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Lob von deutschen Schiffsbauern: Palma International Boat Show ist "auf einem guten Weg"

Claus-Ehlert Meyer ist mit seiner Arbeitsgruppe Deutsche Yachten bereits zum achten Mal bei der Messe auf Mallorca mit dabei. Warum er immer wieder kommt und wie das Geschäft gerade läuft

Häufig auf einem Schiff anzutreffen: Claus-Ehlert Meyer vom DBSV.

Häufig auf einem Schiff anzutreffen: Claus-Ehlert Meyer vom DBSV. / Privat

Johannes Krayer

Johannes Krayer

Für die Arbeitsgruppe Deutsche Yachten ist die Palma International Boat Show inzwischen ein fester Termin im Jahreskalender. Der Zusammenschluss innerhalb des Deutschen Boots- und Schiffbauerverbandes (DBSV) hat bereits zum achten Mal einen Stand auf der Messe. Claus-Ehlert Meyer ist Managing Director des DBSV.

Herr Meyer, was muss man sich unter dem Deutschen Boots- und Schiffbauerverband vorstellen?

Wir haben inzwischen 425 Mitgliedsunternehmen in Deutschland, davon sind allein 200 Werften unterschiedlicher Größe. Von einem Ein-Mann-Betrieb bis zur Meyer-Werft in Papenburg (mit mehr als 3.300 Mitarbeitern, Anm. d. Red.). In der Arbeitsgruppe Deutsche Yachten sind 65 Unternehmen organisiert, die alle in dem Bereich ab 40 Meter aufwärts tätig sind, und das nicht nur in Deutschland, sondern international. Gut die Hälfte unserer Mitglieder kommen zur Boat Show nach Palma. Bei den ganz großen Yachten ist Deutschland führend. Von den 25 größten Motoryachten weltweit sind 18 in Deutschland gebaut worden.

Wie kommt es, dass Deutschland eine so große Tradition in dem Bereich hat?

Deutschland hat die nötige Infrastruktur. Lürssen hat beispielsweise eine Werft für Handelsschiffe in Bremen übernommen und war dann in der Größe nicht mehr limitiert. Die meisten Werften, die heute große Yachten bauen, sind aus kleinen Werften entstanden und langsam gewachsen. Wenn Firmen aber eine bereits bestehende Handels- oder Kriegsschiffwerft übernehmen konnte, dann sind plötzlich große Kapazitäten da. Und das war in Deutschland mehrfach der Fall. Dazu kommt, dass Deutschland eine sehr gute Zulieferindustrie hat. Das geht zum Teil auf die Kreuzfahrtbranche zurück.

Inwiefern machen sich die Standortnachteile in Deutschland mit hoher Steuerlast und hohen Arbeitskosten bemerkbar?

Die spielen auf jeden Fall eine Rolle. Wir verlieren sicher Aufträge ans Ausland, weil es hier teurer ist. Eine deutsche 100-Meter-Yacht kostet rund 30 Prozent mehr als eine italienische 100-Meter-Yacht. Die Italiener sind super in großem Serienyachtbau bis 40, 45 Meter. Ein Vorteil in Deutschland ist, dass wir noch sehr gute Facharbeiter haben.

Wie kam es zu dem Mallorca-Besuch der Deutsche Yachten?

Wir haben zuvor in Dubai viele Jahre ausgestellt. Aber das lief mit mäßigem Erfolg. Da wir ein Verein sind, war der Schwenk nach Mallorca eine Mehrheitsentscheidung. Ich habe mir dann die Messe angeschaut, mit den Organisatoren gesprochen, und das machte einen guten Eindruck. Es ist ja allgemein bekannt, welchen Einfluss die Deutschen auf Mallorca haben. Und auch auf der Messe hört man zu 80 Prozent Deutsch und Englisch und nur zu 20 Prozent Spanisch. Wir generieren wahrscheinlich nicht sehr viel Geschäft in Palma, aber wir treffen viele Kollegen aus anderen Ländern. Und die Messe deckt einen großen Bereich ab.

Welchen Stellenwert hat die Boat Show in Palma inzwischen für Sie?

