Bis zu 60.000 Euro pro Boot: Wer verdient wirklich am perfiden Geschäft mit den Migranten?
Ein Anwalt beklagt, dass keine Anstrengungen unternommen werden, um die Hintermänner zu finden

Ein von der Guardia Civil sichergestelltes Migrantenboot auf Cabrera. / CAIB
Mallorca und die Nachbarinseln haben im vergangenen Jahr einen rasanten Anstieg der Zahl von Migranten verzeichnet, die über den Seeweg von Algerien gekommen sind. Für die Schleuserbanden ist die gefährliche Überfahrt ein großes Geschäft. Zwischen 1.500 und 3.000 Euro zahlen die Menschen, die es nach Europa schaffen wollen. Bei einer durchschnittlichen Belegung von 20 Personen pro Boot können pro Reise zwischen 30.000 bis 60.000 Euro kassiert werden. Doch wer bekommt das Geld?
Dem Anwalt Daniel Arencibia zufolge, der sich seit Jahren mit der Materie befasst, profitieren die Bootsführer kaum von ihrem riskanten Job. Zwischen 100 und 150 Euro haben sie in der Tasche, in einem Ausnahmefall hatte eine Person 400 Euro dabei. Dabei setzen auch die Bootsführer ihr Leben aufs Spiel. Und riskieren es, bei der Ankunft festgenommen zu werden und ins Gefängnis zu kommen.
Mit wem haben die Migranten telefoniert?
Laut Arencibia wird viel zu wenig dafür getan, um die Hintermänner ausfindig zu machen. "Alle Reisenden werden zu irgendeinem Zeitpunkt mit jemandem telefoniert haben. Sie werden eine Überweisung gemacht haben. Warum wird da nicht nachgeforscht?", fragt sich der Jurist.
Zumal die Mafias sich perfide Methoden einfallen lassen, um nicht in den Radar der Ermittler zu kommen. So habe er aus sicherer Quelle erfahren, dass es häufig gar keinen richtigen Bootsführer gibt. Die Schleuser fahren mit den Migranten aufs Meer hinaus. Dort übergeben sie ihnen ein GPS-Gerät. Während die Schleuser mit einem anderen Boot zurück ans Land fahren, sind die Migranten auf sich alleine gestellt. Sie müssen unter sich ausmachen, wer das Boot steuert. Je näher man der spanischen Küste kommt, desto unattraktiver ist diese Aufgabe, da die Gefahr steigt, von der Guardia Civil als Bootsführer identifiziert zu werden.
War wirklich ein Bootsführer an Bord?
Für den Anwalt ist daher entscheidend, dass die Ermittler klären, ob wirklich ein von den Mafias engagierter Bootsführer an Bord war. Ein wichtiger Hinweis könnte der Treibstoff an Bord der Boote liefern. Ist ausreichend vorhanden, um die Rückreise nach Algerien anzutreten, dürfte dies der Fall sein. Wichtig sei zudem der Bootstyp. Handelt es sich um eine Motoryacht statt um eine Jolle, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es mehrfach eingesetzt werden soll.
Der Justiz sind die von Arencibia angeprangerten Probleme bekannt. So erklärte etwa die für Migration zuständige Staatsanwältin der Kanaren, Teseida García, kürzlich in einem TV-Interview: "Die meisten Personen, die als Schlepper verurteilt werden, sind selbst Migranten, die ein besseres Leben suchen. Sie sind nicht einmal Teil einer Organisation. Sie machen das nur, um nicht den Preis für die Überfahrt zu zahlen."
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