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"Wurden immer wieder beschimpft": Kutscher von Alcúdia verkehren jetzt in Elektro- statt Pferdekutschen

Am Donnerstag (27.3.) wurden die neuen "galeras" vorgestellt. Acht Kutscher der Gemeinde haben schon eines der 30.000-Euro-Gefährte erworben

Simone Werner

Simone Werner

In Alcúdia, einem der beliebtesten Urlaubsorte auf Mallorca, verkehren fortan Elektro- statt Pferdekutschen. Nach jahrelanger Kritik von Tierschützern, vielen Debatten und Ankündigungen sowie monatelangen Vorbereitungen konnten sie am Donnerstag (27.3.) endlich vorgestellt werden: acht auf dem spanischen Festland hergestellte nagelneue Elektrokutschen. Stolz wie Bolle präsentierten Vertreter des Rathauses und die Kutscher sie der Presse. Auch zahlreiche neugierige Bewohner und Urlauber gesellten sich dazu.

Alcúdia ist somit die erste Gemeinde auf Mallorca, die die von Tierschützern immer wieder kritisierten Pferdekutschen durch elektrische Gefährte ersetzt. Auch in der Balearen-Hauptstadt Palma, wo sich viele Urlauber durch die Altstadt kutschieren lassen, wird immer wieder über diese Option diskutiert.

Kredit aufgenommen

Kutscher Israel Salazar war schnell klar, dass er eine der teuren Elektrokutschen erwerben und auf die elektrobetriebenen "galeras" umsteigen will. Um sich eines der 30.000 Euro-Gefährte leisten zu können, hat er extra einen Kredit aufgenommen. Subventionen vom Rathaus gab es keine.

Nur noch bis zum 31. Oktober dürfen auch herkömmliche Pferdekutschen im Gemeindegebiet von Alcúdia im Einsatz sein. Danach sind ausschließlich E-Kutschen erlaubt. Für die caleseros bedeutet das: Entweder sie steigen um oder sie verlieren ihren Job.

Gewöhnungsbedürftig

Israel Salazar etwa ist mit Pferden aufgewachsen. Seit er 18 Jahre alt ist, arbeitet er als Kutscher. Schon sein Vater hat ab 1970 damit das Geld für die Familie verdient. "Kutschen ohne Pferde zu fahren, gefällt uns nicht wirklich, aber wir müssen uns eben an die aktuellen Zeiten anpassen", sagt Salazar, der schweren Herzens vier seiner Pferde an eine Ranch auf dem Festland verkauft hat. "Eines habe ich behalten, um reiten zu können."

Bei einer Probefahrt am Donnerstag (27.3.) erzählt er, dass es für ihn noch sehr gewöhnungsbedürftig ist, keine Zügel mehr in der Hand zu haben. Stattdessen sitzt er nun am Lenkrad, hat einen Vorwärts- und Rückwärtsgang und sogar Blinker. "Es ist auch ein ganz anderes Fahrgefühl, so sanft", findet er.

Bis zu 25 km/h

"Fahr mal schneller, die langweilen sich", ruft ein Anwohner Salazar von der Straße aus zu. Er zieht durch, die Kutsche rappelt über den gepflasterten Boden. Auf fast 25 km/h kommt die Kutsche, rund 60 Kilometer weit sollen Salazar und die anderen Kutscher mit einer aufgeladenen Batterie kommen. Gefahren wird im gesamten Gemeindegebiet. An sechs Stationen können die Kutscher Halt machen. Bisher hat die rund 30-minütige Fahrt 15 Euro (pro Fahrt) gekostet. Der Preis soll beibehalten werden.

Dass das Rathaus die Kutscher zum Umstieg auf Elektrokutschen gezwungen hat, will Salazar nicht sagen. "Wir haben selbst die Initiative ergriffen. Viele Jahre lang mussten wir uns Beschwerden von Leuten anhören, wurden immer wieder beschimpft. Unsere Arbeit sei Tierquälerei etc. Wir waren es einfach leid", so Salazar.

Hinzu kam, dass die Kutscher an besonders heißen Tagen teils stundenlang ihre Arbeit niederlegen mussten. "Manchmal konnten wir von 12 bis 18 Uhr nicht arbeiten und daher auch kein Geld verdienen", weiß Israel Salazars Bruder Eduardo Salazar. Auch er ist Kutscher und wird Besucher mit der Familienkutsche von A nach B scheffeln. "Ich freue mich schon darauf", sagt er.

Wie die Urlauber wohl reagieren werden, wenn sie die rot-weißen E-Kutschen ab Ostern sehen? "Ich hoffe doch gut", so Israel Salazar. Ob Palma dem Beispiel von Alcúdia folgt, entscheidet sich erst noch.

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