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Auch wegen Rassismus: Viele Einwanderer möchten Mallorca verlassen

Vor allem unter den Auswanderern der ersten Generation würden viele lieber wieder in ihre Heimat zurückkehren. Nicht selten begünstigen Erfahrungen mit Rassismus auf den Inseln die Entscheidung.

Menschen im Zentrum von Palma de Mallorca.

Menschen im Zentrum von Palma de Mallorca. / Europa Press

Mallorca für immer? Nicht alle Zugezogenen hegen diesen Traum. Wie aus einer Umfrage des balearischen Sozialforschungsinstituts Gadeso hervorgeht, würden 41 Prozent der Einwanderer der ersten Generation - also jene, die selbst im Ausland geboren wurden und erst später auf die Balearen zogen - wieder in ihr Herkunftsland zurückkehren, wenn sie könnten. Dies ist aber in vielen Fällen aus wirtschaftlichen oder Sicherheitsgründen nicht möglich. Nur 28 Prozent sind sich sicher, dass sie, auch wenn sie die Möglichkeit hätten zurückzukehren, auf den Inseln bleiben würden. 31 Prozent sind sich nicht sicher, wie sie sich entscheiden würden.

Anders sieht es bei der zweiten Generation aus, also bei den Kindern der Einwanderer: 64 Prozent wollen auf jeden Fall auf Mallorca oder den Nachbarinseln wohnen bleiben, da sie sich beruflich und durch ihr soziales Umfeld mit der Insel verbunden fühlen. Allerdings ist auch diese Zahl im Vergleich zum Vorjahr gesunken.

Rassistische Anfeindungen

Für die Umfrage sprachen die Forscher von Gadeso im September mit 600 Menschen unterschiedlicher Profile. Laut der Studie sind es vor allem die hohen Lebenshaltungskosten, die bei den Einwanderern den Wunsch nach einer Rückkehr entstehen lassen (29 Prozent), gefolgt von Problemen bezüglich der Arbeit (23 Prozent), familiären Gründen (19 Prozent) oder weil sich die Situation in ihrem Heimatland verbessert hat, seit sie ausgewandert sind (14 Prozent). Zehn Prozent geben an, dass sie nicht auf den Balearen bleiben möchten, weil sie hier rassistische Anfeindungen erlebt haben.

Auf der anderen Seite geben die meisten derjenigen, die bleiben möchten, an, dass die Situation in ihrem Land trotz der Schwierigkeiten auf den Inseln immer noch schlechter ist als auf den Balearen.

Andere Probleme als Einheimische

Die Umfrage zeigt zudem, dass Einwanderer im Vergleich zu den Einheimischen der Inseln andere Probleme als dringend bezeichnen: Zwar leiden alle unter dem Wohnraummangel und den gestiegenen Lebenshaltungskosten, doch während Einheimische diese Faktoren als die problematischsten ansehen, äußern Einwanderer zusätzlich auch sozioökonomische und politischere Bedenken. Tatsächlich betrachten 52 Prozent der Befragten den Rassismus und die Diskriminierung als Problem, 41 Prozent sorgen sich über Angriffe der extremen Rechten und 32 Prozent befürchten, nicht uneingeschränkt Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen zu haben.

In diesem Sinne sind 71 Prozent der Meinung, dass sie aufgrund ihres Status als Einwanderer mehr Probleme haben als die einheimische Bevölkerung, insbesondere Menschen aus dem Maghreb (87 Prozent), Subsahara-Afrika (84 Prozent) und Lateinamerika (72 Prozent).

Ebenfalls auffällig: 57 Prozent der Einwanderer geben an, sich im Alltag auf den Balearen schon einmal diskriminiert gefühlt zu haben, ein Prozentsatz, der im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist. Von den Betroffenen geben 56 Prozent an, dass sie sich von der einheimischen Bevölkerung diskriminiert wurden, 41 Prozent machen die Politiker dafür verantwortlich, 33 Prozent erlebten Diskriminierung auf der Straße, 29 Prozent bei der Arbeit, 24 Prozent in den sozialen Netzwerken, 18 Prozent in den herkömmlichen Massenmedien und zehn Prozent fühlten sich von der Polizei diskriminiert. Nur 34 Prozent der befragten Einwanderer sagen, dass sie sich auf den Inseln nie diskriminiert gefühlt haben.

Chinesen fühlen sich gut behandelt

Die Studie versucht, die Frage zu beantworten, ob die Balearen eine rassistische Gesellschaft sind, und zu diesem Zweck wurden die Einwanderer gefragt, ob sie sich auf den Inseln gut behandelt fühlen. Nur 14 Prozent sagen, dass sie sich sehr gut behandelt fühlen; 20 Prozent antworten, dass sie „ziemlich“ gut behandelt werden, und 42 Prozent der befragten Einwanderer betrachten die Behandlung und das Ansehen, das ihnen von den Einheimischen dieser Gemeinschaft entgegengebracht wird, als negativ - etwa ebenso viele wie bei einer ähnlichen Umfrage vor einem Jahr.

Aufgefächert nach Nationalitäten ist zu beobachten, dass die Menschen aus Osteuropa und China sich auf den Balearen am besten behandelt fühlen, obwohl unter den Menschen russischer Herkunft allmählich ein gewisses Misstrauen aufkommt. Maghrebiner und Subsahara-Afrikaner haben dagegen eine negativere Sicht auf die Behandlung durch die Einheimischen auf den Balearen.

Zudem hat die Fundació Gadeso in ihren Umfragen Einwanderer gefragt, was sie unter sozialem Miteinander verstehen. 38 Prozent antworteten, dass es bedeutet, die gleichen Chancen zu haben, und 37 Prozent gaben an, dass gleiche Rechte und Pflichten wie die Einheimischen grundlegend für ein gutes Zusammenleben aller sind. Gleichzeitig meinen 15 Prozent der Einwanderer, dass ein Zusammenleben nicht möglich ist, wenn man sich nicht an die Lebensweise auf den Balearen anpasst - allerdings ohne auf ihre eigenen Traditionen zu verzichten. /somo

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