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Der nächste große Playa-Prozess auf Mallorca: Ex-Bierkönig-Betreiber Miguel Pascual drohen fünf Jahre Gefängnis

Dem Unternehmer wird vorgeworfen, Polizisten bestochen zu haben. Zehn weitere Personen kommen auf die Anklagebank

Unternehmer Miguel Pascual auf einem Archivbild. Pere Joan Oliver

Die Staatsanwaltschaft auf Mallorca fordert fünf Jahre Gefängnis für den ehemaligen Betreiber des Partytempels Bierkönig an der Playa de Palma, Miguel Pascual. In dem Korruptionsprozess werden auch neun Ortspolizisten und ein Beamter der Stadtverwaltung von Palma angeklagt. Fünf der Polizisten sitzen gerade beim Prozess gegen Megapark-Besitzer Bartolomé Cursach auf der Anklagebank.

Ähnlich wie im Prozess gegen Cursach geht es auch im Fall Pascual darum, dass der Unternehmer Polizisten unter anderem mit sexuellen Dienstleistungen von Prostituierten und Gratisgetränken bestochen haben soll. Die Beamten sollen im Gegenzug die Lokale Pascuals vor Kontrollen gewarnt haben. Zudem sollen die Polizisten im Dienst als privater Sicherheitsdienst für die Pascual-Clubs gearbeitet haben. Der Zeitraum der Vorfälle wird auf 2007 bis 2015 datiert. Im Februar jenen Jahres wurde Pascual festgenommen.

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Lokale vor Razzien gewarnt

Zu den Etablissements Pascuals gehörten damals unter anderem der Bierkönig, das Oberbayern, das Table Dance, Búho Verde und Nakaris. Sobald eines dieser Lokale vor einer Razzia oder einer Kontrolle gewarnt wurde, soll der Unternehmer Anweisungen erteilt haben, um Missstände zu kaschieren. Zudem wird den beschuldigten Polizisten vorgeworfen, Anzeigen gegen die Lokale fallengelassen zu haben.

Ebenfalls sollen sie immer wieder vor dem Bierkönig Wache gestanden haben, als der Partytempel noch nicht über einen eigenen Sicherheitsdienst verfügte. Kam es abseits dieser Zeiten zu Problemen, rief das Lokal die Polizisten direkt an, statt über die zentrale Einsatzleitstelle zu gehen, wie es andere Unternehmer machen müssen. Für die der Korruption beschuldigten Beamten fordert die Staatsanwaltschaft je 4,5 Jahre Gefängnis. Der Prozess soll in den kommenden Monaten in Palma beginnen.

Die Schlagersängerin Mia Julia im Juli 2019 bei einem Auftritt im Bierkönig.

Im ersten Prozess freigesprochen

Es ist nicht das erste Mal, dass Pascual vor Gericht steht. Im Jahr 2019 wurde er wegen Zuhälterei und sexuellen Missbrauch von Mitarbeiterinnen an der Playa de Palma angeklagt. Dem Unternehmer drohten damals 28 Jahre Haft. Doch vor Gericht verweigerten zwei Frauen, die unter Zeugenschutz standen, die Aussage. Pascual wurde 2020 freigesprochen.

Miguel Pascual stammte aus ärmlichen Verhältnissen und war mit seinem Bruder Toni im Nachtleben an der Playa de Palma reich geworden. Nach der Festnahme 2015 kam es zum Zerwürfnis mit dem Bruder und seinem Sohn Onofre, der ebenfalls ins Familienunternehmen eingestiegen war. Miguel Pascual gehört aktuell noch das Oberbayern, er darf sich dem Lokal nach gerichtlicher Anweisung aber nicht nähern. Seit einigen Jahren betreibt er in der Nähe der Cala Pi das Weingut "Vi Rei". /pss

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