Zum Hauptinhalt springenZum Seitenende springen

Deutsche Schwarztaxis machen Urlaubsort im Südwesten unsicher

Über Online-Empfehlungen und Mundpropaganda bieten private Fahrer schon seit Jahren Transfers für Urlauber an – ohne Lizenz. Die Polizeikontrollen verpuffen, und die echten Taxifahrer warnen eindringlich vor der illegalen deutschen Konkurrenz

Circa 45 Euro kostet die Strecke Peguera–Flughafen auch bei den illegalen Anbietern. | SYMBOLFOTO: BENDGENS

Circa 45 Euro kostet die Strecke Peguera–Flughafen auch bei den illegalen Anbietern. | SYMBOLFOTO: BENDGENS

Simone Werner

Simone Werner

Es ist eine Frage, die Urlauber in verschiedenen Facebook-Gruppen mehrmals pro Woche stellen: „Kann mir jemand einen privaten Transferdienst oder ein günstiges Taxi-Unternehmen empfehlen, das mich vom Flughafen zu meiner Unterkunft bringt?“ In den Kommentaren von anderen Nutzern unter diesen Einträgen tauchen dann immer wieder dieselben zwei bis drei Namen auf. Man solle sie per Facebook kontaktieren, heißt es zudem.

Keine Lizenz für Fahrdienste?

Bei der MZ haben sich nun mehrere Leserinnen und Leser gemeldet und ihre Bedenken über die Anbieter in Peguera geäußert. Der Grund: Die vermeintlichen Transfer-Anbieter hätten gar keine Lizenz für Fahrdienste, die sie mit Leihwagen von Mietwagenfirmen oder gar mit ihren privaten Autos durchführen. „Ich finde das unmöglich. Sie nehmen den anderen (den offiziellen Taxifahrern, Anm. d. Red.) das Geld weg und zahlen dafür noch nicht einmal Steuern oder Sozialabgaben“, schrieb uns etwa ein Leser.

Dass es sich bei den Anbietern um Schwarztaxianbieter handelt, scheint vielen Urlaubern entweder nicht klar zu sein, oder es ist ihnen schlichtweg egal. Teils würden die vermeintlichen Taxifahrer sogar genauso viel wie offizielle taxistas für die Fahrt verlangen. Dennoch nutzen viele Besucher die privat angebotenen Dienste. „Ich vermute, die Urlauber schätzen, dass sie mit den inoffiziellen Taxifahrern Deutsch sprechen können“, mutmaßt einer der MZ-Leser.

Taxifahrer sind sauer

Auch unter den offiziellen Taxifahrern in Peguera und im Gemeindegebiet von Calvià sorgen die deutschen Schwarztaxifahrer schon seit einiger Zeit für Unmut. „Ich zahle pro Jahr 2.500 Euro für die Kfz-Versicherung, zudem Steuern, und es kostet mich einen Haufen Geld, meine Lizenz aktuell zu halten. Die Kfz-Versicherung für ein Privat-Auto kostet vielleicht um die 300 Euro“, sagt etwa der Taxifahrer Juan Planas. Junge Taxifahrer-Kollegen oder alle, die ihre Lizenz erst seit Kurzem haben, zahlen sogar teilweise deutlich mehr als Planas, weiß Mari Navarro, die Vorsitzende der Taxifahrer-Vereinigung der Balearen und der der Gemeinde Calvià.

Perfide Tricks

Doch nicht immer sind die Schwarztaxifahrer mit ihren privaten Autos unterwegs. Da die Beamten im Gemeindegebiet die Fahrzeuge längst auf dem Schirm haben, würden sie über Bekannte und Freunde welche bei Mietwagenfirmen – teils auch in anderen Gemeinden – leihen, weiß Juan Planas. Damit würden sie die Urlauber dann an den Hotels oder vor Bars abgreifen. „Über Mundpropaganda unter den Deutschen und die sozialen Netzwerke werden weitere potenzielle Kunden auf sie aufmerksam“, sagt Navarro.

