Universitätsschule Adema: Was haben Bildende Kunst und Zahnmedizin gemeinsam?
Eine einst kleine private Berufsschule in Palma mausert sich immer mehr zu einer internationalen Referenz für Bildung. Hinter Adema steckt ein Kopf voller Visionen

Schulbegründer Diego González in seinem Think-Tank / Alexandra Bosse
Wer bei Google Maps Adema eingibt, erhält gleich vier Einträge mit derselben Adresse im Industriegebiet Son Rossinyol in Palma: Berufsbildungszentrum, Universitätsschule, Universitätsklinik und Stiftung. Das große moderne Gebäude am Carrer Gremi de Passamaners ist mit den farbigen Bannern von Adema verziert und schon von Weitem leicht zu erkennen. An der Frontseite laden Stühle und Tische unter Schirmen zum Verweilen ein, während im Innern reger Betrieb herrscht. Viele der Schüler nehmen zwei Stufen zugleich im hellen und geräumigen Treppenhaus, um die höher gelegenen Lehrräume zu erreichen. Farbige Sticker auf den Treppenabsätzen rufen dazu auf: „Muévete dos horas cada día!“ (Beweg dich zwei Stunden täglich!) oder „Beber agua es importante para tu cuerpo!“ (Wasser trinken ist wichtig für deinen Körper!).

Eingangsbereich der Adema-Universitätsschule in Palma / Alexandra Bosse
31 Jahre Erfahrung in privater Bildung
Auch Diego González ist ein aktiver Mann. Er ist der Direktor und Leiter der Adema und gleichzeitig ihr Begründer. Der aus Málaga stammende González kam vor mehr als 35 Jahren nach Mallorca, eigentlich nur für einen Urlaub, aber er blieb, der Liebe wegen. 1993 begann er die Adema als kleine private Bildungseinrichtung mit Schwerpunkt Berufsausbildungen in der Zahnmedizin, für die man vorher aufs Festland musste.
Seit 2015 ist ein weiterer Zweig der Adema zudem als Universitätsschule an die UIB (Universitat de les Illes Balears) angeschlossen. Die Studierenden können Universitätsabschlüsse in Zahnmedizin, Ernährungswissenschaften und in Bildender Kunst machen, seit diesem Semester auch auf Englisch. „Unsere Schüler sollen selbst bestimmen können, wo ihr berufliches Limit ist, nicht das Bildungssystem“, sagt González. Dank modernster Technik, kleinen Gruppen und individueller Betreuung könnten die Studierenden ihr Potenzial voll entfalten. „Manche sind als Berufsschüler gekommen und als angehende Professoren oder Ärzte abgegangen.“
Wie kommt man von Zahnmedizin zu Ernährungswissenschaften oder gar zur Kunst?
González glaubt an Synergien: „In der Zahnmedizin haben wir schnell einen Zusammenhang zwischen den Ernährungsgewohnheiten und der Zahngesundheit festgestellt. Da war es für mich logisch, auch Ernährungswissenschaften an Bord zu holen“, erzählt er bei einem Rundgang durch die Lehrräume und die darüber liegende Universitätsklinik. Die angehenden Zahnmediziner behandeln hier unter anderem Menschen, die sich sonst keinen Zahnarzt leisten können. „Als Privatunternehmen geben wir so auch etwas an die Gesellschaft zurück“, sagt González.

Zahnmedizin: Unterricht an echten Patienten in der Universitätsschule Adema / Alexandra Bosse
Ausbildung mit modernster Medizin-Technik
In einem der Räume können die Studierenden an Monitoren zahnmedizinische Behandlungen virtuell üben – mit einem Joystick in Form eines Zahnbohrers in der Hand. Die Steuerung vibriert und ruckelt wie bei einer echten Behandlung. So also muss es sich für den Zahnarzt anfühlen, Karies zu entfernen.
„Wir reproduzieren hier ganze Operationen. Zunächst erzeugen wir virtuelle Zwillinge der Patienten und duplizieren alle ihre Organe digital. Mit der taktilen Ausrüstung können wir alle Körperteile mit ihren Eigenschaften erfühlen. Dank dieser Technik kann man heute fast alles minimalinvasiv operieren“, sagt González. „Bei schwierigen Operationen, wie an einem Tumor, kann der Eingriff erst geübt werden. Scheint wie Science-Fiction, aber es ist die Gegenwart!“

Arbeitsbereich Kunst an der Universitätsschule Adema / Alexandra Bosse
Und genau hier kam damals die Kunst ins Spiel...
Die Adema hatte Schwierigkeiten beim Entwickeln der Software für die digitale Nachahmung der Operationen. González kontaktierte die renommierte mallorquinische Künstlerin Amparo Sard, die ebenfalls mit taktiler virtueller Realität experimentiert. Aus dieser Zusammenarbeit entstanden weitere Kooperationen – heute ist Amparo Sard die Leiterin des Studiengangs Bildende Kunst an der Adema.
Im Juni 2025 werden die ersten Kunststudenten mit Universitätsdiplom ihr Studium abschließen und ihre Werke auf der ersten „International University Art Biennial“ auf Mallorca präsentieren. An der von Adema organisierten Schau sollen zwölf bekannte internationale Kunstakademien aus Europa und den USA – darunter etwa der von Princeton – mit Arbeiten ihrer Studierenden teilnehmen.
Neue internationale Studiengänge sind bereits in Planung
Und Diego González hat noch mehr vor. Am 1 1. November eröffnete die Adema in Inca das universitäre Forschungszentrum „Es Crum“. Es soll ein „Hub“ (Knotenpunkt) für internationale Innovation werden und den interdisziplinären Austausch von Bereichen wie Architektur, Design, Politikwissenschaft, Soziologie, Big Data und künstlicher Intelligenz fördern. Adema will dort interdisziplinäre Bachelor- und Master-Studiengänge anbieten. Der Aufbau von weiteren Zentren und Ausbildungen ist bereits geplant, Diego González will, dass Mallorca eines Tages bei der Bildung ebenso vorne mitspielt wie in der Tourismusindustrie. Weiterentwicklung ist an der Adema halt Programm.
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