Zum Hauptinhalt springenZum Seitenende springen

Schwangere Frau und siebenjährigen Sohn brutal ermordet: Doppelmörder aus Sa Pobla fordert mildernde Umstände wegen Drogen- und Alkoholeinflusses

Beim Prozess zeigte der Täter weder Reue noch erklärte er die Gründe für seine Tat, die er bereits im Jahr 2021 begangen hatte, stellte sich stattdessen als Opfer einer Suchterkrankung dar

Der Angeklagte damals bei seiner Verhaftung.

Der Angeklagte damals bei seiner Verhaftung. / B. Ramon

Folgen Sie uns bereits?Marken Sie uns als bevorzugte Medien
Hinzufügen zu Google
J.F. Mestre

J.F. Mestre

Es gibt Neuigkeiten in einem Doppelmordfall, der sich schon 2021 in Sa Pobla zugetragen hatte: Der Täter, ein damals 36 Jahre alter Mann, der seine Frau Warda und den gemeinsamen sieben Jahre alten Sohn im Haus des Paares ermordet hatte, will mildernde Umstände geltend machen. Zu den Gründen für seine Tat hat er sich vor Gericht zwar nicht geäußert, er gab aber an, in der Tatnacht unter Alkohol- und Drogeneinfluss gestanden zu haben. Damit versuchte er den schrecklichen Vorfall, den er damals zeitnah gestanden hatte, zu entschuldigen.

Damit folgte der Täter der Strategie seines Anwalts Miguel Ángel Ordinas, durch den Alkohol- und Drogeneinfluss mildernde Umstände erreichen will. Schon seit 2007 habe der Täter Kokain, Heroin und Alkohol konsumiert, stellte sich daher als Suchtopfer dar.

Er erklärte zudem, dass er lange vor dem Doppelmord in der Nacht zum 16. Mai 2021 mehrere (erfolglose) Suizidversuche begangen hatte und wegen seiner Suchterkrankung auch mehrfach in ein Krankenhaus eingeliefert worden war. Wann, wo und wie oft, sagte er nicht. Ohne Reue für seine Tat zu zeigen, bei der auch das ungeborene Kind seiner schwangeren Partnerin zu Tode kam, oder sich zu entschuldigen, kehrte er nach seiner Aussage auf die Anklagebank zurück.

Es ist das erste Mal auf den Balearen, dass ein Täter die gesetzlich vorgesehene Höchststrafe bekommen soll. Der Oberstaatsanwalt Julio Cano sprach von „entsetzlichen Ereignissen“ und einer Brutalität, die selbst im Rahmen eines Prozesses nur schwer zu beschreiben seien. Die Staatsanwaltschaft will noch beweisen, dass der Angeklagte vor dem Mord einen Streit mit dem Opfer angezettelt hatte. Währenddessen soll er einen Meißel ergriffen haben und seiner Frau damit zunächst einen schweren Schlag auf den Kopf versetzt haben. Als er merkte, dass sie noch am Leben war, soll er sie am Hals gepackt und gewürgt haben, bis sie tot war.

Erst Frau, dann Sohn ermordet

Besonders grausam: Der Täter soll seine Frau vor den Augen des sieben Jahre alte Sohnes des Paares ermordet haben. Auch den Siebenjährigen würgte sein Vater später so lange, bis er starb.

Neben den mildernden Umständen wegen der Drogen- und Alkoholabhängigkeit versuchte der Angeklagte auch, dass ihm positiv angerechnet wird, dass er die Tat selbst gestand hat. Erst berichtete er seinem Schwager (dem Bruder des Opfers) von dem Vorfall, dann suchte er die Guardia Civil auf. Das geschah allerdings nicht mehr in der Tatnacht, sondern erst am Nachmittag des Tags danach.

Direkt nach der Tat soll er sich umgezogen und den Akku sowie die SIM-Karte aus dem Handy seiner Frau entfernt haben. Dann soll er ein Taxi gerufen haben, das ihn nach Palma bringen sollte. Später fuhr er letztlich aber doch mit seinem eigenen Auto, nach Son Banya, um dort angeblich Drogen zu kaufen. Auch eine Prostituierte soll er noch kontaktiert haben, um mit ihr Sex zu haben und die Nacht mit ihr zu verbringen. So seine Schilderungen. Erst danach stellte er sich.

Widerspruch?

Für die Ankläger, zu denen auch Familienangehörige der Opfer gehören, passt dieses Verhalten nach der Tat nicht zu den Aussagen des Täters, der angeblich unter Alkohol- und Drogeneinfluss gestanden haben soll. Ebenfalls merkten sie an, dass es so eher nicht möglich gewesen wäre, selbst von Sa Pobla nach Palma und weiter nach Son Banya zu fahren. Was die Ankläger ebenfalls einbrachten: Der Täter haben in seinem Geständnis gegenüber der Familie zu keinem Zeitpunkt erwähnt, dass er auch seinen Sohn getötet hatte.

Eine Aufnahme aus Sa Pobla aus dem Jahr 2021, unmittelbar nach dem Doppelmord.

Eine Aufnahme aus Sa Pobla aus dem Jahr 2021, unmittelbar nach dem Doppelmord. / EFE

Zwölf Jahre alter Neffe des Opfers als Erster am Ort des Geschehens

Die Leichen der Frau und des Siebenjährigen sollen von einem zwölf Jahre alten Neffen der Ermordeten entdeckt worden sein. Der angehende Jugendliche soll die Beamten der Guardia Civil informiert haben, nachdem er gemerkt hatte, dass die Haustür per Schlüssel abgesperrt war, was zuvor nie der Fall gewesen sein soll. Daraufhin stieg er durch ein kaputtes Fenster in das Haus ein und sah wenig später die Leiche seiner ermordeten Tante und die seines sieben Jahre alten Cousins.

Vor Gericht war auch Thema, dass die Frau ihren Ehemann vor der Tatnacht bereits mehrmals wegen Misshandlung angezeigt hatte. Deswegen soll sie einmal sogar mehrere Monate lang das Haus der Familie verlassen haben. Doch die Geschwister des Angeklagten machten Druck. In der Kultur des Paares sind Trennungen verpönt. Also habe das Opfer beschlossen, wieder zurückzukehren und wieder mit dem Täter zusammenzukommen. Wenig später sei sie erneut schwanger geworden, mit einem zweiten Jungen. Der Angeklagte soll damals nichts davon gewusst haben.

Ab dem kommenden Dienstag (21.1.) soll der mehrere Wochen dauernde Prozess fortgeführt werden. /sw

Tracking Pixel Contents