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"Ein Stück Mallorca-Geschichte unterm Hammer": Finca rund um Stausee Gorg Blau wird versteigert

Ein Teil des geschichtsträchtigen Gebiets soll zwangsversteigert werden, weil die Erben sich nicht einigen konnten. Ein ausländischer Investor soll bereits Interesse bekundet haben. Dabei befindet sich auf dem Gelände auch eine der bedeutendsten Ausgrabungsstätten Mallorcas - und direkt an Mallorcas bekanntester Wanderroute

Der Stausee Gorg Blau liegt inmitten der Finca Almallutx

Der Stausee Gorg Blau liegt inmitten der Finca Almallutx / Alejandro Arozarena

Elena Vallés

Elena Vallés

Es ist eins der höchstgelegenen Anwesen Mallorcas - und sicherlich auch eines der bedeutendsten: Die Finca Almallutx liegt an den Hängen der höchsten Berge Mallorcas, dem Puig Major und dem Puig de Massanella, mitten im Tramuntana-Gebirge. Auf ihrem Gelände befindet sich der größte Stausee der Insel, der Gorg Blau, sowie die größte islamische Ausgrabungsstätte der Balearen. Jetzt soll ein Teil des geschichtsträchtigen Anwesens öffentlich versteigert werden. Ausländische Fonds meldeten wohl bereits Interesse an.

Keine Einigung in Sicht

"Ein bedeutendes Stück mallorquinischer Geschichte kommt unter den Hammer", heißt es denn auch in der MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca". Hintergrund ist eine gerichtliche Entscheidung zur „Teilung gemeinschaftlichen Eigentums“ - ein rechtlicher Mechanismus, der es Miteigentümern ermöglicht, eine eigentlich unteilbare Immobilie untereinander aufzuteilen oder zu verkaufen.

Das Problem: Die Erben von Almallutx konnten sich nicht über die Verwaltung und Nutzung der Finca einigen. Das riesige Anwesen besteht aus mehreren Grundstücken, die unterschiedlichen Nachfahren der ursprünglichen Erben zugekommen sind. "Ich wollte, dass alles genau dokumentiert wird, damit mein Sohn seine Rechte gesichert hat“, erklärt Alejandro Arozarena, Vater eines der Erben, Marc Arozarena Llinás. Die anderen Erben hätten dies aber verweigert. Seit fünf Jahren kämpft Arozarena daher bereits juristisch um eine Klärung.

Weil nach jahrelangen Streitereien keine Einigung erzielt werden konnte, griff letztlich das Gericht ein. Der Mindestpreis der bevorstehenden Auktion wurde auf 70 Prozent des geschätzten Wertes der Immobilie festgelegt – also mindestens 1,3 Millionen Euro, da die Gesamtbewertung bei 1,8 Millionen Euro liegt.

Internationale Kaufinteressenten

Laut Arozarena hat eine Immobilienagentur, die ein US-amerikanisches Unternehmen vertritt, bereits ihr Kaufinteresse bekundet. „Ich möchte nicht, dass sie in ausländische Hände fällt. Diese Finca besitzt ein bedeutendes historisches Erbe und könnte als öffentliches Schutzgebiet genutzt werden. Ich hoffe, dass die Regierung oder der Inselrat sie erwirbt, um ein Projekt zum Schutz und zur Erforschung der Geschichte zu realisieren“, sagt er. Nach geltendem Recht könnte die öffentliche Hand ein Vorkaufsrecht ausüben und die Finca zum Mindestgebot von 1,3 Millionen Euro übernehmen. Verantwortliche des Inselrats gaben am Dienstag (18.2.) bekannt, die Kaufoptionen ausloten zu wollen.

Dass von öffentlicher Seite Interesse an Almallutx besteht, ist nicht verwunderlich. Bereits im Jahr 2017 versuchte der damals links regierte Inselrat unter Miquel Ensenyat, das Anwesen zu kaufen. Eine der Miteigentümerinnen verhinderte damals jedoch den Verkauf.

