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Jens Hendel, ein bekannter Obdachloser an der Playa, ist tot – das sagen seine Freunde und Bekannte

Der Tod des 44-Jährigen hat in den sozialen Netzwerken große Bestürzung ausgelöst – überraschend kam er für einige aber nicht

War auch ein großer Hunde-Liebhaber: Jens Hendel.

War auch ein großer Hunde-Liebhaber: Jens Hendel. / Facebook / Jens Hendel

Simone Werner

Simone Werner

Am Mittwoch (25.6.) verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer in Mallorca-Gruppen auf Facebook und auf privaten Profilen von Auswanderern: Der bekannte Playa-Obdachlose Jens Hendel ist verstorben, offenbar in der Nacht von Montag auf Dienstag (23./24.6.).

Den 44-Jährigen beschreiben gute Bekannte als:

  • den, der - egal wie wenig Geld oder Lebensmittel er auch hatte - immer alles mit anderen geteilt hat und stets hilfsbereit war
  • den tierlieben Mann mit den Hunden
  • den Straßenkünstler, der in Palma mit Riesenseifenblasen oder Luftballon-Figuren Kindern ein Lächeln ins Gesicht zauberte
  • den Obdachlosen, der sich selbst auf keinen Fall als Bettler sah
  • einen kranken, alkohol- und drogenabhängigen Mann, der einem leid tat
  • den Mann, dem es am Ende gesundheitlich gar nicht gut ging, der sich aber dennoch zumindest schriftlich noch von vielen verabschiedet hat
Die letzte Nachricht von Jens Hendel.

Die letzte Nachricht von Jens Hendel. / Privat

Die MZ weiß von mehreren guten Bekannten von Jens Hendel, die genau diese WhatsApp-Nachricht von ihm bekommen haben. Damit wollte sich der Böblinger gewissermaßen schon verabschieden. Sprechen konnte er nach einer Operation am Kehlkopf kaum mehr, weiß auch sein guter Bekannter Sohel Abdoulkhanzadeh, der Betreiber des "Chucca" an der Playa ist. "Was er genau hatte, kann ich nicht sagen. Ich glaube, sie haben ihm die Stimmbänder herausgenommen und danach hat er eine Chemotherapie gemacht. Er konnte daraufhin kaum mehr sprechen, hat nur noch auf Zettel oder mit seinem Handy etwas aufgeschrieben."

Seit der durch "Goodbye Deutschland" bekannte gewordene Auswanderer – übrigens war Hendel selbst auch 2020 einmal mal in dem Format zu sehen – 2019 seine Bar an der Playa de Palma eröffnet hat, sei Hendel dort Stammgast gewesen.

Auch aus dem beliebten Auswanderer-Format "Goodbye Deutschland" kannte man Jens Hendel.

Auch aus dem beliebten Auswanderer-Format "Goodbye Deutschland" kannte man Jens Hendel. / Facebook

In der Folge, die am 26.10.2020 erstmals zu sehen war, stattet Auswanderer Frank Knöttgen Jens Hendel einen Besuch auf der Straße ab, um ihn mit Lebensmitteln zu unterstützen. Jens zeigt dem Kamerateam seine Hütte in der Nähe vom Ballermann und erzählt, wie er seinen Job verloren hat und über die letzten sieben Jahre immer mehr abgerutscht ist.

Bitte mit Minzblatt

"Sein Lieblingsgetränk war Long Island Ice Tea. Das Besondere war, und das wussten alle meine Barmitarbeiter längst: Es musste immer ein Minzblatt auf dem Drink sein", erzählt Abdoulkhanzadeh, der Hendel als äußert hilfsbereit beschreibt. Nach dem ersten Brandanschlag auf das "Chucca", sei der Obdachlose der Erste gewesen, der im Blaumann auf der Matte stand und mit anpacken wollte. "Dafür hat er sogar seine geliebten Hunde an seinem Zelt gelassen", erinnert sich Abdoulkhanzadeh.

