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Schüler ohne Smartphones: Wie ist die neue Regelung auf Mallorca angelaufen?

Eine erste Bilanz unter mehreren Direktoren der Insel zeigt ein sehr positives Bild

Das geht auf Mallorca nur noch vor und nach der Schule: ein Blick aufs Smartphone.

Das geht auf Mallorca nur noch vor und nach der Schule: ein Blick aufs Smartphone. / ZORRAKINO/EFE

Johannes Krayer

Johannes Krayer

Das Smartphone ist für die meisten Jugendlichen nicht mehr wegzudenken aus ihrem Alltag. Auf Mallorca müssen die Teenager bereits seit einigen Monaten auf ihr Handy verzichten – zumindest einen beträchtlichen Teil des Tages. Im Januar stellte die Balearen-Regierung einen Gesetzentwurf vor, im Mai war er verabschiedet, seit Schuljahresbeginn im September ist das Smartphone an den Schulen definitiv tabu, wie übrigens auch im Rest von Spanien.

Bis einschließlich der Oberstufe müssen die Jugendlichen ihre Handys nun während der Unterrichtszeit abgeben, die in den öffentlichen Schulen meistens von 8 bis 14 Uhr ist. An halbstaatlichen und privaten Schulen zieht sich der Unterricht häufig noch bis in den späten Nachmittag hinein. Und die Erfahrungen der Schulen? Durchweg positiv, wie ein Stimmungsbild ergibt, das die MZ in Gesprächen mit verschiedenen Direktorinnen und Direktoren gezeichnet hat.

"Der einzig mögliche Weg"

„Es ist der einzig mögliche Weg“, sagt Manuel Blanco, der Direktor der Gesamtschule IES Son Cladera in Palma. Und Joan Pons, Mitglied des Direktorats der IES Son Pacs in Palma, spricht von einem „durchschlagenden Erfolg“ der Maßnahme.

Es sei zwar am Anfang nicht ganz einfach gewesen, die Schülerinnen und Schüler davon zu überzeugen, ihre Mobiltelefone abzugeben oder gar nicht erst mitzubringen, aber die positiven Effekte seien bereits zu spüren. „Wir merken, dass die Jugendlichen wieder mehr interagieren und speziell im Pausenhof ein sozialeres Verhalten an den Tag legen. Und im Unterricht haben die Lehrkräfte eine deutlich verbesserte Mitarbeit festgestellt.“

Sie sprechen wieder miteinander

Die Kinder und Jugendlichen sprächen plötzlich wieder miteinander, spielten im Pausenhof zusammen oder gingen auf den Sportplatz zum Kicken, statt jeder für sich allein oder maximal in Kleingruppen auf die Bildschirme ihrer Smartphones zu starren. In Son Pacs wurde die Richtlinie erst zu Beginn des neuen Schuljahres zu 100 Prozent umgesetzt, davor waren die Regelungen etwas laxer.

Suchtpotenzial: ein Mädchen mit Handy.  | F.: BENDGENS

Suchtpotenzial: ein Mädchen mit Handy. / Nele Bendgens

Bereits seit mehreren Jahren gilt das Handyverbot beispielsweise bei Manuel Blanco in Son Cladera, aber auch an der IES in Porreres. Dessen Direktor Joan Ramón Xamena begrüßt ausdrücklich die verpflichtende Richtlinie der Balearen-Regierung. „Das kommt uns sehr gelegen, weil wir das Verbot bereits seit Längerem versuchen durchzusetzen. Das gibt uns eine ganze andere Legitimation.“

"Wollen an der Schule kein Handy sehen"

Die Schüler diskutierten nun viel weniger, die Regelung werde durch die Bank akzeptiert. Und dabei wird die Richtlinie in Porreres streng durchgesetzt. „Wir wollen an der Schule kein einziges Handy sehen, auch nicht irgendwo in der Schultasche, auch nicht ausgeschaltet“, sagt Xamena. Wer gegen das Verbot verstößt, bekommt sein Handy abgenommen und kann es nach Schulschluss desselben Tages wieder abholen.

An anderen Schulen wird das Verbot nicht ganz so päpstlich durchgezogen. In Son Cladera und in Son Pacs etwa dürfen die Schüler ihre Handys mitbringen und müssen sie bei Unterrichtsbeginn abgeben. Die Telefone werden an einem zentralen Ort aufbewahrt und können nach Unterrichtsende wieder abgeholt werden.

Am Eurocampus kommen die Handys in einen Safe

So ähnlich läuft es auch an der deutschen Schule Eurocampus. Schulleiterin Gabriele Fritsch erklärt, dass es in jedem Klassenzimmer einen Safe gibt, in dem die Handys jeden Morgen eingesperrt und nach Unterrichtsende wieder herausgeholt werden. „Diese Regelung haben wir schon ein paar Jahre und sie hat sich bewährt“, sagt Fritsch.

Dass das Handyverbot auch die schulischen Leistungen verbessert, beweist das Beispiel der Gesamtschule Son Cladera. Direktor Manuel Blanco berichtet davon, dass seit dem erstmaligen Verbot im Schuljahr 2019/20 die Zahl der Schüler, die Fächer nicht bestanden und die Prüfungen im September nachholen mussten, um 20 Prozent zurückgegangen ist.

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