Zum Hauptinhalt springenZum Seitenende springen

Fragwürdige Deals in der Wirtschaftskrise: Zweiter Prozess gegen Ex-Chefs der Mallorca-Sparkasse hat begonnen

Seit Montag (23.9.) stehen mehrere Ex-Manager von Sa Nostra wegen der Investition in eine andalusische Immobilienfirma vor Gericht

Einst Erfolgsbanker, heute Angeklagte: die ehemalige Chefetage voN Sa Nostra vor Gericht.

Einst Erfolgsbanker, heute Angeklagte: die ehemalige Chefetage voN Sa Nostra vor Gericht. / Efe

J.F. Mestre

J.F. Mestre

Die Chefetage der im Zuge der Wirtschaftskrise nach 2008 in die Insolvenz gegangenen mallorquinischen Sparkasse Sa Nostra steht seit Montag (23.9.) wieder vor Gericht. Im Prozess vor dem Nationalen Gerichtshof in Madrid geht es um die Investitionen der Bank in die andalusische Immobilienfirma Sotohermoso. Sa Nostra hatte im Jahr 2006 über die Tochtergesellschaft Invernostra eine 35-prozentige Beteiligung an der Firma erworben, in der Hoffnung, von den hohen Gewinnmargen des Immobiliengeschäfts zu profitieren.

Laut der Anklage hatte Sotohermoso allerdings kaum eines der Projekte gestartet, zahlreiche der anvisierten Bauflächen befanden sich nicht mal im Besitz des Unternehmens. Trotzdem habe Sa Nostra immer weiter Geld in das Unternehmen gepumpt, sodass das Kapital von Sotohermoso irgendwann zu 72 Prozent aus Sa-Nostra-Geldern bestand.

Das sagen die Angeklagten

Pau Dols, der letzte Vorstandschef der Sparkasse vor der Pleite, erklärte vor Gericht, man habe im Zuge der Wirtschaftskrise handeln müssen. Nicht weiter in Sotohermoso zu investieren, hätte automatisch die Insolvenz der Firma und den Verlust der 35-prozentigen Beteiligung bedeutet. Man sei davon ausgegangen, dass die Krise kurz und weniger heftig ausfalle als dann geschehen. Pau Dols betonte zudem, dass alle Investitionen von einem Ausschuss abgesegnet worden seien, in dem verschiedene Abteilungen der Sparkasse vertreten waren.

Ex Generaldirektor Pere Batle ging in seiner Aussage in eine ähnliche Richtung. Man habe weiter auch weiter Geld in die Immobilienfirma gepumpt, um ein Schaden am Ansehen der Sparkasse zu verhindern, der bei einem Konkurs zweifelsfrei entstanden wäre. Die Kredite seien unter der Bedingung vergeben worden, dass man in einem Zeitraum von drei Jahren die Option auf 100 Prozent der Anteile am Unternehmen erhält. Er erklärte zudem, das Investment in Sotohermano sei auf seine Initiative hin geschehen. Experten hätten ihm dazu geraten, Investmentmöglichkeiten nicht nur auf den Balearen zu suchen.

Im ersten Prozess freigesprochen

Neben Dols und Batlestehen auch die Ex-Manager Rafel Oliver, Fernando Alzamora und Antoni Cantallops sowie zwei Unternehmer vor Gericht, drunter Alfonso Sánchez, der Ex-Chef von Stotohermano. Es drohen Haftstrafen von bis zu vier Jahren und Entschädigungen in Höhe von insgesamt 36 Millionen Euro. Es ist bereits der zweite Prozess gegen die Sa-Nostra-Manager. Das erste Verfahren wegen abenteuerlicher Investitionen in Florida endete 2021 mit einem Freispruch. /pss

Abonnieren, um zu lesen

Tracking Pixel Contents