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"Es ist unmöglich, im Müllwagen zu überleben": Polizei erklärt den mutmaßlichen Tod der 24-Jährigen

Chefermittler Ángel Ruíz rekonstruierte den wohl tödlichen Unfall

In einen derartigen Müllcontainer stürzte die junge Frau.

In einen derartigen Müllcontainer stürzte die junge Frau. / Bosch

Ralf Petzold

Ralf Petzold

Die Nationalpolizei auf Mallorca hat am Donnerstagvormittag (17.10.) bei einer Pressekonferenz einen ersten Bericht zum mutmaßlichen Tod einer vermissten 24-Jährigen abgegeben. "Es ist eine sehr traurige Situation", sagte Ángel Ruíz, Chef der Mordkommission, der bereits den Fall eines auf der Autobahn gestorbenen deutschen Mallorca-Urlaubers löste. Die Polizei geht bei der jungen Frau von einem Unfall ohne Fremdeinwirkung aus. "Wir schließen alle anderen Theorien aus", betonte der stellvertretende Polizeichef Fernando Reboyras.

Agostina Rubini Medina ging in der Nacht von Dienstag (1.10.) auf Mittwoch (2.10.) an Palmas Partymeile Paseo Marítimo aus. "Sie war - beziehungsweise ist - eine schmächtige Frau, die kaum Alkohol vertrug. Das wurde durch die Einnahme von Medikamenten verschlimmert", sagte Ruíz. Laut der Rekonstruktion der Ermittler, ging die 24-Jährige nach ein paar Drinks alleine zur Bushaltestelle, um den TIB-Bus 104 zu nehmen, der sie nach Hause nach Palmanova bringen sollte.

Minimarkt-Verkäufer sah sie zuletzt

"Unterwegs stoppte sie in einem kleinen Minimarkt, um Chips zu kaufen. Das geht aus der Kreditkartenrechnung hervor", so Ruiz. Der Angestellte des Ladens meinte, Rubini sei nicht das erste Mal dagewesen, aber auch keine Stammkundin. Er habe sie in einem betrunkenen Zustand gesehen. "Es war aber nicht so, dass sie torkelte", sagte Ruíz.

Um 23.57 Uhr nahm eine letzte Kamera sie an der Ecke Carrer Andrea Doria/Plaça del Pont auf. "Auf den Bildern der nächstgelegenen Kamera ist sie nicht mehr zu sehen. Das war aber auch logisch, denn auf dem Weg befand sich die Haltestelle, wo sie stoppte."

Ab hier tut sich eine Lücke von 15 Minuten auf, über die nur spekuliert werden kann. "Wir gehen davon aus, dass sie etwas aus einem Müllcontainer angeln wollte, was ihr hineingefallen war. Dabei stürzte sie und blieb wohl bewusstlos im Container liegen", sagte Ruíz. Augenzeugen davon gibt es nicht. "Wenn ich in einen Müllcontainer klettern müsste, würde ich darauf achten, dass mich keiner sieht", sagt Ruiz.

Zeuge tauchte wenig später auf

Um 0.12 Uhr tauchte ein Mann an der Haltestelle auf, an der die Müllcontainer stehen. Er setzte sich auf eine Bank nebenan. Ihm fiel auf, dass neben dem Container eine Tasche sowie ein Shirt im Leopardenmuster - das die junge Frau in der Nacht trug - fein säuberlich abgelegt worden waren. "Er stand sogar auf und schaute es sich aus der Nähe an. Er muss nur wenige Zentimeter neben dem Container gewesen sein, hörte aber nichts", sagte Ruíz.

Um 0.20 Uhr kam mit zwei Minuten Verspätung der Bus, den Rubini Medina nehmen wollte. Sie stieg nicht ein. Die drei Personen, die einstiegen, hatten nichts gesehen. "Wir haben alle Personen und Fahrzeuge, die in der Zeit dort entlanggekommen sind, geprüft. Es hatte niemand die Gelegenheit, ihr etwas anzutun. Wenn sich jemand der Sachen hätte entledigen wollen, hätte er sie nicht ordentlich neben den Container gelegt", so Ruíz.

Müllwagen verfügen über eine Presse

Um 0.27 Uhr leerte der Emaya-Müllwagen den Container. "Zu dem Zeitpunkt hatte er 7.500 Kilo Müll geladen." Die Fahrzeuge sind mit einer Presse versehen, die den Abfall zusammendrückt. "Es ist unmöglich, im Müllwagen zu überleben", sagte der Ermittler. Um 0.52 Uhr erreichte das Fahrzeug die Müllverbrennungsanlage Son Reus. Die Daten des Handys der 24-Jährigen decken sich mit dem Emaya-Bericht.

An diesem Abend war eine Zufahrtsrampe kaputt. Der Müllwagen stand eine Stunde still, ehe er die Fuhre abladen konnte. Das geschah um 1.59 Uhr. Um 2.59 Uhr sendete das Handy das letzte Signal. Die Polizei konnte es an dem Punkt orten, an dem es zum Verbrennungsofen geht. Eine Stunde lang wird der Müll dort bei 1.200 Grad verbrannt.

Erst am Montag nach dem Verschwinden entwickelte die Polizei die Theorie mit dem Müllcontainer. "Bis dahin wurden der Container und das Müllauto normal benutzt und nach jeder Tour mit Wasser und Reinigungsmittel geputzt", sagte Ruíz. Die Polizei konnte weder im Container noch im Müllauto Spuren finden. "Wir prüften den Container. Es ist durchaus möglich, dort hineinzustürzen. Einmal drin, lässt sich der Deckel mit minimalem Kraftaufwand aber öffnen."

Knochenreste gefunden

Die Polizei durchkämmte mit Hilfe der Stadtreinigung die 50 mal 30 Meter große Halle, an der der Müll vor der Verbrennung zwischengelagert wird. "Wir reden hier von 12.000 Tonnen Müll. In Schichten haben wir 24 Stunden rund um die Uhr gesucht", so Ruíz.

Die Suche weitete sich auch auf die Asche des verbrannten Mülls aus, die verschiedentlich zu einer Deponie in Can Picafort gebracht wird. Knochenreste dort stellten sich jedoch als die von einem Tier heraus. In Son Reus fanden sich Knochenreste, die nun von einem Gerichtsmediziner analysiert werden. "Das ist aber ein langwieriger Prozess. Grundsätzlich sollte es aber möglich sein, daraus eine DNA zu entnehmen", sagte Ruíz.

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