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Abella i Flor: Ein Herz für Bienen auf Mallorca

Wer möchte, kann sein Land für Bienenstöcke zur Verfügung stellen und hat Anteil am produzierten Honig

Bienen auf Erkundungsflug in ihrem Bienenstock.

Bienen auf Erkundungsflug in ihrem Bienenstock. / Abella i flor

„Abella i Flor“ kümmert sich um alles, von der Aufstellung der Bienenstöcke auf Ihrem Grundstück über die Pflege und Versorgung der Bienen bis hin zur Produktion und Abfüllung des Honigs aus Ihren eigenen Blüten. Eine kleine finanzielle Unterstützung kann dazu beigetragen, dass die Bienenvölker wachsen und so ihr Aussterben verhindert wird.

Zwei Bienenprofis haben dieses unterstützenswerte Projekt ins Leben gerufen: Jaume Pou und Alexandra Petzold von „Abella i flor“ (Biene und Blume) auf Mallorca sind leidenschaftliche Bienenliebhaber. Das mallorquinisch-deutsche Paar verfügt über mehr als 15 Jahre Erfahrung in der Imkerei. Sie sind Experten mit zahlreichen Zertifizierungen unter anderem in ökologischer Imkerei, Bio-Imkerei, künstlicher Besamung, Fortpflanzung sowie Gesundheit und Ernährung von Bienen. Und sie produzieren nicht nur Honig: Mit ihrem Projekt „Abella i Flor“ kümmern sie sich mit 30 Gleichgesinnten um die Bienen der ganzen Insel, indem sie die Nachzucht fördern. Dabei haben sie sich zum Ziel gesetzt, die Tradition der privaten Bienenhaltung wiederzubeleben. Die Idee ist einfach: Wer möchte, kann damit einen wertvollen Beitrag für die Biodiversität und landwirtschaftliche Produktivität leisten, indem er sein Land für Bienenstöcke zur Verfügung stellt und einen kleinen finanziellen Beitrag leistet. Dafür erhält man einen Teil des hergestellten Honigs von der eigenen Scholle und trägt gleichzeitig – dank der Bestäubung durch die Bienen – zu einer Ernteoptimierung seines Obstes und Gemüses bei. Das erklärte Ziel von „Abella i flor“: den großen Rückgang der Bienenvölker auf Mallorca auszugleichen.

Jaume und Alexandra bei einem ihrer Zuchtbienenstöcke.

Jaume und Alexandra bei einem ihrer Zuchtbienenstöcke. / Nele Bendgens

Bienen von kultureller Bedeutung

Denn die Biene hat es schwer auf Mallorca: Auch hier ist sie stark gefährdet, unter anderem aufgrund des Einsatzes von Pestiziden, zunehmender Trockenheit, des Verlusts von Nistplätzen, Abholzung, einem mangelnden Angebot an Pflanzenvielfalt und Krankheiten. Das war nicht immer so: Bienen hatten früher einen festen Platz auf mallorquinischen Höfen und Honig eine wichtige kulturelle Bedeutung auf Mallorca, die in vielen Dörfern mit Festen rund um die Biene und den Honig gewürdigt wurde. Heute erkennt man zunehmend diesen Wert und die Bedeutung der Bienen wächst wieder, insbesondere für Mallorcas Landwirtschaft und Ökosystem: Sie bestäuben mittlerweile rund 60 Prozent des hiesigen Obst- und Gemüseanbaus. Doch Jaume Pou weiß: „Für eine optimale Bestäubung der landwirtschaftlichen Flächen, speziell der Mandelbaumplantagen, wären etwa zehnmal so viele Bienenvölker erforderlich. Nach wie vor hat dieses Defizit direkte Auswirkungen auf die Landwirtschaft und Biodiversität der Insel.“ Der Bienenexperte setzt sich für die Biene nicht nur in der Landwirtschaftsgewerkschaft Unió de Pagesos ein, sondern gründete auch das Balearische Institut für Bienenzucht (Instituto Balear de l’Abella, IBA) in Son Macià.

Jaume und Alexandra bereiten in ihrer Werkstatt neue Waben vor.

