Noch bevor Palma die Weihnachtsbeleuchtung anknipst: Im Drogendorf Son Banya hat der Advent schon begonnen
Was große Handelsketten können, kann der Drogensupermarkt außerhalb des Einkaufszentrums Fan schon lange

Razzia gegen den Drogenhandel in Son Banya: Guardia Civil und Nationalpolizei im Einsatz / B. Ramon
Jedes Jahr ist es dasselbe: Spätesten wenn Halloween vorbei ist, füllen sich die Regale der Drogerie- und Supermarktketten bereits mit Weihnachtsartikeln. Weihnachtsdeko im Herbst – wir alle lästern darüber, aber mal ehrlich: Die Nachfrage bestimmt das Angebot. Und die Vorweihnachtsstimmung gibt dem Kaufrausch doch erst den richtigen Kick.
Psychologische Vorteile
Das gilt für herkömmliche Warenhäuser, und niemand wundert sich. Warum, ganz offen gefragt, sollten Händler in einschlägigeren Verkaufsstellen sich die psychologischen Vorteile des Weihnachtskonsums also entgehen lassen? In Mallorcas Drogensupermarkt Son Banya jedenfalls ist man erfahren und professionell genug, sich entsprechend an jahreszeittypische Marketingstrategien anzupassen.
Zwei geschmückte Weihnachtsbäume, Lichterketten, aufblasbare Weihnachtsmänner auf dem Dach und ein schmuckes Leucht-Rentier vor dem Eingang: So herausgeputzt ist derzeit eine der Dealer- Baracken in der mittlerweile zum Teil abgerissenen Siedlung im Hinterland des Einkaufszentrums „Fan Mallorca Shopping“.

DM
Wer bekommt da nicht Lust auf ein bisschen Extravorrat an Rauschmitteln, um die noch nicht ganz vor der Tür stehenden, aber doch unvermeidlichen Feiertage ein wenig aufzupeppen? Dass gerade Weihnachten auch in Son Banya die Hauptverkaufszeit des Jahres ist, ist kein Geheimnis. In einem Jahr wurden über die Weihnachtsfeiertage sogar schon mehr als 900 Fahrzeuge an der Einfahrt des Barackendorfs gezählt. Wer kann es den Dealern da verdenken, wenn sie die lohnende Adventszeit bis in den November ausdehnen? Der Besuch der Guardia Civil und der Nationalpolizei am Dienstag (12.11.) dürfte trotzdem überraschend gekommen sein – galt doch just an diesem Tag die Warnstufe Orange wegen Starkregens.
Überraschend spannungsfrei
Die Beamten hatten erst am 1. November die Schwiegertochter der legendären Drogenbaronin „La Paca“ mit fünf Kilo Kokain ertappt. Nun sollte es ihren Komplizen an den Kragen gehen. Die Beamten, die sich dank häufiger Razzien in Son Banya gut auskennen, mussten diesmal nur dem 25 Meter langen roten Teppich folgen, der vom Siedlungseingang zum weihnachtlichen Verkaufshaus führte. Roter Teppich – wo sonst werden Staatsdiener heutzutage noch so hofiert? Selbst die Tatsache, dass sie 16 Menschen an zehn Verkaufspunkten wegen mutmaßlichen Drogenhandels festnahmen und einen Teil der Ware (darunter Heroin) sowie der Einnahmen (in bar) konfiszierten, führte nicht zu Spannungen. Die sonst als widerborstig bekannten Siedler gingen brav mit den Polizisten mit. Der Geist der Weihnacht hat eben seinen besonderen Zauber.
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