NATO-Manöver vor Mallorca: "Seeminen sind die Waffen der Feiglinge"
Kommandeure zogen nach zweiwöchiger Übung bei einem Abendessen in Cala Pi Bilanz

Das spanische Schiff "Relámpago", hier im Hafen von Palma, leitete die Vorbereitung des Manövers. / Manuel R. Aguilera
Es war eine Routineübung, die jedoch vor dem Hintergrund des Kriegsgeschehens in der Ukraine und im Schwarzen Meer noch einmal eine ganz andere Bedeutung bekommt. Eine Woche lang haben NATO-Schiffe vor der Südküste von Mallorca die Räumung von Seeminen geübt. Bei einem Abendessen im Restaurant „Mirador de Cabrera“ in Cala Pi zogen die Verantwortlichen des "Spanish Minex-24" genannten Manövers nun Bilanz.
„Es ging darum, unsere Einsatzfähigkeit zu prüfen und unter Beweis zu stellen, dass wir die NATO-Mitgliedsstaaten in dieser Hinsicht verteidigen können", sagte gegenüber der Mallorca Zeitung Fotis Paraskevas. Der griechische Kapitän zur See war der Kommandant der Flottille von fünf Minenräumschiffen sowie einem Führungs- und Versorgungsschiff.

Für das Nato-Manöver Minex-24 verantwortliche Offiziere am Freitagabend in Cala Pi. / Ciro Krauthausen
Das war das Krisenszenario vor Mallorca
Zu dem Abendessen eingeladen hatte der deutsche Admiral und Kommandeur der NATO-Überwasserstreitkräfte Stefan D. Pauly. Um Seeminen zu orten und unschädlich zu machen, halten die Marine-Einheiten der NATO regelmäßig Übungen ab. Die Minenattrappen hatte diesmal die spanische Marine ausgesetzt, die Flottille aus zwei italienischen und je einem französischen, griechischen, türkischen und spanischen Schiff war damit beauftragt, sie aufzuspüren. In dem Krisenszenario sollten sie so den Seeweg für die Anlandung von Amphibienfahrzeugen auf Mallorca freimachen.
„Uns ist gelungen, über 90 Prozent der Minen aufzuspüren“, sagte Verbandskommandeur Fotis Paraskevas. Hinzu kamen noch drei weitere Attrappen, die aus einem vergangenen Manöver stammten und - wie auch so mancher von Yachten stammender Hausrat - am Meeresgrund lagen.
Seeminen werden entweder auf dem Meeresgrund positioniert oder dort verankert, um sie dann unterhalb der Wasseroberfläche schwimmen zu lassen. Minenräumschiffe können die Sprengkörper mit ihren Sonargeräten aufspüren. Im nächsten Schritt müssen Unterwasserroboter oder Taucher sie genauer identifizieren, um sie dann - etwa durch eine ferngesteuerte Sprengung - unschädlich zu machen.
Im Schwarzen Meer ist die Gefahr ganz real
Was für eine Bedeutung Seeminen im Kriegsfall zukommt, zeigt derzeit die Situation im Schwarzen Meer, wo Russland mit Seeminen Getreideexporte der Ukraine zu verhindern versucht und driftende Sprengkörper die Schifffahrt gefährden. "Seeminen sind die Waffen der Feiglinge", sagte am Freitag der französische Korvettenkapitän Stéphane Méline. Die Anrainerstaaten Türkei, Rumänien und Bulgarien versuchen seit Anfang des Jahres gemeinsam, die Seeminen wieder zu räumen.
Maó auf Menorca als ständiger Anlaufpunkt
Die zweiwöchige NATO-Übung hatte zunächst im Hafen von Maó (Menorca) begonnen, wo die Schiffe zusammenkamen. Spanien hatte der NATO kürzlich angeboten, Maó als ständigen Versorgungs- und Rückzugshafen nutzen zu können, Kritiker befürchten eine Militarisierung, Umweltschäden und eine Beeinträchtigung des Tourismus'.
Das sind Sorgen, die der spanische Korvettenkapitän Ángel F. Díez Núñez im Gespräch mit der MZ für unbegründet hält. „Es geht hier meines Wissens nicht um eine ständige Marinebasis, sondern um eine Vereinbarung, um den Hafen bei Bedarf – etwa einer Reparatur – ohne vorherige diplomatische Erlaubnis nutzen zu können.“ Der Besuch der NATO-Schiffe schädige die Umwelt nicht, und die Landgänge ihrer Besatzungen könnten für die lokale Wirtschaft sogar von Vorteil sein.
Verstehen, was die Russen im Mittelmeer vorhaben
Das Angebot, den Hafen von Maó NATO-Schiffen zur Verfügung zu stellen, erfolgt vor dem Hintergrund des aggressiven weltpolitischen Gebarens von Russland. „Natürlich sind wir alarmiert“, sagt der griechische Verbandskommandeur Fotis Paraskevas. „Unsere wichtigste Priorität ist nun zu verstehen, was die Russen im Mittelmeer unternehmen und warum - ohne dabei die Lage zu eskalieren.“ Moskau unterhält eine Marinebasis in Syrien, die russischen Schiffe patrouillierten derzeit von dort aus und überwachten bestimmte Logistikrouten, so Paraskevas.

Eines der an der Nato-Übung Minex-24 teilnehmenden Schiffe. / Manuel R. Aguilera
Die NATO-Flottille brach am Samstag wieder auf und nahm Kurs auf italienische Gewässer, wo weitere Übungen stattfinden sollen. Teil der Einheit ist auch ein italienisches Schiff, zu dessen Besatzung ein Soldat gehört, den eine finnische Urlauberin beschuldigt, sie bei einem Landgang in Magaluf vergewaltigt zu haben. Der Kapitän des Schiffes hatte sich geweigert, den Soldaten der Guardia Civil zu übergeben. „Die italienische Polizei wird dem Vorwurf nachgehen und mit spanischen Behörden zusammenarbeiten“, versichert die Einsatzleitung.
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