Zum Hauptinhalt springenZum Seitenende springen

Calvià "empört" über Aufnahme junger Migranten - dabei sind die Jugendlichen gut integriert

Die konservativ-rechtsextreme Koalition im Rathaus der Gemeinde Calvià, zu der auch der bei deutschen beliebte Urlaubsort Santa Ponça zählt, hatte am Mittwoch darüber geschimpft, dass der Inselrat zwei "Menas" in einem neuen Aufnahmezentrum untergebracht hat. Eine Reaktion, die auf Vorurteilen beruht

Der Ort Calvià in der gleichnamigen Gemeinde im Südwesten von Mallorca.

Der Ort Calvià in der gleichnamigen Gemeinde im Südwesten von Mallorca. / Redaktion DM

Folgen Sie uns bereits?Marken Sie uns als bevorzugte Medien
Hinzufügen zu Google

Die Inbetriebnahme eines neuen Aufnahmezentrums für unbegleitete minderjährige Migranten (kurz: "Menas") sorgt in der bei deutschen Urlaubern beliebten Gemeinde Calvià im Südwesten von Mallorca für Furore. Wie in den vergangenen Monaten mehrmals auch in anderen Inselgemeinden geschehen, sprach sich die Gemeindeverwaltung von Calvià jetzt kritisch gegen die Unterbringung der jungen Leute in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft aus.

"Empört und überrascht"

Calviàs Bürgermeister Juan Antonio Amengual (PP) brachte am Mittwoch (15.1.) im Namen der gesamten Kommunalregierung (bestehend aus der konservativen Partei PP und der rechtsextremen Vox) seine „Empörung, Verwunderung, Wut und Überraschung“ darüber zum Ausdruck, dass die zuständige Sozialbehörde IMAS, die dem Inselrat unterstellt ist, bereits in dieser Woche zwei männliche "Menas" in das Gebäude im Ort Calvià hatte einziehen lassen.

Laut Amengual hätte es bei früheren Treffen mit dem IMAS stets geheißen, dass die Nutzer des Zentrums nur Mädchen sein würden. Auch gebe es zahlreiche Anwohner, die sich besorgt über die Einrichtung zeigten - wohl, weil sie befürchten, dass das nachbarschaftliche Zusammenleben mit den jugendlichen Migranten Konfliktpotenzial berge. In Mallorcas drittgrößter Stadt Inca hatten Anwohnerproteste sogar dazu geführt, dass die Planung eines "Menas"-Zentrums gänzlich aufgegeben worden war.

Vorurteile statt Fakten

Dass solcherlei Bedenken nicht auf Fakten, sondern allein auf Vorurteilen beruhen, spielt in der Wahrnehmung vieler Anwohner offensichtlich keine Rolle. Wie das IMAS als Reaktion auf die Empörung des Bürgermeisters von Calvià am Donnerstag (16.1.) betonte, handelt es sich bei den zwei Bewohnern, die jetzt in das Zentrum eingezogen sind, um gut integrierte junge Menschen, die bereits seit Längerem in Vereinen der Insel aktiv seien. Zudem betonte man, dass bald auch Mädchen in eine neue Unterbringung einziehen sollten. Geplant sei ein geschlechtergemischtes Zentrum.

Die "Menas"-Diskussion beschäftigt die Gemeindeverwaltung von Calvià schon länger. Im vergangenen Jahr wäre die Koalition der Konservativen mit den Rechtsextremen im Rathaus fast daran zerbrochen, dass Amengual und seine Parteikollegen nicht grundsätzlich gegen ein "Menas"-Zentrum im Gemeindegebiet sind, die Partner von Vox aber schon. Ein personeller Wechsel bei Vox hatte die politische Krise in den vergangenen Wochen etwas beruhigt. /somo

Tracking Pixel Contents