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Besuch in den "Horrorwohnungen" in Palma: Jetzt fehlt auch noch der Strom

Der Eigentümer – ein Beamter der Ortspolizei – verlangte teils hohe Summen für Bruchbuden in katastrophalem Zustand. Nun wurde den Bewohnern auch noch der Strom abgestellt – aus Rache, vermuten sie

Die Feuchtigkeit ist in den Kellerräumen der "Horrorwohnungen" allgegenwärtig

Die Feuchtigkeit ist in den Kellerräumen der "Horrorwohnungen" allgegenwärtig / Manu Mielniezuk

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Die Zustände in den "Horrorwohnungen" in Palma, die ein Beamter der Ortspolizei an Einwanderer ohne Aufenthaltsgenehmigung vermietet, scheinen sich immer weiter zu verschlechtern. Und das, obwohl – oder gerade weil – der Polizist vor wenigen Monaten eine saftige Geldstrafe aufgebrummt bekam, nachdem publik wurde, zu welch menschenunwürdigen Bedingungen er die Menschen in den 73 Wohngelegenheiten – zumeist Kellerräumen und Lagerhallen ohne Fenster – gegen Geld hausen lässt. Jetzt soll er den Menschen auch noch den Strom abgestellt haben. Die MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca" war vor Ort, um sich die katastrophalen Zustände anzusehen.

Während die Mieter in der Dunkelheit der Notunterkünfte in der Avenida Joan Miró im Viertel Gomila umhertappen, beschwert sich ein mürrischer Mann über den Stromausfall. Seit mehr als 72 Stunden sei der Strom in diesem Moment bereits weg, im gesamten Gebäude, in allen Etagen, schimpft der Mann. „Er lebt seit etwa zehn Jahren hier“, sagt Davinson Gil in Richtung des Mannes und geht weiter durch die dunklen Räume, während er seine Geschichte erzählt. Als Gil nach Palma kam, habe man ihm von einem Polizisten erzählt, der Zimmer vermietet. Er habe sich mit dem Besitzer in Verbindung gesetzt, doch der Polizist habe ihn das Zimmer nicht ohne vorherige Zahlung besichtigen lassen. „Ich habe eine Kaution von 200 Euro bezahlt, zusätzlich zu den 350 Euro für die monatliche Miete. Er hat mich praktisch gezwungen, zu bleiben“, erklärt Gil.

Tod wegen fehlender Belüftung?

Auch die anderen Bewohner, darunter Babys und Menschen mit Behinderungen, fühlen sich durch die prekäre Situation dem Ersticken nah. Sie sind sich sicher: Es war der Eigentümer dieser illegalen Lagerräume, der den Strom abgestellt habe, "um uns rauszuwerfen“, nachdem er die Geldstrafe erhalten hatte. Aktuell wartet der Besitzer der Lagerräume darauf, dass er sich wegen möglicher weiterer Straftaten vor Gericht verantworten muss. Von seinem Job als Ortspolizist ist er zwei Jahre und vier Monate lang suspendiert.

Nun also der Stromausfall. Beleuchtung und Belüftung existieren nicht mehr. Und das habe in den schimmeligen, fensterlosen Kammern teils fatale Folgen. So erzählt Davinson Gil vom Tod eines Nachbarn: „Es war ein älterer Herr, und er starb vor ein paar Monaten wegen der fehlenden Ventilation.“ Der Geruch, den seine Leiche verströmte, sei unerträglich gewesen. Acht Tage später sei sein lebloser Körper schließlich entdeckt worden. Jetzt ist das Zimmer direkt neben dem von Gil zugemauert. Nichts deutet darauf hin, dass hier noch vor kurzem jemand lebte und starb.