Hendel habe einige Zeit lang, das bestätigt auch Bar-Betreiber Holger Bombien gegenüber der MZ, in einer selbst gebauten Hütte in einer Obdachlosensiedlung gelebt, die sich in einem Waldgebiet in der Nähe des bekannten Restaurants Ca'n Torrat an der Playa befand. "Jens hatte sich dort sogar eine kleine Solaranlage gebaut, damit er Strom hat, um Fernsehen zu schauen", weiß Bombien, der selbst an der Playa lebt und dem Obdachlosen regelmäßig Lebensmittel gebracht hat. "Immer, wenn ich für meine Partnerin und mich eingekauft habe, habe ich auch für ihn eine Tüte mitgenommen", so der Betreiber der Bar "Juliette und Holger" in Peguera. Geld aber habe Bombien ihm nie gegeben, einmal aber etwa eine Sammelaktion gestartet, um die Operation von einem von Hendels Hunden mitzufinanzieren.

Als Koch immer wieder rausgeflogen

Zuletzt konnte man Hendel neben einem Reihenhaus in der Nähe der Spaghetteria Casa Leone, ebenfalls an der Playa, in einem Zelt finden.

Hendel sei Koch gewesen. "Ein sehr guter sogar", weiß Bombien. Doch wirklich lange habe es ihn in keinem Restaurant gehalten. "Er ist immer wieder rausgeflogen", so Bombien. Wie viele andere in der Gastrobranche tätige Personen sei auch Hendel irgendwann dem Alkohol verfallen. Er verlor seinen Job, dann seine Wohnung und liebäugelte immer mehr auch mit anderen Drogen, etwa Marihuana.

Einst war Hendel auch in der Sendung "Stern-TV" mit Joe Kelly zu sehen. Darin besuchte der Sänger Obdachlose auf Mallorca, unter anderem auch den 44-Jährigen.

Screenshot aus dem Videoclip von Stern-TV.

Screenshot aus dem Videoclip von Stern-TV. / YouTube / Stern-TV / Bikeking

Auch in einem Podcast hat Hendel über sein Leben als Obdachloser auf Mallorca erzählt.

Der Mann mit den Riesen-Seifenblasen

Beide von der MZ befragten Auswanderer beschreiben ihn als altruistischen und fürsorglichen Menschen. "Er hat Figuren mit Luftballons gemacht und damit auch Kindern in meinem Lokal immer ein Lächeln ins Gesicht gezaubert", weiß der "Chucca"-Betreiber. Andere kannten Hendel vielleicht als den Mann mit den Riesen-Seifenblasen, der sich durch die "Kunst" im Zentrum von Palma etwas dazuverdient hat.

Ein Bettler, darauf habe er laut Abdoulkhanzadeh immer Wert gelegt, sei er keiner gewesen. "Wenn er diesen Ausdruck über sich lesen würde, würde er sich im Grab umdrehen", so der TV-Auswanderer über seinen guten Bekannten.

Manchmal sah man Hendel auch mit seiner Mundharmonika, zum Beispiel vor dem Bierkönig. Auch so verdiente er sich sein "täglich Brot". Das teilte er dann immer auch mit anderen Bedürftigen.

Jens Hendel war fast immer in Begleitung seiner Hunde unterwegs.

Jens Hendel war fast immer in Begleitung seiner Hunde unterwegs. / Facebook Jens Hendel

Sohel Abdoulkhanzadeh weiß, dass Hendel zuletzt keine wirkliche Lebensfreude mehr hatte. "Er meinte mal, dass seine Hunde der einzige Grund seien, weswegen er sich noch nicht umgebracht hat." Die Tiere seien nun wahrscheinlich bei einem Bekannten von Hendel. Der "Chucca"-Betreiber habe, wie auch Bombien, über Facebook vom Tod seines Bekannten erfahren. "Ich habe sofort versucht, ihn anzurufen, doch sein Handy war aus", sagt der Auswanderer mit persischen Wurzeln.

Auch Medien aus seiner Heimat besuchten Hendel in seiner Wahlheimat Mallorca.

Auch Medien aus seiner Heimat besuchten Hendel in seiner Wahlheimat Mallorca. / Nicolas Reckel

Obwohl der Kontakt zwischen Hendel und Bombien vor etwa einem Dreiviertel-Jahr abgebrochen sei, habe sich Hendel noch am Samstag (21.6.) vom Krankenhaus aus schriftlich bei Bombien verabschiedet. Darüber, woran genau Hendel gestorben ist, kann man nur spekulieren. War es infolge seines Kehlkopftumors? Waren es die Folgen eines über Jahrzehnte lang alles andere als gesunden Lebensstil? Oder beides zusammen?

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