Für die Kontaktpflege ist sie eine der wichtigsten Messen. Aber in Sachen Verkaufserwartung steht Palma nicht an erster Stelle. Auf den Messen wird ohnehin wenig verkauft. Da geht es erst einmal darum, das Boot vorzustellen, die Kunden gehen an Bord, messen aus. Dann werden Angebote geschrieben, die mit dem Kapitän oder dem Eignervertreter durchgesprochen werden. Dann gibt es drei Rückfragen technischer Natur. Und ein Vierteljahr später vielleicht einen Auftrag. Das sind sehr komplexe Einzelanfertigungen. Da kommt es nicht sofort zu einem Abschluss. Vorher sind viel zu viele technische Fragen zu klären. Auch gerade wenn es um Reparaturen von komplizierten Einzelteilen geht.

Sie machen also auch viel Refit?

Ja, dieser Bereich ist ganz wichtig. Und da spielt Mallorca mit seinen beiden Werften eine große Rolle. Deshalb ist die Messe in diesem Bereich sehr wichtig für uns, denn sie dient der Auslastung unserer Firmen.

Und um die Verkäufe kümmert sich dann jemand anderes?

Ja, das machen die mallorquinischen Händler der deutschen Werften vor Ort. Wie viel die bei der Messe verkaufen, weiß ich nicht.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung der Messe über die vergangenen Jahre?

Die Boat Show ist auf einem guten Weg. Die Organisation ist professioneller geworden. Es ist übersichtlich und eine Messe mit angenehmer Atmosphäre. Im Hafen herrscht ein schönes Flair. Das ist angenehmer als im Januar in einer Halle in Düsseldorf zu stehen. Der lange Abend mit den Partys ist auch eine sehr gute Idee. Und die Brücke auf dem Ausstellungsgelände, die zur Seite gefahren werden kann, war ein ganz wichtiger Schritt, weil dadurch ein Rundgang entstanden ist, eine sehr gute Entscheidung der Verantwortlichen. Die Boote sind Jahr für Jahr gewachsen. Manchmal etwas schwer zu vermitteln ist, dass es zwei Messen in einem sind: einmal das Superyacht Village und dann die Boat Show. Und etwas kompliziert wird es manchmal, weil unterschiedliche Regeln gelten. Zum Beispiel bauen wir etwas auf, dann kommt aber jemand und sagt uns, das ist verboten. Auch wenn das ein Stück weiter hinten die anderen so aufgebaut haben. Dann heißt es aber: Das ist eine andere Messe. Aber es kommen viele interessante Leute vorbei.

Finden Sie in Palma passende Klientel?

Die Aufträge werden fast nie mit den Eignern abgeschlossen. Das sind häufig die Kapitäne, und die kommen bei uns hier vorbei. In vielen Fällen ist das Schiff aber so groß, dass es fast ein kleines Unternehmen darstellt. Das Management der großen Yachten ist extrem umfassend.

Wie steht es um die Yachtbranche?

Im Bereich der Serienproduktion sind wir weltweit noch auf einem niedrigen Niveau. Zur Corona-Pandemie wurden Überkapazitäten aufgebaut. Das hat zu hohen Lagerständen geführt, die erst einmal verkauft werden müssen. Wir sind auf dem Weg zur Normalität, aber noch nicht ganz angekommen, wo wir vor der Pandemie waren.

Welche Yachten werden gerade nachgefragt? Werden sie immer größer?

Nein, im Moment werden die Yachten nicht mehr immer größer. Eine Zeit lang war das getrieben von russischen und arabischen Milliardären. Aber diese Superlative mit 180, 190 Metern sind nicht mehr so angesagt. Was gerade kommt, sind Residential Yachts. Das sind kleinere Kreuzfahrtschiffe, in denen die einzelnen Apartments verkauft werden. Da müssen wir abwarten, wie sich das Segment entwickelt.

Die geopolitische Lage ist alles andere als stabil derzeit. Die Reichen scheinen aber weiterhin Geld zu haben.

Die Zahl der Milliardäre steigt weiter deutlich an. Und wir hoffen, die Leute geben das Geld unter anderem für Yachten aus, denn das Schlimmste ist ja, das Geld auf der Bank zu haben.

Spüren Sie die Unsicherheiten in Russland und den USA direkt?

Natürlich. Die russische Klientel ist komplett weggefallen. Die Russen haben viel in Deutschland gekauft und ihre Yachten in Deutschland gewartet. Bei den US-Käufern wird man nichts spüren. Denn die großen Yachten werden nicht in die USA verkauft, sondern an US-Amerikaner. Aber die in den USA zu haben, ist viel zu teuer. Die Schiffe sind auf den Cayman Islands registriert oder auf den Kanalinseln oder Malta. Das Thema Zölle betrifft deshalb nicht so sehr unsere Firmen.

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