„Wir haben das Haus des Schreckens ausgehoben“: So soll das deutsche Ehepaar seine Kinder in Nordspanien eingesperrt haben
Achtjährige Kinder mit Windeln und in Babybetten, überall Dreck und Müll, eine schwerkranke und verwahrloste Katze und keinerlei Kontakt zur Außenwelt: Unter diesen Umständen hat die deutsche Familie in Oviedo gehaust

Journalisten vor dem "Horrorhaus" in Oviedo / LNE
Félix Vallina
Im nordspanischen Oviedo ist ein deutsches Ehepaar festgenommen worden, weil es seine Kinder jahrelang im Dreck eingesperrt haben soll. Jetzt wurden neue Details zum Polizeieinsatz bekannt.
Nie im Freien
Der Hauptkommissar der Lokalpolizei von Oviedo, Francisco Javier Lozano, fasst den Einsatz mit einem einzigen Satz zusammen: „Wir haben das Haus des Schreckens ausgehoben.“ Lozano und sein Team waren es, die am Montag (28.4.) einen Mann und eine Frau – ein Ehepaar im Alter von 53 und 48 Jahren – festgenommen haben. Die beiden hatten ihre drei Kinder wohl seit fast vier Jahren, konkret seit Dezember 2021, in einem Einfamilienhaus eingesperrt. Die Kinder – achtjährige Zwillinge und ein zehnjähriger Bruder – gingen nicht zur Schule und hatten seitdem nicht einmal den Garten des Hauses betreten. „Sie hatten keinerlei Kontakt zur Realität. Einer von ihnen berührte das Gras mit der Hand und war überrascht. Sobald wir sie herausholten, atmeten alle drei tief ein, als wären sie noch nie im Freien gewesen“, berichtet einer der Ermittler, die an dem Einsatz beteiligt waren.
Der Vater der Kinder ist Deutscher, die Mutter US-amerikanischer Herkunft, hat jedoch ebenfalls die deutsche Staatsangehörigkeit. Beide befinden sich derzeit im Gewahrsam der Guardia Civil in Oviedo, die nun die Ermittlungen übernimmt. Die drei Kinder werden seit der Festnahme ihrer Eltern von den Behörden betreut. „Wir haben drei Minderjährigen das Leben zurückgegeben. Ich hätte nie gedacht, dass so etwas in diesem Land passieren könnte“, erklärt Francisco Javier Lozano.
Verdächtige Situation
Der Einsatz begann am 14. April nach einem Anruf einer Nachbarin, die den Familien- und Kinderdienst der Stadt Oviedo über eine „verdächtige“ Situation informierte. Die Frau sagte, sie sei sich fast sicher, dass in dem Haus Kinder lebten, weil sie manchmal Stimmen hörte und sie durch die Fenster gesehen hatte, aber sie kämen nie nach draußen und gingen folglich auch nicht zur Schule. Die Ortspolizei von Oviedo ist unter anderem für die Überprüfung der Schulpflicht zuständig, also wurde eine Untersuchung eingeleitet.
Mehrere Tage lang beobachteten fortan Beamte das Haus von außen, vor allem zu Schulzeiten. „Es war keinerlei Bewegung zu sehen, die Rollläden waren immer heruntergelassen. Offiziell war nur der Mann dort gemeldet, aber auch ihn sahen wir nie das Haus verlassen. Er öffnete nur die Tür, um Lebensmittelbestellungen entgegenzunehmen. Es gab auch kein einziges Fahrzeug“, erklärt ein Inspektor der städtischen Polizei.
Die Polizisten wurden misstrauisch. Die Essenskartons waren zu groß für den Bedarf einer einzelnen Person. Außerdem bemerkten die Beamten während einer der Überwachungen, wie sich ein Vorhang im Obergeschoss bewegte, während der Mann unten an der Tür ein Paket entgegennahm. Der Spürsinn der Beamten ließ sie erkennen, dass dort etwas nicht stimmte. „Wir beantragten ein Treffen mit der Jugendstaatsanwaltschaft, und es wurde eine Anordnung erlassen, um die Identität der Kinder festzustellen, herauszufinden, mit wem sie zusammenlebten und ob sie beschult oder zu Hause unterrichtet wurden“, berichten die Ermittler.
Die Durchsuchung
Am Montag (28.4.), um elf Uhr morgens, kurz vor dem spanienweiten Stromausfall, fuhr ein Einsatzteam zu dem Haus. Es war an der Zeit, das Gebäude zu betreten, denn der Verdacht, dass dort etwas Schwerwiegendes vorging, hatte sich erhärtet.
