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Nach Ekelattacke in Restaurant: Ehemaliger hochrangiger Regierungsmitarbeiter zu Gefängnisstrafe verurteilt

Der Ex-Leiter des öffentlichen Unternehmens Ibitec hatte sich schuldig erklärt, einer Frau gegen ihren Willen das Gesicht abgeleckt und einen Polizisten geschlagen zu haben

Juan Antonio Serra Ferrer (re.) erscheint mit seinem Anwalt am Freitag (31.5.) vor Gericht.

Juan Antonio Serra Ferrer (re.) erscheint mit seinem Anwalt am Freitag (31.5.) vor Gericht. / DM

Redaktion DM

Redaktion DM

Der ehemalige hochrangige Mitarbeiter der Balearen-Regierung Juan Antonio Serra Ferrer ist am Freitag (31.5.) zu zwei Jahren Gefängnis wegen einer Sexualattacke gegen eine Frau und Gewalt gegen einen Polizisten verurteilt worden. Zudem muss er die Frau mit 1.360 Euro und den Beamten mit 1.000 Euro entschädigen. Der Unternehmer, der zum Zeitpunkt des Vorfalls in der Privatwirtschaft tätig war sowie einen Professorenposten an der Balearen-Universität innehatte, hatte sich zuvor in allen Anklagepunkten schuldig erklärt. Serra Ferrer akzeptierte die Strafe, eine Revision ist dadurch nicht mehr möglich.

Ins Gefängnis muss Serra Ferrer nicht. In Spanien ist es üblich, dass Gefängnisstrafen von bis zu zwei Jahren zur Bewährung ausgesetzt werden. Im Fall des nun Verurteilten sind es fünf Jahre, in denen er nicht straffällig werden kann. Zudem muss er den Schadensersatz binnen eines Monats leisten. Da er den Großteil der Summe schon vor Gericht hinterlegt hatte, wird dies kein Hindernis darstellen. Bei Verlassen des Gerichts wollte sich der Verurteilte nicht weiter äußern: "Der Fall liegt zwei Jahre zurück und ist nun komplett abgeschlossen. Alles Wichtige dazu kann man im Urteil nachlesen", erklärte er gegenüber den wartenden Medienvertretern.

Darum geht es in dem Fall

Der Fall hatte sich Ende Mai 2022 in einem Lokal am Paseo Mallorca in Palma ereignet. Laut Anklage hielt Serra Ferrer die Frau "mit eindeutig wollüstiger Absicht" im Vorbeigehen fest und versuchte sie zu küssen. Die Frau wehrte sich, Serra Ferrer leckte daraufhin ihr Gesicht ab.

Der Vorfall sorgte für großen Aufruhr, einer der Anwesenden rief die Nationalpolizei. Als ein Beamter den Mann festnehmen wollte, verpasste ihm dieser einen Faustschlag und verletzte ihn an der Schulter. Die Universität entließ Serra Ferrer nach Bekanntwerden des Zwischenfalls. Auch seinen Job beim Privatunternehmen in der Gesundheitsbranche war er wenige Monate später los.

Die politischen Verbindungen

Dass der Fall hohe Wellen schlägt, liegt daran, dass Serra Ferrer im August 2023 zum Chef des öffentlichen Unternehmens Ibetec ernannt wurde. Dieses untersteht dem balearischen Wirtschaftsministerium, das wiederum von Serra Ferrers engem Freund Antoni Costa geleitet wird. Nachdem die MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca" Ende November über den Fall berichtete, wurde der Beschuldigte bei Ibetec entlassen.

Costa derweil musste kleinlaut zugeben, dass er über die Vorwürfe gegen seinen Freund informiert war, als er ihm den mit einem Jahresgehalt von 57.000 Euro versehenen Posten verschaffte. Der Politiker erklärte, Serra Ferrer habe ihm versichert, dass die Vorwürfe unberechtigt seien. Gleichzeitig versicherte Costa, dass Parteichefin Marga Prohens über die Anschuldigungen gegen den Unternehmer nicht im Bilde gewesen sei. Er verweigerte den Rücktritt und zeigte sich angriffslustig: "Ich akzeptiere keinerlei Lektionen darüber, wie man Gewalt gegen Frauen mit höchstem Nachdruck bekämpfen muss." Die Opposition warf ihm vor, eher dem Täter statt den Opfern geglaubt zu haben.

Laut Staatsanwaltschaft erlitt die Frau durch die Attacke Verletzungen an der Wirbelsäule und Panikattacken. Zudem habe sich eine psychische Störung, an der sie litt, in Folge der Attacke verschlimmert. Der angegriffene Polizist musste ärztlich behandelt werden und war zwei Wochen lang krankgeschrieben. Die Staatsanwaltschaft hatte ursprünglich drei Jahre Gefängnis sowie einen Schadensersatz in Höhe von 2.360 Euro für die Frau und 540 Euro für den Beamten gefordert.

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