"Hunger, Durst und kalt": Wie die Passagiere den Horrortrip auf der brennenden Mallorca-Fähre erlebt haben

Knapp 24 Stunden verbrachten 350 Passagiere auf hoher See. Nun sind sie wieder dort, wo sie losfuhren

Wie es auf dem Rettungsboot nach dem Brand der Mallorca-Fähre aussah

Ralf Petzold

Ralf Petzold

Die 350 Passagiere, die am Montag (8.7.) einen Horrortrip auf einer Mallorca-Fähre erlebten, berichten nach ihrer Ankunft im Hafen von Valencia von teils chaotischen Zuständen an Bord. Einige bestiegen inzwischen das nächste Schiff mit Kurs auf die Insel, andere kamen daheim oder im Hotel unter.

"Hunger, Durst und kalt. Wir hatten Angst, es gab kaum Infos", sagte einer der Passagiere. Andere berichten davon, dass an Bord zeitweise "Chaos" geherrscht habe. Gegen 2.30 Uhr in der Nacht auf Montag war auf der Fähre "Tenacia" der italienischen Reederei GNV ein Feuer in einem Maschinenraum ausgebrochen. Es soll gefühlt auf dem ganzen Schiff gequalmt haben, berichten einige Passagiere.

Verletzt wurde infolge des Brandes niemand, wie auch die Reederei am Montagabend noch einmal in einer Pressemitteilung hervorhob: "Dank des sofortigen Eingreifens des Personals, das in Abstimmung mit den verschiedenen beteiligten Behörden und Akteuren rasch die festgelegten Sicherheitsverfahren einleitete, konnten alle Personen, sowohl die Passagiere als auch die Besatzung, ohne körperliche Folgen an Land gebracht werden."

Kaum Verbindung zur Außenwelt

Um 3 Uhr weckte die Besatzung die Reisenden, stattete sie mit Rettungswesten aus und versammelte sie in den Aufenthaltsräumen. Während der vielen Stunden an Bord habe man ihnen nur zwei Mal etwas Wasser gegeben, sagt einer der Passagiere. Die Toiletten sollen in einem fürchterlichen Zustand gewesen sein.

15 Minuten lang durften die Passagiere das kostenpflichtige W-Lan der Fähre gratis nutzen. Danach funktionierte es nicht mehr. Der Empfang war schlecht an Bord.

Durch die Löscharbeiten stand das Parkdeck - wo viele Autos und Lkws standen - meterhoch unter Wasser. Die Fähre soll dadurch in Schieflage geraten sein. "Daher gab der Kapitän das Kommando, das Schiff zu evakuieren", erzählt einer der Passagiere der MZ-Schwesterzeitung "Levante".

Ein Passagier wurde per Hubschrauber gerettet

Bei der Evakuierung mussten die Passagiere über eine Rettungsrutsche das Schiff verlassen, um dann zunächst in den zu Wasser gelassenen Rettungsinseln unterzukommen. Bei der Rutschpartie zogen sich einige Passagiere Schürfwunden zu, Einer der Passagiere traute sich den Wechsel auf das Rettungsboot aus körperlichen Gründen nicht zu und wurde mit dem Hubschrauber eingesammelt. Von den Rettungsbooten aus ging es weiter auf die "GNV Bridge" - ebenfalls von der italienischen Reederei - und das Containerschiff "MSC Arica". Erstere kam 20.30 Uhr in Valencia an, zweitere etwas später.

Die Passagiere kamen auf Rettungsboote.

Die Passagiere kamen auf Rettungsboote. / Salvamento Marítimo

Die Fähre wird nun ebenfalls nach Valencia geschleppt, sie sollte am Dienstagmorgen dort ankommen. Die Passagiere müssen nun schauen, in welchem Zustand ihre Fahrzeuge und das Gepäck sind. Wer nicht in Valencia wohnte, den brachte die Reederei in zwei Hotels der Stadt unter. Spätestens am Mittwoch sollen nun alle Passagiere die Reise nach Mallorca abschließen. Nicht wenige werden künftig wohl lieber mit dem Flugzeug reisen.

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