Österreichischer Betreiber des eingestürzten Medusa Beach Clubs erscheint vor Gericht – und zahlt 250.000 Euro an Opfer
Christian A. äußerte sich auch zur Schuldfrage. Er habe von den illegalen Umbauten keine Kenntnis gehabt. Es war bereits der fünfte Anlauf, um den Österreicher zu einer Aussage zu bewegen

Christian A. antwortete auf Fragen seiner Anwälte. / Cati Cladera
Der österreichische Besitzer des im Mai 2024 eingestürzten Medusa Beach Clubs auf Mallorca ist am Dienstagmorgen (11.11.) vor dem Gericht in Palma erschienen, um vor dem Ermittlungsrichter auszusagen. Das Gericht hatte in den vergangenen Monaten Christian A. immer wieder für eine Aussage einberufen. Der Termin wurde aber gleich viermal verschoben, zuletzt wegen eines Streiks der Richter und Staatsanwälte. Im fünften Anlauf klappte es nun.
Pünktlich um 9 Uhr, als das Gericht in Palma öffnete, erschien der Österreicher. Um 9.38 Uhr trat er mit einem Übersetzer vor den Richter. Bei dem Termin hinterlegte er 250.000 Euro für die Verletzten sowie die Angehörigen der vier Todesopfer. Er erklärte, das Geld solle ohne Bedingungen an die Betroffenen ausgezahlt werden.
Wie die Nachrichtenagenturen "Efe" und "Europa Press" berichten, soll Christian A. zudem auf Fragen seiner Anwälte Stellung genommen haben. Er sei an den Umbauarbeiten, die die Stadt Palma später als illegal einstufte, im Jahr 2013 nicht beteiligt gewesen. Als Christian A. das Lokal an der ersten Meereslinie der Playa de Palma im Jahr 2021 übernahm, habe ihm weder das Rathaus noch eine andere Behörde auf Unregelmäßigkeiten aufmerksam gemacht. Um 10.15 Uhr verließ der Österreicher das Gericht mit seinen beiden Anwälten Ángel Aragón und Agustín Aguiló, die wegen des noch laufenden Prozesses keine Aussagen machen wollten.
Das sind die Vorwürfe
Der Vorfall ereignete sich am späten Nachmittag des 23. Mai 2024, als die Dachterrasse des direkt an der Playa de Palma gelegenen Lokals plötzlich einstürzte und mehrere Ebenen mit sich riss. Vier Menschen kamen ums Leben, mindestens 15 weitere wurden verletzt.
Der Betreiber war Ende Juni 2024 von der spanischen Nationalpolizei festgenommen worden. Die Vorwürfe lauten auf fahrlässige Tötung in vier Fällen sowie auf fahrlässige Körperverletzung in sechs weiteren Fällen. Noch am selben Tag kam er auf richterliche Anordnung hin wieder auf freien Fuß. Der Unternehmer machte von seinem Recht Gebrauch, die Aussage zu verweigern – sowohl gegenüber der Polizei als auch gegenüber dem diensthabenden Haftrichter.
Das waren die Ursachen
Der Fall ist juristisch komplex: Inzwischen liegen umfangreiche Ermittlungsakten vor, vor allem aufgrund der Vielzahl der beteiligten Parteien. Unter den Betroffenen befinden sich zahlreiche ausländische Staatsbürger, darunter viele aus den Niederlanden, die ihrerseits Gutachten und Schadensnachweise eingereicht haben.
Nach Angaben der Polizei und der Feuerwehr war eine Kombination aus baulicher Überlastung und nicht genehmigter Nutzung Auslöser des Unglücks. Laut dem Bürgermeister von Palma, Jaime Martínez, hatte die eingestürzte Dachterrasse keine gültige Betriebserlaubnis.
Das ist der Verdacht
Zudem war bei einer Gebäudeinspektion (ITE) im Jahr 2023 ein negatives Gutachten ausgestellt worden. Es habe bauliche Veränderungen gegeben, die zu einer Überbelastung der Struktur führten. Zum Zeitpunkt des Einsturzes hielten sich 21 Personen auf der Dachterrasse auf – zu viele, wie sich später herausstellte.
Die Ermittlungen konzentrieren sich nun weiter auf die Frage, ob der Betreiber die baulichen Risiken kannte und dennoch den Betrieb fortsetzte. Sollte sich der Verdacht bestätigen, könnte dies strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.
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