Zum Hauptinhalt springenZum Seitenende springen

Untersuchung abgeschlossen: Darum sank die Luxusyacht "Bayesian"

Bei dem Unglück vor Sizilien kamen im vergangenen Jahr sieben Menschen ums Leben. Nun gibt es Hinweise zur Ursache für den Untergang der gewaltigen Segelyacht, die eigentlich als "unsinkbar" galt. Die Crew hatte enge Verbindungen nach Mallorca

Die vor Sizilien untergegangene Yacht Bayesian auf einem Archivbild.

Die vor Sizilien untergegangene Yacht Bayesian auf einem Archivbild. / Efe

Die im vergangenen Jahr vor der Küste Siziliens untergegangene Luxusyacht "Bayesian" ist nach Ansicht britischer Experten infolge extremen Winds gekentert. Das geht aus einem vorläufigen Bericht der britischen Untersuchungsbehörde für Schiffsunglücke hervor, wie die britische Nachrichtenagentur PA meldete.

Demnach wäre eine Windgeschwindigkeit von etwa 117 Kilometern pro Stunde ausreichend gewesen, um das Schiff auch ohne gesetzte Segel zum Umkippen zu bringen. Diese bauliche Schwäche sei aber weder dem Besitzer noch der Mannschaft bewusst gewesen, weil sie der Stabilitätsdokumentation nicht zu entnehmen gewesen sei.

Zum Zeitpunkt des Unglücks habe der Wind Geschwindigkeiten von knapp 130 Kilometern pro Stunde erreicht und die Yacht damit in weniger als 15 Sekunden umgeworfen, hieß es weiter. Die Untersuchung zum Unglückshergang wird vom britischen Marine Accident Investigation Branch (MAIB) geleitet, weil die Yacht in Großbritannien registriert war.

Tod eines Tauchers stoppte Bergungsarbeiten

Der Untergang der als "unsinkbar" bezeichneten 56-Meter-Yacht hatte im vergangenen Sommer rund um die Welt Schlagzeilen gemacht. Sieben Menschen kamen damals ums Leben. 

Bei den Toten handelt es sich um den britischen Software-Milliardär und Besitzer der Yacht, Mike Lynch, dessen 18-jährige Tochter, zwei befreundete Paare und den Schiffskoch. Bis auf den Koch konnte sich die gesamte Besatzung retten. Insgesamt überlebten 15 Crewmitglieder und Gäste.

James Cutfield, der Kapitän der untergegangenen Yacht "Bayesian".

James Cutfield, der Kapitän der untergegangenen Yacht "Bayesian". / DM

Die "Bayesian" liegt seither in etwa 50 Meter Tiefe auf dem Meeresboden, ungefähr einen Kilometer von der Küste entfernt. Die geplante Bergung wurde kürzlich unterbrochen, nachdem ein 39 Jahre alter Taucher bei den Arbeiten ums Leben gekommen war. 

Viele Spekulationen um Unglücksursache

Ermittelt wird bislang gegen den Kapitän und zwei weitere Besatzungsmitglieder. Ihnen wird zur Last gelegt, Sturmwarnungen ignoriert und sich selbst in Sicherheit gebracht zu haben, ohne sich um andere zu kümmern.

Mit ihrem 75 Meter hohen Mast und einem Gewicht von 473 Tonnen gehörte die «Bayesian» zu den größten Segelyachten weltweit. Aufnahmen von Unterwasserkameras zeigen, dass das Schiff auf dem Meeresboden noch recht intakt auf der rechten Seite liegt. Die Bergungsarbeiten haben sich bereits mehrfach verzögert. Zuletzt hatte es geheißen, sie solle bis Mitte Juni abgeschlossen sein.

Enge Bande nach Mallorca

Einige Mitglieder der Crew hatten eine tiefe Verbindung nach Mallorca. Allen voran der Kapitän des Schiffs, James Cutfield. Der Neuseeländer, der als erfahrener Seemann gilt, lebt seit Jahren in Palma und hatte hier auch im Jahr vor dem Unglück geheiratet. Getrauert wurde auf der Insel um den Koch des Schiffs, Recaldo Thomas. Der aus Antigua stammende Kanadier war das einzige Crew-Mitglied, das bei dem Unwetter ums Leben kann. Freunde und Arbeitskollegen bezeichnen Thomas als lebenslustigen Mann, der auf Mallorca, wo er seinen Wohnsitz hatte, nicht nur sehr bekannt, sondern auch sehr beliebt war.

Auch die Yacht selbst hatte längere Zeit auf der Insel verbrach.  Im Jahr 2016 wurde sie im Hafen von Palma grundrenoviert. Der Umbau war eine komplexe Angelegenheit. Der Mast der "Bayesian" war 74 Meter lang und damit der größte der Welt.

Das mallorquinische Unternehmen Pol sowie die Firma RSB Rigging Solutions wurden mit der Aufgabe betraut, den aus Aluminium gefertigten Mast abzunehmen, um die Renovierung auf der Werft Astilleros des Mallorca möglich zu machen. Drei Monate lang wurde an dem Schiff gewerkelt, danach musste der Mast wieder angebracht werden.

Tracking Pixel Contents