Feuchtigkeit und Hitze

Der Strom fiel nachts aus. In den Baracken vermutet man, dass der Eigentümer das Stromunternehmen angerufen hat, um den Strom abzustellen. Es gibt eine einstweilige Verfügung, die den ehemaligen Polizisten daran hindert, sich den Mietern zu nähern. Doch zuvor sei er mehrmals mit aggressiver Haltung aufgetaucht. „Er kam und drohte uns, die Klimaanlagen abzuschalten“, sagt Gil. Jetzt, nach dem Stromausfall, können sie nicht einmal einen Ventilator anschließen. „Alles ist in sehr schlechtem Zustand, und die Hitze ist unerträglich“, fügt er hinzu.

Vor seinem Zimmer gibt es einen großen Feuchtigkeitsfleck, der von der oberen Etage kommt. Tiefschwarze Muster ziehen sich über die baufällige Decke. Beim Betreten seines Zimmers ist der Geruch fast unerträglich. Es ist etwa fünf Quadratmeter groß. Immerhin: Auf diesen fünf Quadratmeter lebt Gil allein.

550 Euro für weniger als fünf Quadratmeter

Einige Frauen hängen im Kellergeschoss, in dem sie leben, Wäsche auf

Einige Frauen hängen im Kellergeschoss, in dem sie leben, Wäsche auf / Manu Mielniezuk

Andrés Repetero hingegen teilt sich mit seiner Partnerin und seiner Tochter einen noch kleineren Raum. „In einigen Zimmern leben mehr als fünf oder sechs Personen“, erwähnt er. Morgens arbeitet er und seine Frau kümmert sich um das kleine Kind. Repetero erklärt, dass er aufgehört habe, die 550 Euro monatlich zu zahlen, die der Besitzer verlangt. Die Preise variierten je nach Anzahl der Personen, die in den vom Polizisten vermieteten Zimmern wohnen. Einige Familien zahlten weiterhin zwischen 450 und 600 Euro für den Lagerraum.

Auch eine Küche gibt es im Labyrinth des unteren Blocks der Notunterkünfte nicht. Nur eine Gasflasche, die als improvisierte Küche für alle herhält. Die Familien wechseln sich ab, um zu Mittag und zu Abend zu essen. Eine Mutter füttert ihr Baby, das kaum ein Jahr alt ist, während Gil sich daran erinnert, dass er vor ein paar Tagen erst um 21 Uhr Mittag essen konnte, so lang sei die Schlange um die provisorische Küche gewesen.

Keine Alternativen

Die Mehrheit der 53 Personen, die in den Notunterkünften im Stadtviertel Gomila leben, befindet sich seit etwa einem Jahr in dieser Situation. Sie suchen nach Alternativen, finden aber keine. Am Eingang, in einem kleinen Innenhof, verbringen sie fast den ganzen Tag und die ganze Nacht bis in die frühen Morgenstunden, wenn die Hitze nachlässt und sie schlafen gehen können. Dort erinnern sie sich, dass sie vor fünf Monaten zu einer Stadtratssitzung in Palma gingen und ein Beamter erschien, um die Situation der Zimmer zu überprüfen. „Man sagte uns, dass man uns helfen würde. Aber wir haben nie wieder etwas gehört“, klagen sie.

María Eugenía Zapata will raus hier - wie so viele andere der Bewohner. „Wir brauchen Hilfe, um zu wissen, wen und wie wir anzeigen sollen“, bittet sie. Sie erklärt, dass die Nachbarn gemeinsam einen Tank für Abwasser gekauft hätten. „Aber der funktioniert auch nicht, wegen des Stromausfalls“, betont sie. "Wir wollen weg, aber wir können nicht", erklärt sie auf einer Treppe sitzend und umgeben von Kindern und Jugendlichen. „Um Zugang zu einer Wohnung zu bekommen, verlangt man von uns zwei Gehaltsabrechnungen, eine Vorauszahlung, und mit Kindern ist es noch komplizierter“, beklagt sie. Abgesehen davon, dass es in Palma aktuell so gut wie keinen freien Wohnraum gibt, der zur Miete frei wird. Dabei sind Zapatas Ansprüche nicht hoch. „Wir möchten nur, dass unsere Kinder irgendwann das Licht der Sonne sehen können."

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