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Hochwasser, Unwetter, Waldbrand: Wer hat auf Mallorca im Notfall das Sagen?

Im Fall der Fälle greifen detaillierte Protokolle. Wer wofür zuständig ist, wie die Einsätze koordiniert werden und welcher Plan wann ausgerufen wird – die MZ gibt einen Überblick

Blick in den Saal der Rettungsleitstelle 112 in Marratxí. Hier laufen die Anrufe aus der Bevölkerung ein.

Blick in den Saal der Rettungsleitstelle 112 in Marratxí. Hier laufen die Anrufe aus der Bevölkerung ein. / Caib

Elena Vallés

Elena Vallés

Eine verheerende Flutkatastrophe wie Ende Oktoberauf dem spanischen Festland, die mindestens 225 Menschen das Leben gekostet hat, ist auch auf Mallorca denkbar. Der Chef der Rettungsleitstelle 1 12, Toni Plata, erklärt, welches Protokoll in welcher Situation greift.

Für die Ausarbeitung der Notfallprotokolle ist in Spanien jede Autonome Gemeinschaft für sich zuständig. Fertige und aktualisierte Pläne für die Balearen gibt es derzeit für Erdbeben, Unwetter, Hochwasser, Waldbrände sowie gefährliche Substanzen, die bei Verkehrsunfällen freigesetzt werden. Anhängig ist derzeit noch das Protokoll für ein Flugzeugunglück. Das liegt daran, dass die spanische Zentralregierung vor Kurzem in allen Bereichen neue Protokolle anforderte und dass es bei der Ausarbeitung des Luftnotfallplans zu Verzögerungen kam. Laut dem Chef der Rettungsleitstelle stehen die Balearen im nationalen Vergleich aber gut da. Andere Regionen hätten deutlich weniger Protokolle fertig ausgearbeitet.

Welche Notfallpläne gibt es?

Von Bedeutung auf den Balearen sind besonders zwei Notfallpläne, die bei Wetterwarnungen in Kraft treten: Meteobal und Inunbal. Meteobal steht dabei für Gefahrensituationen, die mit der Wetterlage zusammenhängen, also mit starkem Regen, heftigem Wind und anderen extremen Witterungsbedingungen. Inunbal steht für die Notfallprotokolle im Überschwemmungsfall. Zwar handelt es sich um zwei unterschiedliche Notfallpläne, auf den Balearen werden sie laut Toni Plata allerdings stets gemeinsam aktiviert.

Auf dem Festland ist das anders, da es dort nicht unbedingt eines Unwetters für eine Überschwemmung bedarf, beispielsweise wenn eine Talsperre brechen sollte. „Wenn es auf den Inseln zu Hochwasser kommt, dann weil es regnet“, sagt Toni Plata. Beide Protokolle sind denn auch mit den Warnstufen des Wetterdienstes Aemet verbunden.

Wenn es auf den Inseln zu Hochwasser kommt, dann weil es regnet.

TONI PLATA

— Chef der balearischen Rettungsleitstelle 112

Wann werden die Stufen 0 und 1 aktiviert?

Bei gelber Warnstufe wegen geringen Regens gilt die Warnstufe 0 für Meteobal und Inunbal. Je nach Notwendigkeit werden dann die Einsatzkräfte aktiviert. „Bei den Stufen 0 und 1 liegen die Kompetenzen bei den Gemeinden“, erklärt Plata. Sollten die Ressourcen der Gemeinden nicht ausreichen, würde die Landesregierung zu Hilfe kommen und die Einsatzleitung übernehmen. Stufe 1 wäre gleichbedeutend mit der Warnstufe Orange von Aemet. Hier kann es mitunter bereits kritisch werden. Denn es besteht die Möglichkeit, dass es nur zu vergleichsweise harmlosen Regenmengen oder aber auch zu örtlich heftigen Niederschlägen bis zu 180 Liter pro Quadratmeter kommen kann. „Das ist eine komplexe Alarmstufe, weil die Marge bei den Niederschlägen sehr groß ist“, sagt Plata.

Wenn Aemet die rote Warnstufe herausgibt, gilt Stufe 2 bei Meteobal und Inunbal. „Hier liegt dann die Einsatzleitung bei der Landesregierung.“ Es gibt allerdings keine starren Grenzen, sondern eine gewisse Flexibilität bei den Warnstufen. So könne auch bei Niederschlagsmengen, die unter den 180 Litern pro Quadratmeter liegen, die Stufe 2 verhängt werden, sollte die Bevölkerung bereits deutlich beeinträchtigt sein. Dann könnten auch staatliche Einsatzkräfte zu Hilfe eilen. Bei der Flutkatastrophe von Sant Llorenç mit 13 Toten im Oktober 2018 galt beispielsweise Stufe 2. Stufe 3 wird ausgerufen, wenn es sich um eine Katastrophe nationalen Ausmaßes handelt. In diesem Fall liegt die Kompetenz direkt beim Staat, genauer gesagt beim spanischen Innenminister Fernando Grande-Marlaska.

Wie läuft die Koordination der Einsätze?

Wenn in der Rettungsleitstelle 1 12 die ersten Hinweise zum Unwetter einlaufen, überprüfen die Mitarbeiter die Informationen und aktivieren das jeweils passende Protokoll. Der Generaldirektor der Rettungsleitstelle ist formell für das Ausrufen der Warnstufe zuständig. Je nach Dramatik der Situation kann der Generaldirektor auch das sogenannte CECOP/1 auf Balearen-Ebene verhängen. Es steht für Centro de Coordinación Operativa und bedeutet, dass es eine umfassendere Koordination der staatlichen Kräfte gibt, die an den Einsätzen teilnehmen, wie etwa die Guardia Civil, die Nationalpolizei, die Feuerwehr, der Rettungsdienst 061, die Verkehrsbehörde DGT oder auch die Hafenbehörde. Die Aufgaben werden dann entsprechend der Fachkenntnisse und Zuständigkeiten verteilt. Darüber hinaus gibt es noch das Informationszentrum, das die Bevölkerung über die Entwicklung auf dem Laufenden hält.

Wer ist auf den Balearen politisch verantwortlich?

Gemäß den Regularien ist der oder die Verantwortliche des Ministeriums verantwortlich, unter dessen Dach der Zivilschutz und die Rettungsleitstelle zusammengefasst ist. In diesem Fall ist es das Präsidialamt der Balearen-Regierung unter der Leitung von Antònia Maria Estarellas. Diese hat die Kompetenz an den Generaldirektor Pablo Gárriz abgetreten. Im Notfall könnte Ministerpräsidentin Marga Prohens die Verantwortung übernehmen.

So könnte eine Probe-Warnung aussehen.

So könnte eine Probe-Warnung aussehen. / caib.es

Die Warnungen

Zunächst bekommen alle Institutionen, die in diesem Moment vorgesehen sind, Hinweise über die Gefahrensituation. „Es werden die Rathäuser, der Rettungsdienst 061, der Inselrat etc. benachrichtigt“, sagt Plata. Die Bevölkerung wird bei den Warnstufen 0 und 1 durch die sozialen Netzwerke informiert. Bei dramatischeren Ereignissen steht das System ES-Alert bereit. Dessen Hinweise erreichen alle Smartphones im Gefahrenbereich. Die Versendung der Warnung muss der Generaldirektor der Rettungsleitstelle veranlassen.

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