

Angestellte einer privaten Zustellerfirma warfen die Briefe weg, statt sie den Empfängern zuzustellen. Die Geschädigten fordern nun eine Aufhebung ihrer Schulden

Schreiben von Banken, Telefonanbietern und Strafzettel wurden einfach entsorgt.

Schreiben von Banken, Telefonanbietern und Strafzettel wurden einfach entsorgt. / MZ

Sophie Mono

Sophie Mono

Hunderte Briefe, achtlos in einen Durchlauf des Torrent de Can Barbarà in Palma de Mallorca geworfen. Unmengen weiterer ungeöffneter Umschläge, versteckt unter einem Baum hinter der Pferderennbahn Son Pardo. Sie alle sind keine persönlichen Schreiben, sondern offizieller Schriftverkehr. Zahlungsaufforderungen, Mahnungen, gespickt mit persönlichen Daten und Informationen, die ihre Empfänger in vielen Fällen nie erreichten. Es ist ein kleiner Skandal, der sich in Palma rund um die Zustellerfirma CI Postal zusammengebraut hat. Über Monate hinweg sollen immer wieder Angestellte, die unter anderem damit betraut waren, Strafzettel von Palmas Rathaus an Verkehrssünder zu überbringen, die Korrespondenzen einfach entsorgt haben.

Es war unmöglich, alle Briefe an einem Tag zuzustellen. Also dachten die Leute sich Strategien aus, um zu behaupten, sie hätten alles übermittelt, dabei stimmte es nicht“, zitiert die spanische Zeitung „Última Hora“ einen ehemaligen Mitarbeiter von CI Postal. Er ist nur einer von vielen, die die Arbeitsbedingungen des privaten Unternehmens scharf kritisieren. Fehlende Organisation, viel zu große Arbeitslast, Missachtung der Pausenzeiten, angedrohte Kündigungen – all das soll gang und gäbe bei CI Postal gewesen sein. „Deswegen verstehe ich, wenn Kollegen manche Briefe einfach entsorgt haben, statt sie zu verteilen, auch wenn ich es nicht gutheiße“, so der zitierte Angestellte.

Mehr als 6.000 Euro Schulden wegen Radarfalle

Beschwerden über die Arbeitsweise bei CI Postal sind nicht neu – bereits im Februar waren vier Mitarbeiter festgenommen worden. Sie sollen Unterschriften von Menschen gefälscht haben, denen sie Strafzettel über Verkehrsdelikte überbringen sollten. Doch durch den Fund Hunderter weggeworfener Briefe von Banken und Telefonanbietern, die ebenfalls Mahnungen enthalten, kocht die Debatte nun richtig hoch. Nicht zuletzt, weil die Empfänger häufig die Leidtragenden sind. Mehrere Hundert Menschen haben sich in den sozialen Netzwerken zusammengeschlossen, weil gegen sie weiterhin Zahlungsaufforderungen bestehen, über die sie aber angeblich nie informiert worden sind.

So machte der Fall eines Mannes Schlagzeilen, der im Laufe der Zeit Schulden von mehr als 6.000 Euro bei der balearischen Finanzbehörde anhäufte, weil er mehrmals in die gleiche Radarfalle getappt war, eigenen Angaben zufolge aber nie schriftlich über das Vergehen in Kenntnis gesetzt worden ist – eben weil die Bescheide ihn lange Zeit nicht erreichten.

Zahlungsfrist abgelaufen

In Spanien kann selbst eine nur um Wochen verzögerte Zustellung direkte finanzielle Nachteile für die Empfänger bedeuten: In der Regel wird die Höhe des anstehenden Bußgelds automatisch verdoppelt, sobald der Zahlungspflichtige die wenige Wochen andauernde Zahlungsfrist für ermäßigte Strafgelder nicht einhält.

Jetzt, wo der Skandal um CI Postal am Brodeln ist, ertönen die Rufe der geschädigten Bürger umso lauter. Viele fühlen sich unter anderem von Palmas Rathaus verraten. „Wie kann man von uns verlangen, Strafen und zusätzliche Mahnungsgebühren zu zahlen, wo doch offensichtlich ist, dass wir nie darüber informiert wurden“, so die einhellige Meinung der mehr als 300 Geschädigten, die auf der Protestplattform change.org Unterschriften gegen die Stadtverwaltung gesammelt haben und mit ihrer Forderung zur Annullierung der Bußgelder Unterstützung bei der oppositionellen PP im Stadtrat finden.

Bürgermeister José Hila stellte indes klar, dass man zwar der Zustellerfirma CI Postal stärker auf die Finger gucken und sich mittelfristig von einer Kooperation lossagen werde. Eine allgemeine Absolution für die Verkehrssünder sei aber nicht rechtens. Man werde von Fall zu Fall entscheiden.