Tragödie vor den Balearen: Vier Migranten sterben bei dem Versuch, eine Insassin vor dem Ertrinken zu retten
Das Flüchtlingsboot wurde 37 Kilometer westlich von Ibiza entdeckt und ist von Algerien aus gestartet

Migrantenboot auf dem Meer (Symbolbild) / Foto: Oliver Weiken/dpa
Fünf Migranten sind bei dem Versuch, die Balearen zu erreichen, vor der Küste Ibizas ums Leben gekommen. Die Überlebenden schilderten der Nationalpolizei, dass die vier Migranten somalischer Herkunft versucht hatten, einer ins Meer gestürtzten Mitinsassin zu helfen. Bei dem Versuch seien alle fünf Beteiligten ums Leben gekommen. Das Boot war einige Tage vorher von der algerischen Küste aus in See gestochen.
Deutliche Zunahme der Überfahrten
Den anderen 19 Insassen des Flüchtlingsbootes gelang es, Spanien zu erreichen. Sechs von ihnen mussten sich wegen Dehydrierung und Unterkühlung in ärztliche Behandlung begeben. Laut der MZ-Schwesterzeitung "Diario de Ibiza" haben die Überfahrten von kleinen Booten auf der Algerienroute in Richtung Balearen in diesem Februar deutlich zugenommen.
Das Boot mit insgesamt 24 Insassen, alle somalischer Herkunft, war am 17. Februar von Ain Taya aus aufgebrochen. Die Stadt an der algerischen Küste ist nur 25 Kilometer von der Hauptstadt Algier entfernt. In der Nacht vor der Überfahrt schliefen alle Migranten gemeinsam in einem Haus, bevor sie am nächsten Morgen mit einem sechs Meter langen Boot zur See stachen, berichtet "Diario de Ibiza".
Frau stürzte ins Meer
Während der Überfahrt stürzte mitten auf dem Meer plötzlich eine Frau namens Hafsa ins Wasser. Vier somalische Mitinsassen beschlossen daraufhin, ins Meer zu springen, um sie zu retten. Bei dem Versuch kamen alle fünf Beteiligten ums Leben, da sie es nicht schafften, zurück auf das Boot zu gelangen. Laut Nationalpolizei hatte sich das Boot zuvor verirrt und hatte zudem mit schlechtem Wetter und schlechtem Seegang zu kämpfen. Infolgedessen wurde der Treibstoff knapp. Die Fahrt zu den Balearen, die normalerweise nur einen Tag in Anspruch nimmt, dauerte daher knapp fünf Tage, ehe das Boot von den spanischen Behörden abgefangen wurde.
Am vergangenen Samstagmorgen (22.2.) hatte ein Fähre das rund 37 Kilometer von Ibizas Küste entferte Flüchtlingsboot entdeckt und bei den spanischen Behörden Alarm geschlagen. Um 15.10 Uhr war die Rettung der 19 verbleibenden Insassen durch die spanische Seenotrettung abgeschlossen. Die Migranten wurden daraufhin zum Hafen von Ibiza gebracht, wo sie von der Nationalpolizei in Gewahrsam genommen wurden.
Die Beamten befragten die Insassen, die die Strapazen auf dem Meer schilderten – einige von ihnen tranken aus Verzweiflung sogar Meerwasser. Laut Nationalpolizei gaben einige der Befragten an, dass es sich bei einem der Opfer um den Kapitän des Bootes handelt.
"Wollte einfach nur ein anderes Leben"
Eines der vier Opfer, die ins Wasser sprangen, um der Frau zu helfen, war Abdiqani, ein Teenager von gerade einmal 14 Jahren. Seine ältere Schwester Sacdiyo, 16, erzählt dem "Diario de Ibiza", dass ihr Bruder „ein Junge war, der die Schule beendet, aber keine Arbeit hatte“. „Mein Vater verließ uns, als wir noch klein waren. Meine Mutter hat sich um uns gekümmert und für unsere Ausbildung bezahlt“, erklärt sie per Handy-Nachricht aus der Stadt Garowe, der Hauptstadt der Region Puntland in Somalia.
Obwohl er noch sehr jung war, war Abdiqani klar, dass es in „Somalia nicht funktioniert“ und dass in diesem Land, das zu einem der ärmsten der Welt gehört, „alles ein Problem ist“. „Er wollte einfach nur ein anderes Leben“, erzählt seine Schwester. Aus diesem Grund ging Abdiqani so lange arbeiten, bis er genug Geld für ein Auto verdient hatte. Laut seiner Schwester verließ er daraufhin Somalia und schaffte es irgendwie, mit seinem Auto Algerien zu erreichen, wo er seine Reise zu Fuß durch die Wüste fortsetzte. Eine wahre Odyssee, die fünf Monate dauerte, bis er schließlich zusammen mit anderen Landsleuten, die zum Teil aus demselben Viertel stammten, in Ain Taya ankam.
Am Abend des 16. Februar, kurz bevor er das Boot bestieg, rief Abdiqani seine Schwester und den Rest seiner Familie an und sagte, dass er am nächsten Tag versuchen würde, Spanien zu erreichen.
517 Menschen kamen ums Leben
Im vergangenen Jahr kamen nach Angaben von Caminando Fronteras mindestens 517 Menschen auf der Algerienroute ums Leben, doch die tatsächliche Zahl dürfte weitaus höher liegen. Auch am Montag (24.2.) wurden zwei Flüchtlingsboote vor Formentera und Cabrera abgefangen. Bei den Insassen handelte es sich um Migranten mit nordafrikanischer Herkunft und Migranten aus der Subsahara. Die Mehrheit von ihnen kam in gesundheitlich gutem Zustand an, einige mussten medizinische Behandlung in Anspruch nehmen.
- Badeunfall auf Mallorca: 78-jähriger Urlauber stirbt am Palmira-Strand in Peguera
- Ballermann zeitweise im Dunkeln: Das ist bisher bekannt zum Stromausfall an der Playa de Palma
- Streik am Flughafen Mallorca mitten in der Hochsaison: An diesen Tagen legen Swissport-Mitarbeiter die Arbeit nieder
- Mallorca schwitzt weiter: So lange bleibt die extreme Hitze
- Nächtliche Attacke an der Playa de Palma: Urlauber fliehen vor Zuhälter
- Zur Sonnenfinsternis kommen Sie nicht mit Ihrem Privat-Pkw an die Playa de Palma: So sieht der Schlachtplan der Stadt aus
- Der Albtraum Waldbrand: Könnte auch Mallorca zur tödlichen Falle werden?
- Auswandern nach Mallorca? Sie sind leider zu spät
