Doppelmörder von Sa Pobla entschuldigt sich am letzten Verhandlungstag
Der Angeklagte zeigt doch noch ein wenig Reue. Details über die Tat und das Leiden der Opfer erschüttern die Öffentlichkeit

Der Angeklagte Doppelmörder Ali K. am letzten Verhandlungstag in Palma (27.1.). Rechts sitzt seine Übersetzerin. / Cati Cladera / Efe
Er hat seine Frau Warda, ein ungeborenes Kind in ihrem Bauch und den siebenjährigen Sohn grausam getötet - und am Schluss doch noch ein wenig Reue gezeigt. Ali K., der Doppelmörder von Sa Pobla, hat sich am Montag (26.1.), dem letzten Verhandlungstag seines Mordprozesses entschuldigt. „Ich fühle mich innerlich gebrochen für alles, was ich getan habe", sagte er zu dem Richter, den Geschworenen und den Anwesenden im Oberlandesgericht in Palma. "Ich entschuldige mich bei allen.“ Zudem gestand er erstmals, gewusst zu haben, dass seine Frau schwanger war.
Der damals 26-jährige Ali K hatte im Mai 2021 seine Frau und sein Kind erwürgt und sich tags drauf der Polizei gestellt. In dem Prozess hatte er bis dahin keine Reue gezeigt und auch stets bestritten, von der Schwangerschaft gewusst zu haben. Sein Verhalten wurde bei allen Verhandlungsterminen als abwesend und niedergeschlagen beschrieben. Sein Verteidiger Miguel Ángel Ordinas fordert, den Alkohol- und Drogenkonsum des Marokkaners als mildernde als Umstände geltend zu machen. Nun müssen die Geschworenen über Schuld und Unschuld beraten, ein Urteil wird frühestens für Donnerstag erwartet.
Staatsanwaltschaft fordert weiterhin Höchststrafe
Die Staatsanwaltschaft will einzig den mildernden Umstand anerkennen, dass Ali K. sich der Guardia Civil stellte und den Mord gestand. Beim Antrag auf die Haftstrafe bleibt die Staatsanwaltschaft jedoch weiterhin bei einer 25 Jahren Gefängnis. Es ist das erste Mal auf den Balearen, dass die gesetzlich vorgesehene Höchststrafe verhängt werden könnte.
Die ganze Härte des Gesetzes, ohne mildernde Umstände, fordert Pablo Juanico, der Anwalt der Familie: Ali K. müsse sich für zwei Morde, Abtreibung und die "kontinuierliche Misshandlung“ seiner Frau verantworten. Laut dem Anwalt der Nebenklage starb Warda „einen qualvollen, langsamen und schmerzhaften Tod“. Ihr Sohn „konnte sich nicht verteidigen“. Und der Angeklagte habe weder um "Vergebung gebeten, noch Reue gezeigt.“
Der Verteidiger von Ali K. hat hingegen eine Freiheitsstrafe von zwölf Jahren beantragt. Der Angeklagte habe seit Jahren Alkohol, Kokain, Morphin und Heroin konsumiert. Er habe mehrere Suizidversuche aufgrund seiner Sucht unternommen und sei deshalb ins Krankenhaus eingewiesen worden. Seine Handlungsfähigkeit sei dadurch beeinträchtigt gewesen.
„Der Angeklagte kontaktierte seinen Schwager und gestand in einer Nachricht, dass er sie getötet hatte. Daraufhin kontaktierte er die Guardia Civil und die Policía Nacional und gestand die Tat sowie seinen Aufenthaltsort. Er hat mit den polizeilichen und gerichtlichen Ermittlungen zusammengearbeitet“, betonte der Anwalt. „Er hat gestanden, der Täter zu sein, bevor die Ermittlungen begonnen hatten. Niemand wusste von den beiden Todesfällen, als er sie meldete“, so die Verteidigung.
Die Hölle auf Erden in Sa Pobla
Wie aus den Zeugenaussagen in dem Prozess hervorging, war das Leben von Warda schon lange eine Hölle. Die 28-Jährige hatte ihren Mann wegen häuslicher Gewalt mehrfach angezeigt. Ali K. stand aus diesem Grund auch schon einmal vor Gericht. Schläge und Brutalität waren in der Familie an der Tagesordnung. „Er war zu Hause wie ein Monster. Also sagte ich ihr, sie solle sich von ihm trennen und zu uns ziehen. Sie trennte sich nicht, weil er sich hinterher immer bei ihr entschuldigte“, berichtete der Vater von Warda.
Der Vater hatte wenige Stunden vor dem Mord noch mit seiner Tochter gesprochen. Er habe zu diesem Zeitpunkt nichts Auffälliges bemerkt. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass es zu einem Streit zwischen Täter und Opfer gekommen sein muss. Ali K. soll einen Meißel ergriffen und seiner Frau damit zunächst einen schweren Schlag auf den Kopf versetzt haben.
Als er merkte, dass sie noch am Leben war, soll er sie am Hals gepackt und gewürgt haben – vor den Augen des siebenjährigen Sohnes. Als seine Frau schließlich tot war, würgte er seinen Sohn, bis auch dieser starb. Die Autopsie bestätigte das Erwürgen als Todesursache von Frau und Kind. „Warda und ihr Sohn erlitten einen langsamen und qualvollen Tod“, so die Gerichtsmedizinerin im Prozess. Die junge Frau habe keine Möglichkeit gehabt, sich gegen ihren mutmaßlichen Mörder zu wehren.
Kurz nach den Morden suchte er eine Prostituierte auf
Direkt nach der Tat soll Ali K. sich umgezogen und den Akku sowie die SIM-Karte aus dem Handy seiner Frau entfernt haben. Dann soll er ein Taxi gerufen haben, das ihn nach Palma bringen sollte. Später fuhr er jedoch mit seinem eigenen Auto nach Son Banya, um dort mutmaßlich Drogen zu kaufen. Er verbrachte die Nacht bei einer Prostituierte. Erst danach stellte er sich. Für die Ankläger passt dieses Verhalten nach der Tat nicht zu den Aussagen des Täters, unter Alkohol- und Drogeneinfluss gestanden zu haben.
Drogensucht sei kein Blankoscheck für Verbrechen, betonte der Staatsanwaltschaft am letzten Verhandlungstag. Zudem gebe es auch keine Beweise, dass Ali K. an jenem Tag Drogen konsumiert hatte. Als die Polizei ihn tags darauf festnahm, habe er "ganz normal gewirkt".
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