Ausbeutung am Arbeitsplatz: Bisher größte Organisation auf Mallorca aufgeflogen
Die Nationalpolizei hat fünf Personen festgenommen, die über mehr als zwei Jahre mindestens 185 irreguläre Einwanderer ausgenutzt haben soll

Beamte der Nationalpolizei bei einer früheren Festnahme. / Archiv Policía Nacional
Der Nationalpolizei auf Mallorca ist ein Schlag gegen die organisierte Kriminalität gelungen: Die Beamten nahmen fünf Personen fest, denen vorgeworfen wird, im Lauf von mehr als zwei Jahren rund 185 Menschen in einer Firma angestellt und dabei ausgebeutet zu haben. Laut einer Pressemitteilung der Nationalpolizei vom Sonntag (1.12.) handelt es sich um den bisher größten entdeckten Fall von Ausbeutung am Arbeitsplatz auf den Balearen.
Die Vorwürfe gegen die Bande sind vielfältig: Neben der Ausbeutung am Arbeitsplatz müssen sich die fünf Festgenommenen auch wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, Förderung illegaler Einwanderung sowie Verstößen gegen die Rechte von Ausländern und Dokumentenfälschung verantworten. Auch gibt es den Verdacht auf Geldwäsche durch den Kopf der Bande.
Unternehmen für häusliche Pflege und Reinigung aufgebaut
Die Bande hatten ein großes Unternehmen aufgebaut, deren Mitarbeiter unter anderem ältere Menschen oder Kinder betreute und Haushältertätigkeiten oder Reinigungsdienste für Privathaushalte anboten.
Die nun Festgenommenen hatten es geschafft, einen professionellen Eindruck zu hinterlassen und mit Prospekten und Werbung das Vertrauen in der Bevölkerung und sogar der Sozialdienste auf Mallorca gewonnen, die die Firma weiterempfahlen.
Arbeitnehmer nahezu rechtelos
Die Dienstleistungen wurden allerdings von den irregulären Einwanderern und Einwandererinnen ausgeführt, die große Mehrheit davon Frauen. Sie mussten mehr als sechs Tage in der Woche arbeiten, hatten also kaum Pausen.
Zusätzlich hatten sie keinen Zugang zu einer Krankenversicherung oder einer Unfallversicherung. Auch Anspruch auf Urlaub wurde ihnen nicht gewährt, und das alles bei einem miserablen Lohn.
Fingierte Krankenversicherung
Der Kopf der Bande täuschte die Einwanderer mit einer fingierten privaten Krankenversicherung. Er schloss diese zwar für die Mitarbeiter der Firma ab, zahlte aber die Beiträge nicht. Das flog auf, als eine Angestellte bei einem Arbeitsunfall einen Bruch am Fuß erlitt und im Krankenhaus abgewiesen wurde, weil die Versicherung nicht bezahlt war.
Der Hauptverdächtige legte ein kompliziertes Netz an Konten an, so hatte er insgesamt 25 Konten in 13 unterschiedlichen Banken, speziell im europäischen Ausland. Auf diese Weise versuchte er sich dem Zugriff der spanischen Steuerbehörden zu entziehen. Er zwang die Angestellten dazu, auch ein Konto im Ausland zu eröffnen, um nicht aufzufliegen.
Regelmäßig Fälle der Ausbeutung am Arbeitsplatz auf Mallorca
Die Nationalpolizei konnte anhand der Konten feststellen, dass die Bande monatlich rund 200.000 Euro an Einnahmen erzielte. Angesichts der Tatsache, dass das Unternehmen rund zweieinhalb Jahre aktiv war, ergeben sich daraus Umsätze von rund 6 Millionen Euro.
Immer wieder werden auf Mallorca Drahtzieher von ausbeuterischen Firmen festgenommen, zuletzt waren am 23. November drei Personen aufgeflogen, die kolumbianische Einwanderer unter sklavenartigen Umständen dazu gezwungen hatten, für einen Lieferdienst zu arbeiten.
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