Umstrittene Parkplatz-Alternative an der Cala Agulla: Rathaus rudert zurück
Auf MZ-Anfrage räumt ein Verantwortlicher ein, dass die neue Parkfläche tatsächlich "nicht für alle Strandbesucher geeignet" sei. Ob nun ein Parkchaos droht und wie es mit der beliebten Badebucht bei Cala Ratjada weitergehen soll

Viele Autofahrer versuchen, noch eine Lücke am Seitenstreifen am östlichen Strandzugang zu bekommen, doch die sind heiß begehrt / Sophie Mono
Vergangene Woche hat das Rathaus von Capdepera einen neuen Parkplatz in Cala Ratjada vorgestellt. Proklamiert wurde er als Alternative zum ehemaligen Dünenparkplatz hinter der beliebten Naturbucht Cala Agulla, der seit Monaten geschlossen ist. Zahlreiche Anwohner und Badegäste kritisieren die Maßnahme - die Parkfläche sei viel zu weit vom Strand entfernt. Im Gespräch mit der MZ rudert die Gemeindeverwaltung nun zurück.
"Falsch fokussiert"

Die erste Ankündigung des neuen Parkplatzes als Cala-Agulla-Alternativparkplatz hat das Rathaus mittlerweile revidiert / Rathaus Capdepera
"Parkplatzalternative Cala Agulla" lautete die Überschrift der Ankündigung, die das Rathaus am 5. Juni in den sozialen Netzwerken veröffentlichte. Dazu eine Beschreibung und Fotos des neuen Stellplatzes neben dem Gravera-Spielplatz (Carrer Clot de Sa Grava), der ab sofort von 7 bis 22 Uhr geöffnet sein soll. "Nur 10 Minuten zu Fuß zum Cala-Agulla-Strand", so eine der Aussagen in dem Post, die in den darauffolgenden Tagen für Zorn im Netz und Spott im Dorftratsch führten. Tatsächlich ist die Strecke, die auch Steigungen enthält, deutlich länger und gerade für mit Strandsachen bepackte Familien mit Kindern und ältere Menschen in der Sommerhitze weit und beschwerlich.
"Wir haben es wohl falsch fokussiert", gibt Manuel Filgueiras (Partido Popular), Umwelt- und Mobilitäts-Dezernent im Rathaus, jetzt auf MZ-Anfrage zu. Tatsächlich sei der neue Parkplatz nicht für alle Strandbesucher geeignet. "Wir beziehen uns dabei mehr auf die gesamte Geschäftszone Cala Agulla, also auch auf die Läden am Carrer de l'Agulla und die Hotels in der Gegend. Der Weg zum Strand ist für Familien tatsächlich weit." Mittlerweile hat das Rathaus auch seine Kommunikationsstrategie in den sozialen Netzwerken geändert: In einem am 6. Juni erschienen Facebook-Post der Gemeindeverwaltung ist gar von einem "Abschreckungsparkplatz" die Rede.
Neuer Parkplatz kaum genutzt

Bisher wird der neue Parkplatz hinter dem Gravera-Spielplatz so gut wie gar nicht genutzt / Rathaus Capdepera
Bisher werde die neue, rund 150 bis 200 Stellplätze umfassende Fläche an der Gravera so gut wie gar nicht genutzt, so Filgueiras zur MZ. "Wir überlegen nun, ob wir sie 24 Stunden am Tag geöffnet lassen sollen, dann müssten allerdings Kameras installiert werden."
Dafür parken die Leute, die zum Strand wollen, verstärkt an der Ausfahrtsstraße von Cala Ratjada hinter dem Dünenwald oder an der Einkaufsstraße Carrer de l'Agulla und in den Seitenstraßen. Bei der MZ gingen bereits Beschwerden von Anwohnern ein, die wegen der vielen Autos am Seitenstreifen selbst keinen Parkplatz mehr finden. "Wir haben viel Polizei im Einsatz, aber bisher mussten kaum Bußgelder ausgesprochen werden. Die Leute verhalten sich in der Regel respektvoll. Noch ist kein Chaos ausgebrochen. Mal sehen, wie sich das künftig verhält," betont hingegen Filgueiras.

