Knallharte EU-Regulierungen: Fischer auf Mallorca wollen kommende Woche streiken
Eine neue Verordnung der EU-Kommission sieht einer Reduzierung der Fangtage für Schleppnetzboote auf 27 Tage im Jahr vor

Mit dem Schleppnetz gefangen: Fische auf einem Boot vor Mallorca. / Bernardo Arzayus
Die Fischer auf Mallorca schließen sich einem spanienweiten Streikaufruf an und werden am 9. und 10. Dezember ihre Arbeit niederlegen. Das gab der Fischerverband OPMallorcamar bekannt. Grund für diesen Schritt ist die von der EU-Kommission angedachte Reduzierung der Fangtage mit Schleppnetzen. Statt wie bislang an rund 130 Tagen im Jahr sollen die mit dieser Art von Netzen ausgestatteten Schiffe nur noch an 27 Tagen hinausfahren dürfen.
"Jetzt schon am Limit"
"Das ist Wahnsinn", erklärt Pedro Mercant, Vorsitzender des Verbands. "Wir sind jetzt schon am Limit." Zwar sei es richtig, dass die Schleppnetzfischerei aggressiv sei, so der Verbandschef. "Aber sie ist so vielen Regulierungen unterworfen wie niemand sonst. Man kann uns nicht die Schuld für alle Probleme des Mittelmeers in die Schuhe schieben." Es sei zudem völlig unpraktikabel, Angestellte für nur 27 Tage im Jahr zu finden.
Domingo Bonnín, Präsident der balearischen Berufsfischer, erklärte derweil, es ergebe keinen Sinn, die Regelung auf die Inselfischer anzuwenden. Diese sei für die großen Flotten gedacht, die durch Nord- und Ostsee fahren. Die EU-Kommission habe überhaupt nicht die Bedürfnisse der mallorquinischen Fischer bedacht. Schließlich gebe es auf Mallorca gerade mal 19 Boote mit Schleppnetzen. Würden die Regelungen durchgesetzt, würde die Flotte innerhalb von maximal zehn Jahren verschwinden. In den vergangene vier Jahren sei der Umsatz um rund sieben Prozent auf 6,5 Millionen Euro zurückgegangen, hieß es.
Keine Garnelen an Heiligabend
Immerhin: Den Fischern kommt der Zeitpunkt des Streiks vor Weihnachten zugute. Denn an Heiligabend ist es bei vielen Familien Tradition, rote Garnelen zu essen. Gerade für diese Spezies sehen die neuen EU-Richtlinien eine Reduzierung der Fangquoten um 30 Prozent vor. Die Botschaft der Fischer an die Bevölkerung: "Wir können nicht garantieren, dass es an Weihnachten Garnelen zu kaufen gibt." /pss
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