Zum Hauptinhalt springenZum Seitenende springen

"Es trifft nur die Deutschen": Urlauber in Santa Ponça fühlt sich diskriminiert

Ein Norddeutscher hat während seines Mallorca-Urlaubs gleich zwei Mal erlebt, wie deutsche Autofahrer wegen Falschparkens zur Kasse gebeten wurden - Spanier dagegen angeblich nicht

Die Ortspolizei schleppt ein Auto mit deutschem Kennzeichen vor dem Restaurant "Alt Wien" ab.

Die Ortspolizei schleppt ein Auto mit deutschem Kennzeichen vor dem Restaurant "Alt Wien" ab. / Wolfgang Kuper

Sophie Mono

Sophie Mono

40 Jahre lang kommt Wolfgang Kuper bereits nach Mallorca. "Jedes Jahr ein oder zwei Mal, immer als Urlauber", berichtet der 66-Jähriger der MZ. Immer habe er sich auf der Insel wohlgefühlt. Doch bei seinem aktuellen Aufenthalt in Santa Ponça hat der Norddeutsche gleich zwei Vorfälle erlebt, die ihn darüber nachdenken lassen, künftig lieber an einen anderen Ort in die Ferien zu fahren.

Der erste ereignete sich Kupers Erzählungen zufolge am Sonntag (2.11.) gegen 17 Uhr. "Es war schon November, die Geschäfte hatten geschlossen, es war nicht viel los auf den Straßen", berichtet der Rentner, der mit dem eigenen Auto aus Deutschland per Fähre auf die Insel gekommen war. "Da ich schwerbehindert bin, und Knie- und Hüftprobleme habe, stellten wir unseren Wagen mit deutschem Kennzeichen kurze Zeit vor unserem Hotel Flipflop in Santa Ponça ab. Nur um die Koffer auszuladen und reinzutragen. Wir waren nur drei Minuten weg." Als er wieder kam, um das Auto umzuparken, hätten bereits drei Beamte der Ortspolizei von Calvià um den Wagen herumgestanden.

Schwerbehindertenausweis interessierte die Beamten nicht

"Sie sagten mir, dass ich dort nicht parken dürfte, weil ich teilweise auf dem Radweg stand. Das stimmt, aber es waren noch zwei Meter Platz auf dem Gehweg zum Ausweichen. Und es war ohnehin nichts los", so Kuper weiter. Trotzdem hätten die Beamten darauf bestanden, dass er sofort ein Bußgeld zahlen müsse - und das nicht zu knapp: 100 Euro wurden fällig. "Als ich ihnen meinen Schwerbehindertenausweis zeigte und die Situation erklärte, interessierte sie das überhaupt nicht. Der eine sagte nur zu seinem Kollegen 'Wenn ihnen das nicht passt, sollen sie doch in Deutschland bleiben'." Ein Satz, der Kuper traf und den er als diskriminierend empfindet.

"Es mag sein, dass die Beamten einfach nur einen schlechten Tag hatten, und sicherlich sind nicht alle so, aber es ist nicht schön, so etwas zu hören zu bekommen, nachdem wir selbst auch immer wieder etwas für die Insel getan haben", so Kuper, der gar nicht wie ein typischer Mecker-Deutscher klingt, sondern eher wie ein Mann, der enttäuscht wurde. Während Corona hätte er mit Spenden geholfen, auch in anderen Momenten sei er immer hilfsbereit gewesen. "Zu vielen Spaniern haben wir in all den Jahren ein gutes Verhältnis gehabt. Aber bei dem, was in letzter Zeit passiert, habe ich das Gefühl, dass es immer nur die Deutschen trifft."

Ein Gefühl, das sich in den folgenden Tagen noch verstärken sollte. Mehrmals habe er Autos mit spanischen Kennzeichen an der gleichen Stelle stehen sehen, an der er abgemahnt worden war - aber nie einen Ortspolizisten, der Knöllchen verteilte.

Zweiter Vorfall beobachtet

Auf diese wurde er erst am 5. November wieder aufmerksam, diesmal vor dem Restaurant "Alt Wien" in Santa Ponça. Hier wies ein Schild darauf hin, dass dort bis 14 Uhr nur Lieferanten parken durften - trotzdem widersetzten sich mehrere Pkw dem Parkverbot. "Wir beobachteten, wie ein anderer Deutscher einen Strafzettel bekam, den er sofort bezahlte, aber trotzdem wurde sein Auto abgeschleppt und er musste auch diese Kosten tragen. Alle anderen Autos mit spanischen Kennzeichen, die ebenfalls falsch parkten, beachteten die Beamten nicht", behauptet Wolfgang Kuper.

"Ich habe den Eindruck, dass nur wir Deutschen zur Kasse gebeten werden", resümiert der 66-Jährige. Natürlich machten auch die Deutschen Fehler - aber eine Ungleichbehandlung sei nicht in Ordnung. Künftig werde sich Kuper genau überlegen, ob er auch weiterhin nach Mallorca kommen möchte. "Die Bevölkerung kann nichts dafür, das ist der Polizeiapparat", betont er. "Wenn das so weitergeht, tue ich mir das nicht mehr an." Die Ortspolizei von Calvià wollte sich auf MZ-Anfrage nicht äußern.

Tracking Pixel Contents