Tödlicher Unfall mit Polizeiauto: Gericht schmettert Bußgeld-Antrag der Staatsanwaltschaft ab
Die Richter erklärten, es gebe Anzeichen für grobe Fahrlässigkeit vonseiten des Ortspolizisten

Der Unfallort am Passeig Sagrera. / B. Ramon
Im Fall des tödlichen Unfalls mit einem Polizeiauto auf Mallorca im Juni 2022 hat das Landgericht Palma den Antrag der Staatsanwaltschaft abgelehnt, den beschuldigten Ortspolizisten wegen eines einfachen Vergehens zu belangen. Es lägen laut dem Gericht genügend Indizien dafür vor, dass der Beamte grob fahrlässig gehandelt habe. Es sei daher nicht angebracht, bereits vor der mündlichen Verhandlung die mögliche Verantwortung des Angeklagten herunterzuspielen.
Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor Einspruch gegen die Entscheidung des Ermittlungsrichters eingelegt, den Beamten überhaupt auf die Anklagebank zu setzen. Demnach habe der Fahrer des Polizeiautos sich in der fraglichen Nacht – in der ein Mann ums Leben kam und zwei weitere Personen schwer verletzt wurden – lediglich eines einfachen Vergehens schuldig gemacht. Der zuständige Staatsanwalt forderte, es bei einer Geldstrafe von 6.480 Euro zu belassen. Die Familie des Opfers hingegen forderte vier Jahre Gefängnis für den Ortspolizisten.

Beamte der Guardia Civil am Unfallort am Paseo Sagrera. / IB3
Das Landgericht kam nun zu dem Schluss, dass nur die mündliche Verhandlung ausreichend Erkenntnisse liefern könne, die für das Strafmaß ausschlaggebend sein können. Darüber hinaus erklärten die Richter, dass es weder "willkürlich noch unlogisch" sei, dass man angesichts der Schwere des Vorfalls einen Prozess ansetze.
Das war passiert
Das Unglück hatte sich in der Nacht auf den 2. Juni 2022 gegen 0.30 Uhr ereignet. Wie es in der Anklageschrift heißt, wurde die Polizeistreife zu einem Notfall gerufen. Der Polizist fuhr "mit offensichtlicher Rücksichtslosigkeit" mit einer Geschwindigkeit zwischen 50 und 87 Stundenkilometern in einer auf 20 km/h begrenzten Zone. Daraufhin verlor der Polizist auf Höhe der Hausnummer 7 des Passeig Sagrera die Kontrolle über den Wagen und fuhr auf den Bürgersteig. Der Aufprall auf den Bordstein war so stark, dass alle vier Räder des Fahrzeugs aus der Verankerung gerissen wurden. Das Auto schlitterte etwa zwanzig Meter über den Fußweg und überfuhr die drei Opfer, bevor es gegen eine Steinbank prallte.
Bei dem Todesopfer handelte es sich um den 36-jährigen Italiener Mario D., der in der Gegend in einem Restaurant arbeitete und gerade seine Schicht beendet hatte. Seine Begleiter, ein 25-jähriger Schweizer und eine 35-jährige Polin wurden bei dem Aufprall schwer verletzt. /pss
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