Volle Straßen rund um den Dünenwald der Cala Agulla. Einige Anwohner stöhnen bereits / Kati Stemprock
Die Nachricht, dass der ehemalige Dünenparkplatz aus Naturschutzgründen im Februar geschlossen werden musste, habe sich auf der Insel herumgesprochen. "Viele kommen gar nicht erst her. Das hat Vor- und Nachteile. Angesichts dessen, dass die Cala Agulla nun zum Naturschutzgebiet gehört, ist es auch förderlich, dass nicht so viele Menschen kommen", so der Ratsherr. Zudem hofft er, dass diejenigen, die kommen, mehr in den lokalen Cafés und im Einzelhandel konsumieren werden als früher - eben weil sie nicht mehr im Wald parken, sondern mitten in der Einkaufsstraße. "Früher kamen viele mit ihren Kühltaschen und geschmierten Broten, gingen direkt an den Strand und gaben im Ort gar kein Geld aus." Viele andere Strände Mallorcas seien auch nicht direkt mit einem Parkplatz verbunden. "Wir waren hier auch bisher sehr verwöhnt."
Echte Alternative weiter im Gespräch
Dennoch stellt Filgueiras klar: "Wir vom Rathaus wollen einen Cala-Agulla-Parkplatz. Es bereitet uns Kopfschmerzen, dass wir noch keine geeignete Alternative bieten können." Die Eröffnung des Gravera-Parkplatzes sei die einfachste und kostengünstigste Möglichkeit gewesen. "Die Fläche war ohnehin ungenutzt und gehört der Gemeinde." Man sei aber - wie auch bereits die sozialistische Vorgängerregierung vor mehr als zwei Jahren - dabei, darüber zu verhandeln, eine Fläche direkt hinter dem alten Dünenparkplatz nutzen zu dürfen, die in Privatbesitz ist. "Wir arbeiten daran, wir tun unser Bestes, aber es gibt noch keine konkreten Ergebnisse." Und erst recht keinen Termin, wann es so weit sein könnte.
Auch über eine mögliche Shuttle-Bus-Verbindung, etwa vom neuen Gravera-Parkplatz aus, denke man nach. "Für private Hotelbetriebe ist es ein Leichtes, mal eben einen privaten Minibus zu engagieren. Wir als öffentliche Institution können aber nicht mal schnell öffentlichen Nahverkehr schaffen", so der Ratsherr. Auf die Frage, warum man nicht früher Lösungen gefunden habe - immerhin ist bereits seit vielen Jahren klar, dass der alte Dünenparkplatz nicht weiter existieren darf - wiegelt er ab. "Es ist kompliziert, und vielleicht haben wir zu sehr darauf vertraut, dass es mit dem Grundstück dahinter schnell klappt."
Kritik im Netz
Derweil häuft sich die Kritik an der Maßnahme des Rathauses. "Vielen Menschen wird die Lust vergehen, zur Cala Agulla zu fahren – älteren Menschen, Eltern mit Kindern, Menschen mit Beeinträchtigungen oder den Einwohnern von Capdepera, dieser so ausgedehnten und verstreuten Gemeinde", schreibt ein Nutzer bei Facebook. Tatsächlich ist die Cala Agulla - anders als beispielsweise Cala Ratjadas Stadtstrand Son Moll - bisher auch eine Herzensangelegenheit vieler Anwohner aus der Gegend gewesen. Vor allem im hinteren Bereich der Bucht, an den sich nur wenige deutsche Trinkurlauber verirrten, kamen die Mallorquiner aus Capdepera und anderen Ortsteilen im Sommer stets in den Abendstunden zusammen. Auch, weil sie als Residenten der Gemeinde den Parkplatz kostenlos nutzen durften.

Dieser Tage ist die Cala Agulla schon gut gefüllt. / Adina H.
In diesem Jahr dürften sich die Einheimischen wohl eher auf andere, abgeschiedenere Küstenabschnitte im Gemeindegebiet verteilen. Die Sauftouristen im vorderen und mittigen Bereich des Strands dürften dagegen weiterhin kommen - viele von ihnen waren schon immer vorwiegend zu Fuß aus den näher gelegenen Hotels zu den Strandbars gelaufen.
"Was für ein Desaster, eine Unverschämtheit", wettert ein anderer Facebook-Nutzer. "Man könnte ja auch in Artà parken - dümmer geht's wirklich nicht mehr", so die sarkastische Anmerkung eines Deutschen. Ein Spanier hält dagegen - und betont, dass eine Entlastung des Strandes auch gut sein kann. "Wenn du die Cala Agulla liebst, wirst du erkennen, dass wir unserem wunderbaren Strand einen Gefallen tun."
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