Jaume und Alexandra bereiten in ihrer Werkstatt neue Waben vor. / Abella i flor

Eine lange Geschichte der Bienen

Hier verweist man auf die lange Tradition der Honiggewinnung auf Mallorca. Ein kurzer Exkurs in die Geschichte: Die Bienenhaltung lässt sich bis in die vorrömische Zeit zurückverfolgen. Bereits die Talayot-Kultur, etwa um 1000 v. Chr., nutzte Honig als Nahrungsmittel und höchstwahrscheinlich auch als Heilmittel. Nach der römischen Besetzung ab 123 v. Chr. wurde die Imkerei weiterentwickelt. Die Römer schätzten Honig als Süßungsmittel, in der Küche, für Wein und in der Medizin. Es gibt sogar Hinweise, dass Honig von den Balearen exportiert wurde. Während der maurischen Herrschaft von 902 bis 1229 kam es im Mittelalter zu einer weiteren Verfeinerung der Imkerei. Die Mauren brachten fortschrittliche Methoden der Bienenhaltung in Tonröhren und Lehmbienenstöcken auf die Insel. Honig war ein wertvolles Produkt in Küche und Heilkunde, während Bienenwachs vor allem für Kerzen genutzt wurde. Nach der katalanischen Eroberung 1229 entwickelte sich die Imkerei zu einem festen Bestandteil der bäuerlichen Wirtschaft. Viele Höfe besaßen eigene Bienenstöcke, meist aus Kork oder Ton, die oft in Mauern oder Felsen eingebaut wurden, um sie vor Wind und Sonne zu schützen. Viele Imker, vor allem in der Serra de Tramuntana, hielten an diesen traditionellen Methoden auch noch fest, als im 19. Jahrhundert die moderne Beutenimkerei mit beweglichen Wabenrahmen eingeführt wurde. Als ein wichtiger Förderer der modernen Bienenhaltung auf Mallorca gilt der Erzherzog Ludwig Salvator. Noch Anfang des 20. Jahrhunderts besaßen die meisten Familien auf dem Land ihre eigenen Bienenstöcke, meist auf den Dächern ihrer Höfe. Mit dem Aufkommen des Massentourismus und günstigem Honig aus dem Supermarkt – heutzutage sind 95 Prozent des Honigs auf Mallorca importiert – ging diese Tradition zunehmend zurück.

Jaume bereitet den Smoker vor.

Jaume bereitet den Smoker vor. / Abella i flor

Abella i flor hat bereits 200 private Bienenstöcke platziert

Zum Glück erlebt die Imkerei auf der Insel eine neue Blütezeit, insbesondere dank engagierter Menschen wie der Initiatoren von „Abella i flor“. Die Zahl der Imkereien ist auf den Balearen in den letzten vier Jahren um 7,6 Prozent gestiegen und von den insgesamt ca. 13.500 Bienenstöcken stehen über 10.000 auf Mallorca. Nachhaltigkeit und das wachsende Interesse an regionalen Produkten haben zu einem Aufschwung geführt. Typisch sind Sortenhonige wie Rosmarin-, Thymian-, Orangenblüten-, Lavendel- oder Mandelblütenhonig. Dabei hat das Klima auf der Insel großen Einfluss auf die Honigmenge, da trockene Sommer und milde Winter die Blütezeiten bestimmen.

Die verschiedenen Sorten Honig aus unterschiedlichen Gegenden der Insel haben je nach Region eine andere Geschmacksrichtung. und eine andere Farbe.

Die verschiedenen Sorten Honig aus unterschiedlichen Gegenden der Insel haben je nach Region eine andere Geschmacksrichtung. und eine andere Farbe. / Abella i flor

Bio-Honig im Aufwind

Jaume Pou und Alexandra Petzold halten es für wichtig, das traditionelle Wissen über die Imkerei zu bewahren. Früher gab es in jedem Bauernhaus Bienenstöcke, sie waren die Zuckerquelle des Hauses. Mit „Abella i Flor“ lassen sich nun wieder Bienen dorthin zurückbringen, wo es sie früher einmal gab und wo sie heute aufgrund der veränderten Landwirtschaft heute nicht mehr existieren. Honig ist auch ein wichtiger Bestandteil der Volksmedizin und wird gegen Erkältungen und Husten eingesetzt (insbesondere der Frühjahrsblütenhonig) sowie zur Wundheilung verwendet. Auch zur Behandlung von Arthrose wird traditionell die Apitherapie genutzt. Tatsächlich behandelte bereits Alexandras Großmutter ihre Arthrose in Deutschland mit Bienengift. Und seit Jahrhunderten gilt Honig auf Mallorca als Delikatesse und ist unverzichtbar in traditionellen Rezepten wie Bunyols, Ensaïmades, Aprikosen mit Honig oder sogar Sobrasada mit Honig. Beide sind sich einig, dass immer guter Honig aus Mallorca verwendet werden sollte.

Informationen

Kontakt unter: 

www.abellaiflor.com

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