Sieben Mitglieder der Ortspolizei waren vor Ort, dazu Mitarbeiter der Sozialdienste und eine Deutsch-Dolmetscherin, alle koordiniert vom Jugendamt. „Er öffnete uns das Tor zur Einfahrt, wirkte ungepflegt und war barfuß. Wir erklärten ihm, warum wir da waren, und er sagte sofort, dass sich Kinder im Haus befänden. Er ließ uns herein, bat uns aber zu warten, bis den Kindern Masken aufgesetzt wurden“, erzählt ein beteiligter Beamter. „Er bat uns auch, selbst Masken zu tragen und Abstand zu halten“, fügt er hinzu.
Dann betraten sie das Haus und sahen zum ersten Mal die Frau. Auch die drei Kinder erschienen. „Sie waren sehr verängstigt und hielten sich an ihrer Mutter fest, die immer wieder sagte, die Kinder hätten schwere Erkrankungen und wir dürften uns ihnen nicht nähern. Jeder von ihnen trug drei Masken übereinander“, berichtet ein weiterer Beamter.
Achtjährige mit Windeln und in Babybetten
Die Ermittler stellten später fest, dass die letzten medizinischen Unterlagen der Kinder aus dem Jahr 2019 stammten, ausgestellt in Deutschland, und dass damals keine Erkrankungen festgestellt worden waren. „Sie waren schmutzig, trugen Schlafanzüge und waren offensichtlich vernachlässigt. Die Sozialdienste stellten sehr schnell fest, dass es sich um eine schwerwiegende Kindeswohlgefährdung handelte.“ Das Haus sei laut Polizeibericht „überall voller Müll gewesen, sogar unter den Betten“.
Die Eltern führten die Einsatzkräfte in die Kinderzimmer. In einem der Zimmer schliefen die Zwillinge in zwei Babybetten ohne Beine, die direkt auf dem Boden standen. „Alle Fenster waren geschlossen, es gab keine Luftzirkulation. Außerdem war alles sehr schmutzig“, so die Beamten. Im Zimmer des zehnjährigen Bruders fanden sie ein Bett „viel zu klein für sein Alter“, eher „eine Art Feldbett, ebenfalls ohne Beine, direkt auf dem Boden“. Auch dort war es schmutzig, und frische Luft drang nicht hinein. „Alle Fenster des Hauses waren so hermetisch verschlossen, dass von außen kaum etwas zu erkennen war“, berichten die Ermittler.
Angst, entdeckt zu werden
Die Mitarbeiter der Sozialdienste blieben bei den Kindern, während die Beamten mit der Mutter sprachen. Zunächst sagte sie, die Familie sei erst seit drei Monaten in Oviedo, doch wenig später brach sie zusammen und erzählte die Wahrheit. Sie gestand, dass sie im Dezember 2021 in das Haus gezogen seien und dass das Ehepaar beschlossen hatte, die Kinder aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr nach draußen zu lassen. Zu groß war wohl die Angst während der Corona-Pandemie. „Sie sagte, sie hätten geplant, die Situation zu normalisieren, aber dann hätten sie Angst bekommen und sich treiben lassen. Mit der Zeit sei die Angst gewachsen, entdeckt zu werden“, heißt es von den Ermittlern.
In einem verschlossenen Zimmer fanden die Beamten außerdem eine Katze in sehr schlechtem Zustand. „Das arme Tier hat eine Art riesigen Tumor und ist völlig verfilzt“, berichten die Ermittler. Die Katze war von ihren eigenen Exkrementen umgeben. Zudem trugen alle drei Kinder Windeln unter ihren Schlafanzügen. Die Mutter behauptet, das sei normal und sie selbst habe die Windeln gewechselt.
Letzter Schuhkauf 2019
Die erste Maßnahme war, die Kinder ins Universitätsklinikum von Asturien (HUCA) zu bringen, um sie medizinisch untersuchen zu lassen. Die Mutter begleitete sie, damit es für die Kinder nicht traumatisch wurde. Beim Verlassen des Hauses „hatten sie keine Schuhe in ihrer Größe“. Die letzten Schuhe waren 2019 gekauft worden. Laut den Ermittlern begannen die Kinder beim Verlassen des Hauses zu rennen und zeigten deutliche Koordinationsprobleme.
Nach der medizinischen Untersuchung wurden die Kinder den Sozialdiensten übergeben, die Plätze in einem Heim organisierten. Auch werde man alle notwendigen Untersuchungen zur Erkennung möglicher körperlicher oder psychischer Spätfolgen durchführen, heißt es. Danach wurde der Vater, ein promovierter Philosoph, der von zu Hause aus arbeitete, festgenommen. /somo
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