Geheimnis um die mysteriöse Frau hinter dem kobaltblauen Miró-Gemälde gelüftet
Forscher entdecken hinter einem Gemälde von Joan Miró das Porträt einer Dame. Ihre Identität sorgt für Erstaunen

l Das geröntgte Gemälde zeigt das Porträt von Dolors Ferrà i Oromí . l Liebesbeweis in Kobaltblau: „Pintura“. | FOTOS: RAMÓN MAROTO (CRBMC)/SUCCESSIÓ MIRÓ
Dass da irgend etwas unter dem kobaltblauen Hintergrund des Gemäldes von Joan Miró verborgen war, das wussten die Kunsthistoriker schon lange. An drei Stellen schimmerte unter dem Bild aus dem 1920er-Jahren Elemente durch, die darauf hinwiesen. Doch so richtig hatte das noch niemand untersucht. In den 1970er-Jahren, als das Gemälde in den Fundus der Miró-Stiftung überging, gab es noch nicht die technischen Hilfsmittel. Und später wurde es wohl vergessen.

Das Originalgemälde "Pintura" / Successió Miró
Bis zum vergangenen Jahr. Da nahm sich Elisabet Serrat, Chefin der Abteilung für Restaurationen der Miró-Stiftung in Barcelona, des Gemäldes an. Mit Techniken wie Röntgenstrahlen, ultraviolettem Licht und hyperspektralen Bildaufnahmen prüfte sie das blaue Bild bis auf das letzte Pigment. Zutage trat Erstaunliches: Das Porträt einer elegant gekleideten Frau mittleren Alters. Doch – wer war die Dame? Und warum hatte der große Künstler sie bloß übermalt?
Einem Freund geschenkt
Das Bild – also das kobaltblaue – hatte Miró zwischen 1925 und 1927 gemalt. Es trägt den Titel „Pintura“ (Gemälde). Miró schenkte es seinem Freund Joan Prats. Dieser behielt es bis zu seinem Tod im Jahr 1970. Fünf Jahre später ging es in den Fundus der Stiftung über.
Serrat und ihr Team hatten keinerlei Anhaltspunkte, wer die Frau sein könnte. Sie fuhren also nach Tarragona zur Fundació Mas Miró. Im kleinen Dorf Montroig hatte die Familie des Künstlers ein Sommerhaus. Doch auch hier gab es keinerlei Hinweise auf die Identität der Dame.
Daraufhin machte jemand einen anderen Vorschlag: Und wenn man mal auf Mallorca in der Miró-Stiftung nachschaut? Schließlich hatte Miró von 1956 an und bis zu seinem Tod im Jahr 1983 dort gelebt und gearbeitet. Und tatsächlich: In seinem Studio Son Boter in Palmas Stadtteil Cala Major fanden die Forscher das vom Künstler Cristòfol Montserrat erstellte Gemälde einer Frau, die dem Röntgenbild unter „Pintura“ verblüffend ähnlich sah. Noch erstaunter waren sie, als sie den Namen der Dame erfuhren: Dolors Ferrà i Oromí – niemand anderes als Mirós Mutter.
Was brachte ihn dazu?
Das warf weitere Fragen auf. Um „Pintura“ zu malen, hatte Miró das vertikale Bild auf die Seite gelegt. Zudem schnitt er es zurecht, ohne aber das Abbild der Mutter zu zerstören. In seiner Respektlosigkeit – wenn man es so nennen möchte – hatte er also immerhin einen kleinen Funken Anstand bewahrt. War das Verhältnis des Künstlers zu seiner Mutter so schlecht?
Theorie 1: Der Geist der Mutter
Im Gegenteil, sagt einer, der es wissen muss. Joan Punyet Miró ist Enkel des Künstlers und dessen aktivster Nachlassverwalter. Gegenüber der Zeitung „La Vanguardia“ erklärte er: „Zu seiner Mutter hatte mein Großvater ein sehr offenes Verhältnis. Sie unterstütze ihn immer, während es der Vater war, der ihm Steine in den Weg legte.“ Zu den Gründen für das übermalte Bild hat der Enkel eine Vermutung: „Mein Großvater versuchte, Tradition und Revolution zu vereinen, und vielleicht wollte er ein Porträt des Geistes der Mutter zeichnen. Sicherlich wollte er ihr eine Hommage erweisen, eine Liebesbekundung, indem er ein Porträt ihres Inneren und ihrer physischen Energie malte.“
Theorie 2: Die "ermordete" Malerei"
Es gibt noch eine andere Erklärung: Ende der 1920er-Jahre setzte Miró sich zum Ziel, „die Malerei zu ermorden“. Es war ein Aufbegehren gegen die konventionellen Malmethoden. Zum Aktionsplan gehörte es auch, Bilder von anderen Künstlern zu übermalen. Die Forscher der Miró-Stiftung glauben, dass „Pintura“ eines seiner ersten Versuche in dieser Richtung war.
Die Miró-Stiftung in Barcelona zeigt die Arbeit von Elisabet Serrat und ihrem Team in einer Doku sowie in einer Ausstellung.
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