Nach Restauranteinsturz: Medusa Beach Club macht unter neuem Namen schon wieder auf

Dabei sind die Trauerkränze am Unfallort noch nicht einmal weggeräumt

Links: Der noch versperrte eingestürzte Gebäudeteil. Rechts: Hier empfängt nun das Laguna Playa wieder Gäste.

Links: Der noch versperrte eingestürzte Gebäudeteil. Rechts: Hier empfängt nun das Laguna Playa wieder Gäste. / Ingo Wohlfeil

Die Blumen der Trauerkränze sind noch nicht verwelkt, die Kerzen noch nicht weggeräumt. Anderthalb Monate nachdem vier Personen beim Einsturz des Medusa Beach Clubs ihr Leben verloren, hat der österreichische Betreiber Christian A. nun beschlossen, dass das Leben weitergeht. Er eröffnet einen Teil des Restaurants unter neuem Namen wieder. Aus dem Medusa Beach Club ist das Laguna Playa geworden.

Das Gebäude mit der eingestürzten Terrasse befindet sich im Carrer Cartago, 34. Das Haus ist weiterhin abgesperrt, davor liegen Kränze und Kerzen. Geöffnet ist nun das Laguna Playa nebenan in der Hausnummer 35. Ein Gang verband beide Häuser, dieser wurde mittlerweile mit Spanplatten geschlossen.

Vor dem eingestürzten Gebäudeteil liegen weiter Trauerkränze. Rechts hat das Lokal wieder eröffnet.

Vor dem eingestürzten Gebäudeteil liegen weiter Trauerkränze. Rechts hat das Lokal wieder eröffnet. / Ingo Wohlfeil

Die beiden Gebäude waren 2018 auf Initiative der österreichischen Brüder Christian und Gerald A. zusammengelegt worden. Zusammen mit zwei weiteren Personen gründeten sie die Gesellschaft "Tex Mex Cactus" und begannen, in dem Doppelgebäude das gleichnamige mexikanische Restaurant zu betreiben.

Gerald A. war damals bereits Geschäftsführer eines anderen Lokals an der Playa de Palma und übte beide Tätigkeiten gleichzeitig aus, bis er sich im September 2020 von "Tex Mex" trennte. Sein Bruder war fortan der alleinige Verwalter. Nach einer Renovierung eröffnete Christian A. im Mai 2021 den Medusa Beach Club, der sich über das Erdgeschoss beider Häuser sowie die Terrasse im ersten Stock in der Hausnummer 34 erstreckte.

Polizeibeamte stehen vor dem Gebäude des Medusa Beach Club nach dem Einsturz.

Polizeibeamte stehen vor dem Gebäude des Medusa Beach Club nach dem Einsturz. / Clara Margais/dpa

Unverständnis bei vielen Playa-Besuchern

Am Dienstagnachmittag saßen im Laguna Playa nur eine Handvoll Gäste, die Außenterrasse war verwaist. Abends sollte das EM-Spiel Spanien gegen Frankreich gezeigt werden. Vom Nachrichtenportal "Der Westen" interviewte Passanten reagierten mehrheitlich mit Unverständnis auf die Wiedereröffnung. „Ich würde mich da nicht hineinsetzen, hätte ein mulmiges Gefühl, dass das nochmal passiert", sagte der Urlauber Marvin Ahrens. „Die Umbenennung ist für mich ein Unding. Ich habe 25 Jahre auf dem Bau gearbeitet und das sieht man doch sofort, dass das Gebäude marode ist und einstürzen musste“, so der ehemalige Bauarbeiter Wolf Hemer. 

Andere zeigten etwas mehr Verständnis. „Eigentlich ist das nicht korrekt, solange die Gründe nicht genau aufgedeckt wurden. Aber natürlich ist es auch verständlich, dass der Inhaber seine laufenden Kosten decken muss“, sagte der Urlauber Christian Bruns „An sich sieht das Lokal ansprechend aus und solange nicht klar ist, wer verantwortlich ist, sehen wir das nicht so dramatisch“, kommentierten Kristina und Benita aus München.

Was geschah im Medusa Beach Club?

Am Abend des 23. Mai stürzte die Dachterrasse des Medusa Beach Clubs ein und krachte bis in den Keller durch, wo sich die Bar "Coco Rico" befand. Vier Menschen, darunter zwei deutsche Urlauberinnen, verloren dabei ihr Leben. Laut Polizeizählung verletzten sich 14 Personen. Alle sind mittlerweile aus dem Krankenhaus raus.

Direkt nach dem Einsturz habe die Polizei in Zusammenarbeit mit Inspektoren des Rathauses Ermittlungen aufgenommen und festgestellt, dass der Anbau der Terrasse illegal war, hieß es Ende Juni in einer Pressemitteilung der Polizei. Es habe keine Baulizenz vorgelegen. Der illegale Anbau sei nicht ausreichend gestützt gewesen, so die Polizei weiter.

Zum Zeitpunkt des Einsturzes befanden sich 21 Restaurantgäste im ersten Stock. Am 26. Juni nahmen Polizisten Christian A. wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung und fahrlässigen Körperverletzung fest. Der Untersuchungsrichter ließ den Österreicher am selben Tag frei, entzog ihm aber den Reisepass.