Selbstjustiz an der Playa de Palma: Mob macht Jagd auf vermeintlich kriminelle Algerier
Die jungen Nordafrikaner sollen zuvor vor den Anfeindungen in Palmas Stadtteil Son Gotleu nach Arenal geflohen sein

Redaktion MZ
Eine aufgebrachte Menge hat in der Nacht von Mittwoch (5.6.) auf Donnerstag in Arenal auf Mallorca Jagd auf algerische Migranten gemacht. Sie werfen den jungen Leuten vor, für Einbrüche und Diebstähle verantwortlich zu sein. Zuvor kam es zu ähnlichen Hetzjagden in Palmas Stadtviertel Son Gotleu, woraufhin die Algerier nach Arenal geflohen sein sollen.
Die Angreifer bestehen mehrheitlich aus Gitanos, wie die Roma in Spanien genannt werden. Rückhalt erfahren deren Clans durch die rechtsextreme Vox-Partei sowie einer aggressiven, die Gerüchteküche anheizenden Berichterstattung in mallorquinischen Medien.
Der Mob versammelte sich gegen 22 Uhr auf der Plaça Reina María Cristina, umgangssprachlich als Plaza Naranja bekannt. An den Platz grenzt auch die Bar "Why not", die vor zwei Jahren durch den Brand und die anschließende Festnahme der Kegelbrüder Schlagzeilen machte.
Zu der Menge, die Anzahl schwankt je nach Bericht von mehreren Dutzend bis hin zu 200 Menschen, sollen sich auch Gitanos aus Son Gotleu gesellt haben. Mit Stöcken und Schläger bewaffnet zogen sie zu einer verlassenen Bäckerei. In der sich die Algerier angeblich aufhielten.
Polizei patroullierte die ganze Nacht
In einem Video, das der MZ vorliegt, ist zu sehen, wie Männer Gegenstände von einem Balkon werfen. Ob es sich dabei um die Algerier handelt, die sich verteidigen, oder die Gitanos, die Sachen aus dem Gebäude werfen, ist unklar. Ein großes Polizeiaufgebot setzte den Unruhen ein Ende.
Die Gemeindeverwaltung von Llucmajor sicherte zu, die Tür der besetzten Bäckerei am nächsten Morgen versiegeln zu lassen, damit das Gebäude nicht mehr bewohnt werden kann. Die Polizei patroullierte die ganze Nacht und unterband weitere Ausschreitungen. Der MZ liegt ein Aufruf für einen Protestmarsch am Donnerstagabend auf der Plaça Reina Maria Cristina gegen die Algerier vor.
Die jagdähnlichen Szenen auf die Algerier begannen am Montag der vergangenen Woche in Son Gotleu. Vier Personen wurden bei den Auseinandersetzungen verletzt. Die Polizei erstickte weitere Angriffe im Keim. Am Freitag demonstrierten 300 Anwohner gegen die Einwanderer. Einen ausführlichen Artikel zu der Problematik finden Sie in der Printausgabe der MZ vom Donnerstag (6.6.) und im E-Paper.
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