Die Taxifahrer-Präsidentin sieht auch den Sicherheitsaspekt: „Die Schwarztaxifahrer verkaufen Kunden einen Transportdienst, bieten ihnen aber im Gegensatz zu uns keinerlei Sicherheit. Wenn etwas passiert, sind sie nicht versichert.“ Sie habe die illegalen Fahrer deswegen schon mehrmals angezeigt.

Bisher nur Geldstrafen

Ihre Kollegen und sie ärgern sich darüber, dass die Polizei langfristig nichts gegen die Schwarztaxis machen kann. „Wenn die Beamten sie anhalten, sagen die vermeintlichen Taxifahrer einfach, sie seien mit Freunden unterwegs“, so Planas, der schon seit 30 Jahren Taxifahrer ist. Allenfalls gebe es Geldstrafen, die sich summieren. „Da es sich nur um verwaltungsrechtliche Sanktionen handelt, machen die illegalen Taxifahrer einfach weiter. Die Gesetzgebung sollte entsprechend geändert werden, sodass man ab einer bestimmten Summe festgenommen wird“, findet Mari Navarro.

„Und es sind längst nicht die Einzigen, die auf der Insel private Transferfahrten anbieten“, weiß ihr 51-jähriger Kollege Juan Planas. Auch in Magaluf, Santa Ponça oder weit über die Grenzen des Gemeindegebiets hinaus gebe es schwarze Schafe. „Die Leute sollen sich besser zweimal überlegen, bei wem sie einsteigen“, unterstreicht Mari Navarro.

Das sagt die Polizei

Auf MZ-Anfrage bestätigte ein Sprecher der Ortspolizei von Calvià, dass es seit 2019 in der Gemeinde 30 Einsätze wegen Schwarztaxitransporten gegeben hat. Alleine im Jahr 2025 sind es sechs gewesen. In Peguera seien tatsächlich Wiederholungstäter aufgegriffen worden, heißt es weiter. Das Prozedere: Das Vergehen wird gemeldet. Das Fahrzeug bekommen die Täter erst dann wieder zurück, wenn alle Strafgelder gezahlt sind. Man führe gemeinsam mit der Mobilitätsabteilung der Balearenregierung und teils den Taxifahrern vor Ort regelmäßig Kontrollen durch, so der Sprecher.

Das sagen die Schwarztaxifahrer

Die MZ hat mit zwei der vermeintlichen Schwarztaxifahrer telefoniert. Person A, nennen wir ihn Manfred W., gibt an, schon seit „über sechs Jahren“ legal mit einem „Mietwagen mit Fahrer“ unterwegs sein zu dürfen. Er arbeite für eine Reisegesellschaft namens Suntour. Recherchen im Netz zeigen im Zusammenhang mit dem Schlagwort „Mallorca“ eine in Freiburg ansässige Firma. „Wir verkaufen über Reiseveranstalter Reisen, arbeiten aber nicht mit lokalen Fahrdienstanbietern zusammen“, gibt eine Mitarbeiterin der MZ per Telefon zur Auskunft.

Wie Manfred W. der MZ sagt, arbeite er mit Person B., nennen wir sie Helmut S., „Hand in Hand zusammen“. Helmut S. streitet das jedoch ab. Er sei mal für ein Transferunternehmen unterwegs gewesen, widme sich seit dem vergangenen Jahr aber nun einem anderen Geschäft. Er ist patzig, legt der Redakteurin nahe, von einer Berichterstattung abzusehen. Sonst müsse er seinen Anwalt einschalten. Zudem befürchte er durch die (negative) Berichterstattung weitere Anfragen zu bekommen. „Ich komme jetzt schon kaum hinterher mit der Beantwortung“, so Helmut S. Eines muss man ihm zugutehalten: In den Kommentaren unter den eingangs erwähnten Posts beschweren sich tatsächlich mehrere Nutzer, dass sie ihn nicht erreicht hätten.

Abonnieren, um zu lesen

Tracking Pixel Contents