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Attacke auf Taxifahrer: Welche deutschen Polizisten werden belangt?

Deutsche Polizisten schlagen einen 71-jährigen Taxifahrer krankenhausreif, den sie fälschlich beschuldigen, ein Handy gestohlen zu haben. Wer wird dafür belangt? Was sagen die Beschuldigten?

José María P. im Krankenhaus.

José María P. im Krankenhaus. / Bastian Schlüter/MallorcaTV.info

Mallorca hat schon viele Exzesse betrunkener Partyurlauber erlebt, dieser gehört zu den gravierendsten: Mindestens ein deutscher Polizist, mutmaßlich aber auch noch drei weitere, haben vor einem Landhotel in Petra einen 71-jährigen Taxifahrer regelrecht gefoltert, weil sie ihn verdächtigten, ein Handy gestohlen zu haben. Der oder die Urlauber hielten ihn über anderthalb Stunden fest und schlugen immer wieder auf den Mann ein, der danach zwei gebrochene Rippen, einen gebrochenen Arm und Hämatome im Gesicht sowie an einem Bein aufwies.

Erst eine herbeigerufene Streife der Guardia Civil bereitete der Gewalt ein Ende. Die spanischen Beamten nahmen den Hauptbeschuldigten T. R. noch in der Nacht fest, zwei weitere Beschuldigte, D. B. und R. K., am Morgen darauf. Eine Ermittlungsrichterin in Manacor ließ alle drei noch am Abend wieder frei, mit der einzigen Auflage, dass sie sich dem Taxifahrer nicht mehr nähern dürfen. Diesbezüglich besteht keine Gefahr: Die Mitglieder einer Polizeihundertschaft in Essen (NRW) sind nach Deutschland zurückgekehrt. Nun beginnt die straf- und disziplinarrechtliche Aufarbeitung des Geschehens. Erste Befürchtungen, dass hier nicht hart durchgegriffen werden könnte, gibt es bereits.

Deutsche Polizisten verprügeln Taxifahrer auf Mallorca: Jetzt spricht das Opfer im Video über die Horror-Nacht

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Bastian Schlüter / Ralf Petzold

Kurzurlaub auf der Insel

Die drei deutschen Polizisten hatten MZ-Informationen zufolge gemeinsam mit über weiteren 20 Mitgliedern der Essener Hundertschaft einen Kurzurlaub auf Mallorca verbracht. Am Nachmittag des 19.8. ging es mit einem Bus an die Playa de Palma, die Rückfahrt in der Nacht erfolgte in Taxen. T. R. und D. B. nahmen gegen 3.30 Uhr in der Nacht gemeinsam mit zwei weiteren Kollegen das Taxi des 71-jährigen Mallorquiners. Die Fahrt verlief ruhig, die offenbar schwer betrunkenen Polizisten schliefen größtenteils. Nach der Ankunft an der Einfahrt des Landhotels gegen 4.10 Uhr verabschiedeten sich die beiden Mitfahrer, während T. R. und D. B. zurückblieben: T. R. vermisste sein Handy. Gemeinsam mit dem Taxifahrer begann die Suche danach. Als es sich nicht fand, riefen sowohl der Taxifahrer als auch D. B. die Polizei, die jedoch erst einmal nicht eintraf. Unterdessen kamen aus dem Landhotel noch mindestens zwei weitere Beamte hinzu, einer davon war R. K.

Laut der Schilderung des Taxifahrers prügelten die Deutschen nun zu viert auf ihn ein. Am häufigsten habe T. R. zugeschlagen, aber auch die anderen hätten ihm Schläge und Tritte versetzt. Zudem: Einer, ein etwas kahlköpfiger Polizist, der nicht an Bord des Taxis gewesen war, habe die Befehle gegeben. „,Schlag zu‘, und es setzte einen Schlag. ,Hör auf‘, und es hörte auf“, erinnerte sich der Taxifahrer gegenüber der MZ. Die Gewaltorgie habe darin gemündet, dass man ihn ins Taxi gesetzt und gedroht habe, die Handbremse zu lockern und den Wagen einen Abhang hinunterrollen zu lassen, um einen Unfall zu simulieren.

Der mutmaßliche Haupttäter eines Angriffs auf einen Taxifahrer.

Der mutmaßliche Haupttäter eines Angriffs auf einen Taxifahrer. / mallorcatv.info

Als gegen 5.45 Uhr in der Früh eine Streife der Guardia Civil eintraf, befahlen die spanischen Beamten D. B., die anderen beiden Mitfahrer zu wecken und herbeizuholen. Dabei stellte sich heraus, dass einer von ihnen das Handy hatte. T. R. entschuldigte sich daraufhin mehrfach bei dem Taxifahrer und bot ihm und womöglich auch den spanischen Beamten Geld an, um eine Anzeige zu verhindern. Die Polizei nahm ihn daraufhin fest.

Das sagen die Beschuldigten

Laut MZ-Informationen hat der Handybesitzer und Hauptbeschuldigte T. R. gegenüber einem Vorgesetzten sowohl die Vortäuschung eines Unfalls als auch den Versuch der Bestechung bestritten. Sein Begleiter D. B. bestreitet jegliche Gewaltanwendung seinerseits und gibt zu Protokoll, dass er mit Telefonanrufen und Handysuchen beschäftigt war. R. K. ist seiner Aussage zufolge erst ganz am Schluss, als die Polizei schon eingetroffen war, dazugestoßen. Wer der vierte Deutsche, von dem der Taxifahrer sprach, gewesen sein könnte, ist unklar. Im Außenbereich des Landhotels war noch ein weiterer Beamter, dem vor Trunkenheit speiübel gewesen sein soll.

Es ist nun an der Ermittlungsrichterin, Verantwortlichkeiten auszumachen. Ein offizieller Bericht seitens der spanischen Behörden lag dem Polizeipräsidium Essen am Mittwoch (28.8.) noch nicht vor. Eine Anfrage, ob zumindest T. R. vorsorglich vom Dienst suspendiert worden ist, blieb bis zum Redaktionsschluss unbeantwortet.

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