Polizei und Rathaus sind fast machtlos: Clans bauen Drogensupermarkt Son Banya zu "Las Vegas" um
Mit viel Chuzpe und nicht ohne Ironie haben die Gitanos die Villensiedlung vor den Toren Palmas renoviert

Mit Solarenergie betriebene bunte Laternen leuchten in Son Banya neuerdings den Weg zum Rauscherlebnis in „Las Vegas“. / IB3
Die Zeiten, in denen Drogenhandel heimlich und im Dunkeln über die Bühne ging, sind vorbei. Auf Mallorca zumindest. Bunte Laternen leuchten an den Rändern einer frisch asphaltierten, breiten Zufahrt. Sie führt zu einem kleinen Kreisverkehr, in dessen Mitte ein Holzboot aufgebockt ist, ein wenig wie in der Einfahrt eines Küstenortes wie Son Serra. Und auf einer der Baracken prangt in großen Lettern „Las Vegas“. Überall wehen spanische Flaggen. Die als Drogendorf bekannte Barackensiedlung Son Banya hat sich herausgeputzt und macht mittlerweile der Landebahn des nahe gelegenen Flughafens oder auch dem Jahrmarkt Fira del Ram Konkurrenz.
Bis vor wenigen Tagen führte die einzige Straße noch durch metertiefe Schlaglöcher in eine Sackgasse. Heute kontrollieren zwei Aufpasser der Clans an einem Pavillon direkt an der Einfahrt zur Siedlung alle Ankömmlinge und teilen ihnen einen der acht Stände zu, an denen die Dealer Marihuana, Kokain oder Heroin feilbieten. Auch Kamagra, eine indische Potenzpille mit dem gleichen Wirkstoff wie Viagra, haben die Clans im Angebot.
Besuch nur in Polizeibegleitung ratsam
Kunden fahren jetzt bequem vor, alle anderen eher nicht. Schon gar nicht Journalisten, die in Son Banya einen ähnlich schlechten Ruf wie Polizisten haben. Die Zeitung „Última Hora“, die zuerst über den rundum renovierten Drogensupermarkt berichtete, sowie die spanischen Fernsehteams ließen sich von der Nationalpolizei begleiten. Beim MZ-Besuch auf eigene Faust am Dienstag (4.3.) dauerte es keine zwei Minuten, ehe ein Schrottauto aus der Siedlung geschossen kam und den MZ-Redakteur verjagte.
Die Renovierung Son Banyas geschah in einer Nacht-und-Nebel-Aktion in der vergangenen Woche. Die bislang an der Einfahrt befindlichen Trümmer, Autowracks und Abfälle wurden beiseitegeräumt. Sie bilden jetzt ringsherum eine Art Schutzwall. Ein skrupelloser Bauunternehmer ließ sich breitschlagen, die Zufahrt gegen Zahlung von mutmaßlich viel Geld fachgerecht zu asphaltieren. Dass die Clans dafür keine Baugenehmigung eingeholt haben, geschenkt. Sie sind da ohnehin erfahren: Sooft die Behörden Bauten in der Siedlung – die schon seit Jahren eigentlich verschwinden soll – abreißen ließen, sooft haben die Bewohner sie wieder aufgebaut.
Bürgermeister will Bulldozer hinschicken
„Wenn ich könnte, hätte ich schon längst Bulldozer hingeschickt“, sagte Palmas Bürgermeister Jaime Martínez am Montagvormittag. „Im Gegensatz zu den Kriminellen müssen wir uns aber an Vorschriften halten. Und für den Abriss ist eine Menge Papierkram nötig, der länger dauert, als ich möchte.“ Immerhin: Er hat das Verfahren bereits eingeleitet.
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