Zum Hauptinhalt springenZum Seitenende springen

Auf Mallorca konfiszierte russische Yacht "Tango": FBI schreibt Kopfgeld für Verwalter aus, dessen Aufenthaltsort bekannt ist

FBI schreibt eine Million US-Dollar für Hinweise aus, die zur Festnahme oder Verurteilung von Vladislav Osipov führen. Der aber versteckt sich keineswegs

Das Fahndungsplakat des FBI.

Das Fahndungsplakat des FBI. / FBI

Ralf Petzold

Ralf Petzold

Der US-amerikanische Sicherheitsdienst FBI hat in einem Steckbrief ein Kopfgeld in Höhe von 1 Million US-Dollar für Hinweise ausgeschrieben, die zur Festnahme oder Verurteilung von Vladislav Osipov führen. Dabei geht es auch um die von den US-Behörden vor zwei Jahren auf Mallorca konfiszierte Yacht "Tango". Osipov versteckt sich aber keinesfalls, wie er bereits im April in einem Interview mit der "NZZ" schilderte. "Mein Aufenthaltsort ist dem FBI selbstverständlich bekannt", sagte er.

Kurz nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs beschlagnahmten FBI-Beamte bei einer Razzia in Zusammenarbeit mit der Guardia Civil die "Tango" im Hafen von Palma. Sie soll dem russischen Oligarchen Viktor Wekselberg gehört haben, der wegen seiner Nähe zum Kreml auf der Sanktionsliste der USA steht. Vladislav Osipov wiederum betreut seit 2015 die privaten Aktivitäten Wekselbergs in Europa, darunter auch die "Tango". Wobei es derzeit noch unklar ist, wem das Schiff offiziell überhaupt gehört.

Im FBI-Steckbrief heißt es: "Vladislav Osipov wird gesucht wegen seiner angeblichen Beteiligung an kriminellen Handlungen, darunter Bankbetrug, Geldwäsche, Verschwörung zum Betrug an den Vereinigten Staaten und Verstößen gegen das Gesetz über wirtschaftliche Befugnisse bei einer internationalen Notlage." Seit Februar gilt er als flüchtig.

Die Oligarchen-Yacht Tango im Hafen von Palma.

Die Oligarchen-Yacht Tango im Hafen von Palma. / Miguel Vicens

"Ich bin weder flüchtig noch untergetaucht, sondern wohne weiterhin, wie schon die letzten zehn Jahre, mit meiner Familie in Herrliberg", sagte Osipov der "NZZ". Er habe den russischen Pass abgelegt und sei seitdem nur noch Schweizer Staatsbürger. Er sieht sich in der Opferrolle. So habe er keinen Gerichtstermin platzen lassen, aber durch den Flüchtigstatus kaum noch Rechte. Seine Firma musste er größtenteils schließen, selbst das Sparbuch seiner 15-jährigen Tochter sei gepfändet worden. "Der Name Osipov ist zur Hypothek geworden", sagte er. "Wegen der US-Behörden trage ich jetzt das Stigma, dass ich ein Krimineller sei und zum russischen Angriffskrieg in der Ukraine beitragen würde. Das macht mich wahnsinnig."

Wer kommt für die Rechnung für die "Tango" auf?

Zu den Besitzverhältnissen der "Tango" antwortet er "auf Anraten der US-Anwälte" aber nicht. Es ist unklar, wie es mit dem Schiff weitergeht. Die Rechnung für die Wartung und den Erhalt im Hafen von Palma schießt in die Höhe und wurde bereits im April auf rund 20 Millionen Euro geschätzt.

Das US-Repräsentantenhaus hatte bereits kurz nach der Razzia ein Gesetz verabschiedet hatte, nach dem die konfiszierten Vermögensgüter russischer Oligarchen verkauft werden können. Mit den eingenommenen Geldern sollte die militärische und humanitäre Hilfe für die Ukraine teilfinanziert werden. Die Untätigkeit nun erstaunt, denn in den USA macht man sich Sorgen darüber, dass die konfiszierten Güter nach Ende des Konflikts an die ursprünglichen Besitzer zurückgegeben werden müssen und dass man auf den horrenden Kosten sitzenbleibt.

Tracking Pixel Contents