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"Echte Angstmomente": Was eine Undercover-Journalistin auf der Spur von "Sexualräubern" in Magaluf erlebte

Die britische Enthüllungsjournalistin hatte sich drei Nächte lang in Mallorcas Partyhochburg Magaluf als betrunkene Urlauberin ausgegeben - und ist schockiert von dem Verhalten einiger Männergruppen

Ein Mann nähert sich der vorgeblich betrunkenen Frau

Ein Mann nähert sich der vorgeblich betrunkenen Frau / Instagram / Untold

Eine britische Enthüllungsjournalistin hat drei Nächte in Mallorcas Partyhochburg Magaluf verbracht und sich als Touristin ausgegeben, um für eine Dokumentation mit versteckter Kamera festzuhalten, wie in den frühen Morgenstunden sogenannte „Sexualräuber“ vorgehen. Dabei handelt es sich um organisierte Gruppen von Männern, die Frauen bedrängen, vorzugsweise allein und unter Alkoholeinfluss. Das Ergebnis ist in dem Dokumentarfilm „Magaluf Undercover: Predators and Parties“ (etwa: „Undercover in Magaluf: Raubtiere und Partys“) zu sehen, der diesen Monat vom britischen Kanal Channel 4 ausgestrahlt wurde.

Echte Angstmomente

Die Jorunalistin tut so, als sei sie sehr betrunken

Die Jorunalistin tut so, als sei sie sehr betrunken / Instagram / Untold

Die Journalistin Ellie Flynn hat zuvor bereits ähnliche Programme gemacht, aber ihre Erfahrung in Magaluf sei die „intensivste und schwierigste“ gewesen, heißt es. Sie hab angesichts des Erscheinens einer Gruppe von Männern wirklich Angst bekommen.

Drei Nächte lang zog sie in der bei britischen Urlaubern beliebten Partymeile Punta Ballena umher, als wäre sie eine Touristin beim Feiern. Sie wurde von einer weiteren getarnten Journalistin begleitet, die ihre Freundin darstellte, sowie einem Produktionsteam von acht Personen, darunter zwei Security-Mitarbeitern, die mit Flynn eine Reihe von Signalen festgelegt hatten, um sofort zu handeln, wenn sie sich in Gefahr fühlte.

Eine Szene der Sendung, die mit versteckter Kamera aufgenommen wurde, ereignete sich nachts am Strand von Magaluf: Wie in der Doku zu sehen ist, legt sich die Reporterin auf eine Sonnenliege und tut so, als sei sie sehr betrunken. Man sieht, wie sich ihr zwei Männer bis auf wenige Meter nähern. Einer von ihnen spricht sie an.„Entschuldige, geht es dir gut?“, fragt er sie in gebrochenem Englisch. „Hä?“, murmelt sie, als sei sie betrunken. „Möchtest du ein bisschen reden? Du bist meine letzte Chance, willst du ein bisschen küssen?“, beharrt er. Sie antwortet nicht.

Der Mann, in einem kurzärmeligen Hemd und Bermudashorts, geht weg. Sie denkt in diesem Moment, dass er aufgegeben hat. Doch dann sieht sie, wie er mit einem anderen Mann spricht und ihm auf Spanisch sagt: „Die ist total betrunken.“ „Los, los“, antwortet dieser andere Mann, der sich daraufhin der Journalistin nähert und sich neben sie setzt. An dieser Stelle bekommt die Reporterin Angst, steht auf und geht.

"Berechnendes Verhalten"

Die Journalistin schafft es, die Männer abzuhängen

Die Journalistin schafft es, die Männer abzuhängen / Instagram / Untold

„Ich hatte große Angst. Es fühlte sich an, als ob ein koordinierter Angriff vorbereitet wurde“, erklärte sie später vor der Kamera. Ein dritter Mann sei ebenfalls in der Nähe gewesen, auch er gehörte wohl zu der Gruppe. "Solche Verhaltensweisen sind berechnend, sie geschehen nicht zufällig“, so Flynn. „Viele denken, dass es sich bei sexuellen Übergriffen oder Vergewaltigungen um eine einzelne böswillige Person handelt. In Wirklichkeit sind es jedoch Gruppen von Menschen. Es gibt hier ein kulturelles Problem: Raubtiere, die schon mit der Absicht ausgehen, betrunkene Frauen auszunutzen“, sagte sie der britischen Nachrichtenwebsite Metro.

Eine weitere Szene im Dokumentarfilm bestätigt diese Einschätzung. Eines Nachts benachrichtigt ihr Team sie darüber, dass drei Männer sie seit zehn Minuten beobachten. Wieder tut sie so, als hätte sie viel getrunken. Einer dieser Männer folgt ihr und beginnt, ihr Fragen zu stellen. „Geht es dir gut?“, „Wo sind deine Freunde?“, „Warum bist du allein?“ Schließlich sagt er: „Ich bin dein Freund.“ Sie dreht sich um und stößt auf einen anderen Mann. Als sie sich entfernt, folgt ihr der erste weiter, bis sie es schafft, ihn abzuhängen.

Das beschriebene Verhalten der Männer weckt Erinnerungen an den wohl bekanntesten Fall von Gruppenmissbrauch Spaniens. Im Juli 2016 vergingen sich fünf Männer während der San-Fermín-Feste im nordspanischen Pamplona an einer jungen Frau und filmten die Szenen teilweise. Die Vorfälle um die als "La Manada" (das Rudel) bekannte Männergruppe sorgten landesweit für Empörung und entfachten eine Diskussion darüber, inwieweit Zustimmung oder Ablehnung sexueller Praktiken verbalisiert werden sollte. Auch auf Mallorca demonstrierten zahlreiche Menschen, als ein Gericht im April 2018 die Männer nur wegen sexuellen Missbrauchs, nicht aber wegen Vergewaltigung verurteilte.

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