Nach spektakulärem Fund antiker Münzen: Neue Details zur deutschen Mallorca-Residentin, die damit erwischt wurde
Ein leitender Mitarbeiter der Naturschutzpolizei Seprona erklärt, wie seine Behörde in dem Fall vorgeht

Der Verantwortliche für den Fall bei Seprona: Pedro Mora. / Manu Mielniezuk
Die Guardia Civil hat neue Erkenntnisse zum Fall der deutschen Mallorca-Residentin, die im Oktober am Flughafen Son Sant Joan dabei erwischt wurde, wie sie mehrere Fundstücke aus der Römerzeit außer Landes bringen wollte. Wie das "Diario de Mallorca" berichtet, war die Sammlung wohl bereits in den 1960er-Jahren vom Vater der Deutschen angelegt worden. Das erzählt Pedro Mora von der Naturschutzpolizei Seprona dem Blatt.
Nach wie vor steht nicht fest, welchen Wert die Sammlung haben könnte. Die Teile sind wohl zwischen 2.000 und 3.000 Jahren alt, so viel haben die ersten Ermittlungen ergeben. Die Sammlung umfasst Tausende Stücke, darunter griechische und römische Münzen, Amphoren, Lampen, Behälter und Figuren.
"Außerdem haben wir drei Schwerter gefunden, die in einem wirklich ordentlichen Zustand waren. Wir wissen nicht, woher sie stammen. Eventuell aus einem Grab", sagt Mora, der erklärt, dass mit wissenschaftlicher Hilfe herausgefunden werden soll, ob es sich um Kopien oder Originale handelt.
Im Museu de Mallorca
Sobald die Ermittlungen abgeschlossen sind, sollen die sehenswertesten Stücke im Museu de Mallorca ausgestellt werden. Dort befinden sich die Fundstücke bereits jetzt, allerdings sind sie in einem sicheren Raum verschlossen, so lange die Ermittlungen laufen.
Klar ist, dass die verschiedenen Gegenstände aus unterschiedlichen Fundstätten stammen. "Wie es aussieht, hat der Vater der jetzt Beschuldigten bereits viele Jahre die Stücke gesammelt. Er muss ein wahrer Antiquitäten-Fan gewesen sein." Die Ermittler glauben, dass der Sammler Taucher war, weil zahlreiche römische Nägel gefunden wurden, die aus größeren Tiefen zu stammen scheinen.

Einige der sichergestellten archäologischen Fundstücke. / Guardia Civil
Darüber hinaus vermuten die Spezialisten von Seprona, dass der Mann auch auf Märkten immer wieder Teile gekauft hat. Denn die Telie scheinen nicht aus konkreten Fundstätten zu sein. Deshalb interessieren sich die Experten dafür, wo genau diese Gegenstände gefunden wurden.
So lief der Fund ab
Pedro Mora berichtet auch, wie seine Kollegen den Fund am Flughafen machten. Ein Sicherheitsangestellter hatte die ältere Frau am Flughafen kontrolliert, die gerade auf dem Weg nach Deutschland war. "Als er die unzähligen Münzen in ihrem Koffer bemerkte, rief er einen Kollegen von der Guardia Civil dazu", erzählt Mora. Den beiden Beamten war vom ersten Moment an klar, dass die Münzen sehr alt waren. Deshalb benachrichtigten sie den Zoll. Die Kollegen vom Zoll behielten die Münzen dann erst einmal ein. Es bestand der Verdacht auf Schmuggel, denn um eine größere Menge archäologischer Fundstücke zu befördern, bedarf es einer vorherigen Anmeldung.
Die Beamten befragten die ältere Dame zu den Fundstücken, die allerdings kein gutes Spanisch sprach. Deshalb richteten sie sich an die Tochter, die ebenfalls mit dabei war. Sie erklärte den Polizisten, dass ihre Mutter daheim viele weitere Fundstücke gelagert hatte. Ab diesem Moment wurde die Einheit Seprona hinzugerufen, die sich zum Haus der Deutschen begab und dort die restlichen Fundstücke vorfand. Die Tochter, so der Beamte, habe zu jeder Zeit mit den Ermittlern zusammengearbeitet. Die Mutter durfte nach Deutschland fliegen.
Viele Plünderungen
Von diesem Fall einmal abgesehen, machen Pedro Mora andere Hobby-Archäologen, die antike Fundstätten auf den Inseln plündern, große Sorgen. Denn sie rissen Wertgegenstände an sich, die der Gemeinschaft gehörten und gingen dabei auch noch häufig rücksichtslos vor, so dass die Fundstätten beschädigt würden. Häufig seien die Täter nachts aktiv und zerstörten antike Gegenstände.
Im Meer sind vor allem die Schleppnetzfischer eine Bedrohung für die Fundstätten. Sie erfassten mit dem Netz die Wertgegenstände, die dabei Schäden nähmen. "Und häufig nehmen sie dann die Fundstücke, die im Netz landen an sich anstatt den zuständigen Inselrat zu benachrichtigen", sagt Mora.
Um alle Taten zu verhindern, fehlt es Seprona an Personal. "Wir tun, was wir können mit den Beamten, die wir zur Verfügung haben", sagt Mora. Um immer auf dem aktuellen Stand zu sein, wo sich Fundstätten befinden, tauscht sich die Behörde ständig mit dem Inselrat aus.
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