"Horrorhaus" in Oviedo: Das ist über den deutschen Familienvater bekannt, der seine Kinder vier Jahre lang einsperrte
Der Vater arbeitete im Homeoffice, die Einkäufe wurden im Internet erledigt

Journalisten vor dem "Horrorhaus" in Oviedo / LNE
Lucas Blanco
Der 53-jährige Deutsche, der gemeinsam mit seiner Frau seine drei Kinder vier Jahre lang in einem Haus in Fitoria bei Oviedo in Nordspanien eingesperrt hatte, verdiente seinen Lebensunterhalt, ohne das Haus jemals zu verlassen. Auch die Einkäufe erledigte die Familie ausschließlich im Internet
Der promovierte Philosoph hatte die Immobilie im Oktober 2021 über eine Immobilienagentur angemietet und war zwei Monate später mit seiner Familie eingezogen. Laut seinen Profilen in sozialen Netzwerken arbeitete er seit 2008 als „Headhunter“, nachdem er zuvor zwei Jahre in der Pharmaindustrie tätig gewesen war. Dieses rein digitale Berufsleben entsprach offenbar dem Lebensstil des Ehepaares, das sich 2021 entschied, Deutschland zu verlassen und nach Oviedo zu ziehen.
Ansonsten deuten seine Aktivitäten in den sozialen Netzwerken kaum auf das Drama hin, das sich in dem Haus abspielte. Der Mann interessierte sich für die US-Sitcom "Friends", sowie für Filmsagas wie "Der Herr der Ringe" oder "Star Wars". Zudem soll er ein Fan der britischen Band "Oasis" sein.
Familie nicht im Rathaus angemeldet
Der Vater meldete sich Anfang 2022 offiziell in Oviedo an, doch seine Frau, eine US-Amerikanerin mit mexikanischen Wurzeln und deutschem Pass, sowie die Kinder – achtjährige Zwillinge und ein zehnjähriger Sohn – blieben für die Behörden unsichtbar. Sie waren nicht als Einwohner registriert.
Die von dem Mann beschriebenen Tätigkeiten gelten als gut bezahlte Jobs und hätten es der Familie ermöglicht, die Miete für das großzügige Haus zu bezahlen. Wobei das Ehepaar zuletzt finanzielle Probleme gehabt haben soll.
Warum die Kinder in der Wohnung festgehalten wurden, ist weiterhin Gegenstand der Ermittlungen. Bei der Festnahme erklärte die Mutter spontan gegenüber den Beamten, sie habe dem Vorgehen ihres Mannes zugestimmt, da die Kinder an „schweren Erkrankungen“ gelitten hätten.
Die Ermittler vermuten jedoch derzeit, dass das Paar an einer krankhaften Angst vor dem Coronavirus litt und aus diesem Grund die Kinder über Jahre hinweg praktisch unter Hausarrest stellte. Die Kinder lebten in beengten Verhältnissen, schliefen in kleinen Betten oder Gitterbetten, trugen – trotz ihres Alters – Windeln, durften nicht zur Schule gehen und hielten sich zwischen Katzenkot auf. Laut der MZ-Schwesterzeitung "La Nueva España" sollen sie teilweise bis zu drei Masken gleichzeitig getragen haben.
Erst als eine „mutige Nachbarin“, wie Stadtrat José Ramón Prado sie nannte, die Polizei informierte, wurde der Fall bekannt. Ihr Hinweis half, diesen außergewöhnlichen Vorfall ans Licht zu bringen.
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