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Tödlicher Yacht-Unfall vor Cala Bona: Gericht entzieht deutschem Millionärssohn den Pass

Dem 35-Jährigen wird vorgeworfen, für den Tod eines 20-Jährigen im August 2024 verantwortlich zu sein. Am Montag (24.2.) beteuerte er vor Gericht seine Unschuld - wenig überzeugend

Dennis V. am Montagmorgen (24.2.) vor dem Gericht in Manacor.

Dennis V. am Montagmorgen (24.2.) vor dem Gericht in Manacor. / B. Ramon

Patrick Schirmer Sastre

Patrick Schirmer Sastre

Der deutsche Millionärssohn Dennis V. ist am Montagmorgen (24.2.) vor dem Ermittlungsgericht in Manacor erschienen. Dem 35-jährigen Piloten wird in Zusammenhang mit einem tödlichen Yacht-Unfall Ende August 2024 vor Cala Bona fahrlässige Tötung und unterlassene Hilfeleistung vorgeworfen.

Eigene Unschuld beteuert

Während der Anhörung erklärte er vor der Richterin, dass er sich der Kollision seiner Yacht mit einem Fischerboot nicht bewusst gewesen sei und bestritt, dass seine Fahrweise zum Zeitpunkt des Unfalls rücksichtslos gewesen sei. Der Angeklagte beantwortete ausschließlich die Fragen seines Anwalts, der sogar infrage stellte, ob V. überhaupt in den Unfall verwickelt war. Vor der Richterin argumentierte V., dass er zu keinem Zeitpunkt das Vorhandensein eines Fischerbootes auf seiner Route bemerkt habe, stattdessen habe er "korrekt navigiert" und während der Fahrt zwischen Cala Bona und Son Servera keine Unachtsamkeit begangen. Überzeugen konnte er die Richterin damit offenbar nicht: Nach seiner Aussage entschied sie, ihm den Reisepass sowie den Bootsführerschein zu entziehen.

V.s Anwalt betonte in einem Statement gegenüber den Medien, dass die Untersuchung der Guardia Civil eine Mitverantwortung der Geschädigten nahelege. Das Fischerboot, in dem sich der junge Mallorquiner befand, der bei dem Zusammenstoß zu Tode kam, habe demnach angeblich keine Beleuchtung gehabt, obwohl es "stockdunkel" war. Der Anwalt kündigte an, gegen die Entscheidung der Richterin Berufung einzulegen

So kam es zu dem Unglück

Das Unglück hatte sich am Abend des 23. August ereignet. V. hatte mit Freunden auf der 20-Meter-Yacht "La Luna" den Tag verbracht. Unter anderem hatte die Gruppe an der Cala Agulla (bei Cala Ratjada) für Unmut gesorgt. So rammten Mitglieder der Gruppe, die auf dem Schiff des Typs Riva Ribelle feierten, wohl mit einem Beiboot ein anderes Dingi. Augenzeugen hatten den Eindruck, dass die Partygäste auf der "La Luna" nicht nur Alkohol, sondern auch Drogen konsumiert hatten.

Auf der Rückfahrt an den Hafen in Porto Cristo rammte die Yacht vor Cala Bona dann mutmaßlich ein kleines Fischerboot, auf dem sich der 20-jährige Guillem C. mit seinem Onkel und seinem Cousin befand. Die "La Luna" streifte das kleine Boot zwar nur. Guillem C. fiel aber von der Jolle und erlitt tödliche Verletzungen am Kopf. Die Yacht fuhr derweil weiter, ohne anzuhalten.

Die Beamten der Guardia Civil befragten bei ihren Ermittlungen mehrere Zeugen, darunter den Onkel des verstorbenen jungen Mannes. Dieser erklärte, dass sie gerade auf dem Rückweg zum Hafen waren, als sie die Yacht mit hoher Geschwindigkeit direkt auf sich zukommen sahen – aus einer Entfernung von etwa 15 Metern. In dem Versuch, eine Kollision zu vermeiden, habe er Gas gegeben. Er schilderte, dass der Aufprall „leicht“ gewesen sei. „Ich dachte, wir wären davongekommen, aber als ich mich umdrehte, sah ich, dass Guillem nicht mehr da war“, sagte er.

In Cala Ratjada weitergefeiert

Dem Ermittlungsbericht zufolge fuhr die Partygesellschaft vom Hafen in Porto Cristo, wo das Boot an den Liegeplatz gebracht wurde, nach Cala Ratjada, um dort in der Diskothek "Bolero" weiterzufeiern. Am nächsten Vormittag sei V. über das Unglück informiert worden. Zu dem Zeitpunkt hatte die Guardia Civil das Schiff schon untersucht und größere Mengen Alkohol in einer Kabine sowie im Steuerbereich der Yacht gefunden. Mehrere der Personen, die sich an Bord der Yacht befanden, räumten im Gespräch mit den Ermittlern ein, Alkohol konsumiert zu haben, bestritten jedoch, betrunken gewesen zu sein. Ihrer Version nach hatten auch sie zu keinem Zeitpunkt bemerkt, dass sie ein Fischerboot gerammt hatten, und stritten ab, dass der Kapitän Fahrerflucht begangen habe.

Die Kameras am Hafen von Porto Cristo zeichneten Dennis V. rund 24 Stunden nach dem Unglück auf, wie er gemeinsam mit zwei weiteren Personen das von der Guardia Civil versiegelte Schiff betrat und wenig später mit mehreren Tüten wieder herauskam. Zu dem Zeitpunkt war bereits viel über den Fall in den Medien berichtet worden.

Am Tag darauf war offenbar große Eile angesagt: Der gelernte Pilot D.V. fuhr mit Freunden an den Flugplatz Son Bonet, wo er sein Flugzeug nahm, und nach Deutschland floh, ohne vorher mit der Polizei zu sprechen. Offenbar gelang es ihm sogar, den Start um zwei Stunden vorzuziehen.

Drei Tage später kehrte der Millionärssohn, dessen Vater eine Einzelhandelskette geerbt hatte, nach Mallorca zurück. Begleitet vom mallorquinischen Staranwalt Fernando Mateas ging er zur Guardia Civil – und verweigerte dort die Aussage. Dann flog er wieder nach Deutschland zurück.

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