Lost Place Gesa-Gebäude: Ein erster Rundgang durch das markanteste Hochhaus auf Mallorca
Der neue Eigentümer, die Stadt Palma, lud zu einem Besuch der seit 2008 ungenutzten ehemaligen Zentrale des Energieversorgers Endesa

B. Ramon
Das Gesa-Gebäude kann getrost als der König der Lost Places auf Mallorca bezeichnet werden. Am Montag hat das Rathaus Palma das Gebäude für 30,5 Millionen Euro vom bisherigen Eigentümer Endesa übernommen. Das von dem Architekten Josep Ferragut errichtete, denkmalgeschützte Gebäude war seit 2008 an der Stadteinfahrt von Palma dem Verfall preisgegeben. Nun soll es wieder hergerichtet werden.
Patrick Schirmer SastreKauf des Gesa-Gebäudes in Palma: Ob dieses Projekt mal nicht gegen die Wand gefahren wird?
Die exklusive Führung, die im Beisein des Bürgermeisters und Vertreter der Stadtverwaltung sowie von Endesa stattfand, hatte entsprechend etwas Abenteuerliches an sich. Medienvertreter wurden im Vorfeld angewiesen, festes Schuhwerk zu tragen. Und vor Betreten des seit 2008 verwaisten Baus mussten alle Anwesenden zunächst Schutzhelme und Warnwesten anlegen.
Alle zehn Stockwerke hinauf bis zur Dachterrasse
Zunächst ging es durchs Erdgeschoss, dann über das Treppenhaus alle zehn Stockwerke hinauf bis zur Dachterrasse. Löcher in den Decken, von denen der Putz abblättert, Bauschutt, Staub, Vogeldreck, Schimmelgeruch und herausragende Kabel, wohin das Auge blickt. Graffitis an den Fenstern, bei denen man sich fragte, wie deren Schöpfer es wohl geschafft haben, an die Außenseite zu gelangen und ob sie heil wieder hinuntergekommen sind. Stolperfallen wie dicke Schrauben am Boden, die das feste Schuhwerk mehr als rechtfertigten.

Wie es aktuell im Gesa-Gebäude aussieht - ein Rundgang nach der Übernahme durch das Rathaus / B. Ramon
Dass das Gebäude zuletzt Büros beherbergte, ist immer noch deutlich zu erkennen: Kaputtes Holzmobiliar findet sich noch zuhauf in den verlassenen Räumen mit den gelbbraunen Teppichböden. Eine unvorsichtige Teilnehmerin des Rundgangs, die testweise eine Schublade aufziehen wollte, hatte prompt ein Stück Holz in der Hand.

Auf der Dachterrasse des am Montag (24.2.) von der Stadt Palma übernommenen Gesa-Gebäudes. / B. Ramon
Spektakuläre Aussicht auf die Stadt
Und trotz allem lässt sich selbst im jetzigen Zustand noch die architektonische Qualität des von Josep Ferragut erbauten Gebäudes erkennen und sein wohl größter Pluspunkt genießen: die spektakuläre Aussicht auf die Stadt und die Strandpromenade, die von der Dachterrasse aus unübertroffen ist. "Wie es wohl wäre, hier zu arbeiten?", raunte einer der Anwesenden seinem Begleiter zu.
Die charakteristischen Glasfronten des Baus sorgen für viel natürliches Tageslicht im Inneren. Hier sollen nun unter anderem das städtische Kunstinstitut, ein Gründerzentrum und eine Bibliothek untergebracht werden. Bürgermeister Jaime Martínez wünscht sich zudem Veranstaltungs- und Ausstellungsräume.
Allerdings gibt es durch die Fensterfronten weniger Wände und damit auch weniger Optionen für die Montage, was unter Umständen Installationen wie Trennwände im Inneren der Räume erforderlich machen würde - sofern diese durch den Denkmalschutz gestattet sind. Weitere Einschränkungen gibt es durch die niedrigen Decken, die keine enorm großformatigen Kunstwerke zulassen.
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