So erlebte ein Beach-Club-Betreiber die Ankunft eines Migrantenboots mit 101 Personen an Bord auf Ibiza
Es ist das größte Schiff, das in den vergangenen Jahren auf Mallorca und den Nachbarinseln angekommen ist

Mit diesem Fischerboot erreichten 101 Migranten Ibiza. / Vicent Marí
Es ist wohl das größte Migrantenboot, das in den vergangenen Jahren auf den Balearen angekommen ist: 101 Personen erreichten am Dienstagmorgen (3.9.) gegen 2 Uhr auf einem alten Fischerboot Mallorcas Nachbarinsel Ibiza.
Der erste, der die Migranten aus Afrika sah, war der Sicherheitsmann eines Beach Clubs am Strand von Ses Salines. Der Mann ist marokkanischen Ursprungs und konnte sich mit vielen der Neuankömmlinge verständigen. Er gab ihnen zu essen und zu trinken. "Viele von ihnen waren nervös", erzählt Guillermo, der das Lokal am Strand im Süden der Insel betreibt, gegenüber der MZ-Schwesterzeitung "Diario de Ibiza". "Sie waren komplett durchnässt." Unter den Migranten waren zahlreiche Kinder, sogar Babys. Auch eine Frau ohne Beine war an Bord.
Ratlosigkeit nach der Ankunft
Einmal am Strand angekommen, entledigten sie sich der nassen Klamotten und zogen sich neue Kleidung an, die sie in wasserfesten Taschen mitgebracht hatten. Danach habe Ratlosigkeit geherrscht. "Sie wussten nicht, wohin", erklärt Guillermo. Der Sicherheitsmann rief die Polizei. "Es erschien eine Patrouille der Guardia Civil, aber die hat sich nicht der Menschen angenommen", so Guillermo. Später, als die Migranten den Strand bereits verlassen hatten, kam ein zweites Auto der Guardia Civil.
Stundenlang hätten die Bootspassagiere am Strand ausgeharrt. Der Sicherheitsmann lieh einer Frau, die ein drei Monate altes Baby dabei hatte, 80 Euro, damit sie ein Taxi nehmen konnte. Die anderen machten sich zu Fuß auf den Weg. Die nassen Klamotten ließen sie am Strand liegen. "Wir haben sie eingesammelt, falls die Guardia Civil sie nach Ausweispapieren durchsuchen will", erzählt Guillermo. Auf dem Fußmarsch trafen sie auf Partygänger, die gerade den Club DC10 verließen, was für Erstaunen bei den Gästen und den Sicherheitsleuten sorgte. Schließlich nahm die Nationalpolizei sich der Migranten an, versorgte sie gemeinsam mit Freiwilligen des Roten Kreuzes an der ehemaligen Marine-Station Botafoch im Hafen von Ibiza-Stadt.
13 Boote an einem Tag
Der Dienstag (3.9.) war ein besonders hektischer Tag, was die Ankünfte von Migranten auf den Balearen angeht. Insgesamt erreichten 317 Personen auf 13 Booten die Inseln, die meisten von ihnen auf Formentera. Vier Boote erreichten Mallorca, drei das Archipel Cabrera. Im Laufe des Jahres sind auf den Balearen laut offiziellen Zahlen 3.044 Menschen auf 179 Booten angekommen. Im Gesamtjahr 2023 waren es 2.278 Menschen auf 128 Booten.
Abonnieren, um zu lesen
- Dramatischer Vorfall in Palma: Mann springt von Hochhaus und fällt auf Gäste einer Caféterrasse
- Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez: Wie der Mallorca-Muffel hier früher Herzen brach
- Gleich zwei Waldbrände auf Mallorca - zwischenzeitlich auch Menschen in Gefahr
- Weil mitten im Sommer die Strandliegen fehlen: Balearen-Regierung feuert oberste Küstenchefin
- Nach Palma jetzt Sóller: Erneut großer Protest gegen Massentourismus auf Mallorca
- Angst vor Chaos zur Sonnenfinsternis auf Mallorca: Warum ab Montag (10.8.) auch Soldaten zum Einsatz kommen
- Nach Überfall mit Pistole: Wie die Polizei Lübeck einem Mallorca-Urlauber half, sein Portemonnaie an der Playa de Palma zurückzubekommen
- Zahl der Kontrollen von Autos mit ausländischen Kennzeichen spürbar erhöht': Veranstalter streicht Oldtimertreffen Mallorca Car Week

