Ein Hauch von Freiheit: Warum die Bootstour von zwei Obdachlosen wie das perfekte Drehbuch klingt
Filmreif: Unbemerkt haben zwei Obdachlose eine Segelyacht geklaut. Doch ihre Ausfahrt endete abrupt – und mit einer schweren Entscheidung

Retter und Schrankenweiser zugleich: Beamte der Guardia Civil beim Einsatz am Sonntag (20.4.). / Guardia Civil
Es klingt wie der Plot aus einem gelungenen Vorabendfilm: Zwei Obdachlose wollen ihrem täglichen Elend entkommen und kapern in einer ungelenken Aktion ein Luxusboot, um auf dem Meer noch einmal einen Hauch von Freiheit zu schnuppern – und werden schon wenig später vom System in ihre Schranken gewiesen. Eine romantische Geschichte mit gesellschaftskritischem Anklang, die sich aber genauso am Sonntag (20.4.) in Palma tatsächlich ereignet hat.
Einmal im Leben ausbrechen
Die Hauptpersonen: zwei Obdachlose, die gewöhnlich am Flughafen von Palma übernachten, wie es im Bericht der Guardia Civil heißt. Beide ohne Heim und Habe, gefangen im quälenden Alltag am Rande der Gesellschaft. Einmal ausbrechen, einmal weg, einmal selbst das Steuer übernehmen, dachten sie sich wohl und machen sich vom Flughafen auf zum Strand von Can Pastilla. Am nahe gelegenen Yachtclub San Antonio entdecken sie ihr Instrument der Freiheit: eine zwölf Meter lange Segelyacht, luxuriös, komfortabel – und augenscheinlich unbewacht am Liegeplatz. Oder, um auf der Metaebene zu bleiben: das Symbol schlechthin für den Reichtum am anderen Ende des sozialen Gefüges.
Alte Talente noch einmal ausgraben, sich auf das besinnen, was man einst gelernt hat, in Erinnerungen an bessere Zeiten schwelgen, als man noch als jemand galt in der Gesellschaft – jeder Drehbuchschreiber hätte seine wahre Freude daran, die Persönlichkeitsentwicklung der Protagonisten auf diese Weise voranzutreiben. Und tatsächlich: Einer der zwei Obdachlosen kennt sich aus in der Schifffahrt, weiß noch, wie es ist, die Leinen zu lösen und loszuschippern. Er überredet seinen Kumpel, genau das mit ihm zu tun. Der andere willigt ein.
Kurzer Höhepunkt
Dann der Höhepunkt: Die Protagonisten stechen in See, und ja, da ist sie, die Freiheit, das Gefühl, unsterblich zu sein. Das Meer, das Schiff und große Vorräte an gelagerten Lebensmitteln, die nur darauf warten, verzehrt zu werden. Keine Frage: Die Klimax hält nicht lange an, auf den Aufstieg folgt der Fall. Der Magen ist bald gefüllt, von leckerem Essen und Qualitätsalkohol. So voll, dass der „Kapitän“ schon kurz darauf in seiner Seligkeit das Bewusstsein verliert.
Das ist der Wendepunkt: Sein Freund gerät in Panik, weiß nicht, wie er das Boot steuern soll. Plötzlich wirkt die Freiheit des Meeres wie eine unendliche Bedrohung. Und der Dieb, der plötzlich zum Schiffbrüchigen geworden ist, knickt ein, greift nach dem einzigen Strohhalm, den er in seiner Notlage sieht: das Establishment, die Gesetzeshüter, jene, denen er eigentlich entkommen wollte. Irgendwie schafft er es, das Funkgerät des Bootes zu betätigen und Kontakt zur Seenotrettung herzustellen.
Zurück ins System
Dann noch mehr Drama: Trotz der Anleitungen per Funk gelingt es dem Abenteurer nicht, den Standpunkt des Bootes zu bestimmen. Letztlich nimmt er verzweifelt den Ratschlag an, den ihm die Experten ans Herz legen. Er wirft das Notfunkgerät ins Wasser, in dem Wissen, dass das Gerät durch den Kontakt mit dem kühlen Nass automatisch den Standpunkt an die Rettungskräfte übermittelt – es ist seine Rettung und zugleich die Gewissheit, dass schon bald das System wieder die Kontrolle übernehmen wird.
Als die Seenotretter in Begleitung der Guardia Civil an Bord kommen, überwiegt bei den Schiffbrüchigen die Erleichterung. Der Ausklang: Mit einem Schlepper wird das Boot zum Hafen von Sa Ràpita gebracht – verdreckt und beschädigt, wie der Eigentümer später beklagt. Er steht in der Geschichte stellvertretend für die egozentrische Bourgeoisie. Und die Hauptpersonen? Vorübergehend werden die zwei Gescheiterten als Diebe festgenommen – nur um kurz darauf wieder freigelassen zu werden. In ein Leben, das ihnen wenig Freiheit verspricht.
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