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Betrug auf Mallorca: Staatsanwaltschaft Frankfurt beantragt Auslieferung von Mietwagen-Hai an Spanien

Der 47-jährige Mallorquiner war in Taiwan untergetaucht und vor Kurzem dort festgenommen worden. Er soll über 50 Millionen Euro ergaunert haben

Der mutmaßliche Betrüger S.L.O. (li.) bei der Auslieferung.

Der mutmaßliche Betrüger S.L.O. (li.) bei der Auslieferung. / Taiwan TV

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Er gilt als der größte Betrugsfall aller Zeiten auf Mallorca: Der 47-jährige Mallorquiner S.L.O. soll mit seiner Mietwagenfirma Autoclick knapp 50 Millionen Euro ergaunert haben. Nachdem der aus Palma stammende Mann zunächst jahrelang in Taiwan untergetaucht war, befindet er sich nach der Auslieferung aus dem asiatischen Land Mitte Oktober derzeit in Untersuchungshaft in Deutschland. Die deutsche Justiz entscheidet nun, wie mit dem 47-Jährigen verfahren wird. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat bereits seine Auslieferung an Spanien beantragt.

Wie ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt der MZ mitteilte, wurde S.L.O. „noch am Tag der Festnahme der Haftrichterin beim Amtsgericht Frankfurt am Main vorgeführt, die die Festhaltehaft anordnete“.

Antrag auf Auslieferung nach Spanien

Die Generalstaatsanwaltschaft habe beim Oberlandesgericht Frankfurt beantragt, die Auslieferungshaft anzuordnen und die Auslieferung nach Spanien für zulässig zu erklären. „Der weitere Ablauf und die Dauer des Auslieferungsverfahrens können zurzeit noch nicht vorausgesagt werden, da sie stark vom jeweiligen Einzelfall abhängen“, erklärt der Sprecher weiter.

Es liegen Auslieferungsanträge sowohl des Gerichts in Palma als auch eines italienischen Gerichts in Trento vor. Gerichtsnahe Quellen berichten der MZ-Schwesterzeitung „Diario de Mallorca“, dass eine Entscheidung für Mallorca wahrscheinlich sei, wo das Anliegen der italienischen Behörden mitverhandelt werde.

In Spanien gebe es mehr Anzeigen gegen den mutmaßlichen Betrüger. Auch liege hier der Ursprung des Betrugsfalls. Das zu erwartende Strafmaß für S.L.O. liege bei bis zu zehn Jahren Haft, teilte die Bundespolizei der Deutschen Presseagentur mit.

Die Anfänge des Betrugs

Der heute 47-Jährige stieg mit zwei Geschwistern 2014 ins Mietwagengeschäft auf Mallorca ein und nannte seine Firma Autoclick. Diese hatte ihren Hauptsitz in Llucmajor, die Zentrale befand sich im Gewerbegebiet von Son Oms in der Nähe des Flughafens. Doch das Unternehmen wurde zum Minusgeschäft. Im Jahr 2017 verzeichnete die Firma einen Verlust in Höhe von 22 Millionen Euro.

Wohl zu diesem Zeitpunkt versuchten die Geschwister mutmaßlich, mit illegalen Machenschaften die Kassen wieder zu füllen. Die erste Klage ging im Oktober 2017 ein. Eine niederländische Firma hatte für 233.000 Euro 25 Autos von dem mallorquinischen Unternehmen gekauft, aber nie die Dokumente der Fahrzeuge erhalten.

Autos verkauft, die ihm nicht gehörten

Die Masche von S.L.O. bestand darin, Autos zu verkaufen, die gar nicht Autoclick gehörten. In den meisten Fällen waren sie lediglich von den Konzessionären über Leasing- oder Renting-Verträge zur Verfügung gestellt worden. Um die jeweiligen Raten zu begleichen, soll sich S.L.O. Darlehen von den Banken geliehen haben.

Insgesamt 3.468 Autos soll der mutmaßliche Betrüger auf diese Weise verkauft haben und damit einen Schaden von rund 48,5 Millionen Euro angerichtet haben. Allein in Italien wurden 1.189 Autos verkauft und dabei rund 30 Millionen Euro an Steuern hinterzogen.

Autoclick meldete 2018 Konkurs an.

Autoclick meldete 2018 Konkurs an. / Manu Mielniezuk

Autoclick war zwischenzeitlich zu einem großen Unternehmen geworden, rund 20.000 Autos umfasste die Flotte des Anbieters, der neben Palma auch Niederlassungen in Barcelona, Alicante, Málaga und Madrid unterhielt. Weitere Filialen hatte der Mallorquiner in Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien und Polen aufgebaut. Im Juni 2018 durchsuchte die Guardia Civil die Firmenzentrale und konfiszierte 80 Autos. Im September desselben Jahres meldete das Unternehmen Konkurs an.

Neues Leben in Taiwan

Im Juli 2018 tauchte der Name von S.L.O. bereits erstmals im Handelsregister in Taiwan auf, wo er nach Medienberichten gemeinsam mit seiner Frau unter anderem einen Online-Handel für Wein aufbaute. Dazu kam kurz darauf noch ein italienisches Restaurant mit dem Namen „Malavida“ (Schlechtes Leben).

Der Mallorquiner soll sich Taiwan als Zufluchtsort ausgesucht haben, weil damit zu rechnen war, dass Taiwan einen Interpol-Haftbefehl nicht vollstrecken würde. Das Land ist nämlich nicht an die Weisungen der Behörde gebunden.

Vier Jahre untergetaucht

Die Rechnung von S.L.O ging eine ganze Zeit lang auf: Es dauerte mehr als vier Jahre, bis die Behörden den Mallorquiner ausfindig machten, und weitere zwei Jahre, ehe Taiwan dann doch noch auf die Fahndung von Interpol reagierte. Auslöser für die Initiative der taiwanesischen Behörden war wohl ein Artikel in der italienischen Zeitung „Il Corriere de la Sera“, die recherchiert hatte, dass S.L.O. sich in dem asiatischen Land aufhielt und die Frage aufwarf, warum der Mallorquiner nicht ausgeliefert wird.

Zumal er dort ebenfalls verbrannte Erde hinterließ. Ein früherer Geschäftspartner von S.L.O., ein Däne, sagte dem „Diario de Mallorca“, dass der Mallorquiner ihn mit Autoverkäufen hintergangen habe. Der Mallorquiner wollte Autos nach Taiwan importieren und dort verkaufen, der Däne half ihm beim Aufbau des Business. Bis er merkte, dass S.L.O. ihm seine Kunden abwarb und die Autos zum Selbstkostenpreis verkaufte.

Wie der Sohn, so der Vater

Taiwan versuchte anfangs, S.L.O. nach Indonesien abzuschieben. Doch die Behörden dort verweigerten dem Mallorquiner die Einreise. S.L.O. soll in seiner Verzweiflung den Dänen darum gebeten haben, ihn bei der taiwanesischen Justiz anzuzeigen, um die Auslieferung zu verzögern. Dieses Angebot, für das er sogar Geld erhalten sollte, habe er aber nicht angenommen, erklärte der Däne.

Die Familie L.O. ist bei der Justiz indes gut bekannt. So war bereits 2008 der Vater von S.L.O, der heute 76-jährige S.L.B., vor dem Gesetz geflohen. Der Mann hatte nicht nur einen Freund mit einem Investmentschwindel um 740.000 Euro erleichtert, sondern mit seiner Mietwagenfirma auch noch zehn Millionen Euro an Steuern unterschlagen. Er akzeptierte eine Haftstrafe von zweieinhalb Jahren, die er aber nicht antreten musste.

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