Sollte die Finca an private Investoren verkauft werden, befürchtet Arozarena den Verlust der archäologischen Fundstätte. „Im Moment erlauben wir Archäologen den Zugang, weil wir den Wert des Projekts kennen. Aber was passiert, wenn eine Investmentfirma die Finca kauft, die nichts über die Geschichte Mallorcas weiß?“

Auch für Wandertourismus bedeutsam

Archäologen an der Ausgrabungsstätte von Almallutx

Archäologen an der Ausgrabungsstätte von Almallutx / Redaktion DM

Diese Sorge teilt auch Jaume Deyà, Co-Direktor der Ausgrabungsstätte. "Sollte das Anwesen in die Hände eines Investmentfonds fallen, wäre das für uns der Todesstoß. Seit 2011 arbeiten wir an der Ausgrabungsstätte ohne jegliche öffentliche Unterstützung. Wenn die Geschichte so endet, werden wir das Projekt endgültig aufgeben“, so der Archäologe.

Seiner Meinung nach sei das Anwesen nicht nur wegen des historischen Werts bedeutsam, sondern auch touristisch. Denn Allmalutx liegt an der größten Tramuntana-Wanderroute, dem Trockensteinwanderweg GR-221. "Der ursprüngliche Weg nach Tossals Verds führt direkt an den Häusern von Almallutx vorbei. Derzeit muss man für die Route nach einen künstlichen Umweg nehmen, der als ‚Sa Canal‘ bekannt ist. Falls das Anwesen in öffentliche Hand übergeht, könnte der ursprüngliche, öffentliche Weg wiederhergestellt werden, der momentan nicht genutzt wird“, fügt er hinzu. Überhaupt sei das Gebiet von öffentlichem Interesse. "Ich hoffe sehr, dass der Inselrat oder die Landesregierung letztlich auf ihr Vorkaufsrecht pochen werden", so Deyà.

Komplexe Erbgeschichte

Almallutx gehörte einst der Großmutter von Alejandro Arozarenas Sohn und deren Schwester. Da es Unstimmigkeiten bei der Vermessung des Grundstücks gab, wurde es durch ein Gerichtsurteil in zwei Teile aufgeteilt. Der jetzt zur Versteigerung stehende Anteil gehörte der Großmutter von Marc Arozarena und wurde dann unter ihren vier Kindern aufgeteilt – darunter die Mutter von Marc, die 2016 verstarb. So erbte er 25 Prozent der Finca.

Der zu versteigernde Bereich umfasst mehr als 146 Hektar Land. „Die Hälfte in Richtung des Stausees Gorg Blau gehört zu unserem Teil, der rückwärtige Bereich gehörte der Schwester der Großmutter meines Sohnes. Ein Teil der archäologischen Fundstätte liegt auf unserem Grundstück“, bestätigt Arozarena. Neben den Grundstücken umfasst die Auktion auch Teile darauf befindlicher Bauten, darunter ein zweistöckiges Gebäude mit einer Wohnfläche von 175 Quadratmetern pro Etage.

Historisch bedeutungsvoll

Ein Teil der Ausgrabungsstätte liegt nicht unter Wasser

Ein Teil der Ausgrabungsstätte liegt nicht unter Wasser / Alejandro Arozarena

Ein Teil der Finca wurde bereits 1970 enteignet, um den Stausee Gorg Blau zu bauen. Die Arbeiten begannen 1971 während der Franco-Diktatur. „Auch das Gebiet, auf dem sich die kleine Schutzhütte befindet, wurde enteignet“, erklärt Arozarena. Bereits damals fanden archäologische Untersuchungen statt, die die dokumentierten Überreste der islamischen Siedlung auf die Zeit zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert datierten.

Almallutx gilt als letzte muslimischen Siedlung auf der Insel und diente als Hauptstützpunkt des islamischen Widerstands während der christlichen Eroberung Mallorcas (1229–1232). Mit einer Fläche von über 160.000 Quadratmetern ist es die größte islamische Ausgrabungsstätte auf den Balearen. Heute sind rund 70 Prozent der Fundstätte von Almallutx unter Wasser und liegen auf dem Grund des Stausees. Die verbleibenden 30 Prozent befinden sich in dem Teil der Finca, der nun versteigert werden soll. /somo

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