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Angst und Schrecken auf Mallorca: Wie Drogenbanden um die Macht an der Playa de Palma kämpfen

Die Guardia Civil beschreibt in einem Bericht, wie die Banden in der Urlauberhochburg agieren. Im Mittelpunkt steht dabei ein Rockerboss

Stefan Milojevic (re.) wird von zwei Beamten der Nationalpolizei abgeführt.

Stefan Milojevic (re.) wird von zwei Beamten der Nationalpolizei abgeführt. / Enrique Calvo

Marcos Ollés

Marcos Ollés

Mallorca ist zum Schlachtfeld internationaler Drogenbanden geworden. Ein Bericht der Guardia Civil warnt vor einem „Machtkampf“, den kriminelle Organisationen aus verschiedenen Ländern führen, um die Kontrolle über den Drogenverkauf an die Millionen von Touristen zu übernehmen, die die Insel besuchen.

Das Dokument, das im Rahmen der weitreichenden Ermittlungen gegen die kürzlich aufgeflogene Bande von Rockerboss Stefan Milojevic erstellt wurde, offenbart einen lang anhaltenden Bandenkrieg an der Playa de Palma – inklusive Massenschlägereien, Prügelattacken, Erpressungen und Brandstiftungen an Fahrzeugen. Die Banden, so die Ermittler, kämpfen darum, Diskotheken und Bars zu übernehmen, die sie als „perfekte Tarnung“ für den Drogenvertrieb in den Lokalen nutzen wollen.

Die Ermittler sehen Milojevic als „Hauptverantwortlichen an der Playa de Palma“. Demnach entscheidet er darüber, wer in der Urlauberhochburg Drogen verkaufen darf. Zudem soll er Geld für diese "Konzessionen" verlangt haben. „Die verschiedenen Banden, die an der Playa aktiv sind, haben kein Problem damit, ihm die Summe zu zahlen, die er für angemessen hält“, heißt es in dem Bericht.

Kontrolle über die Geschäfte

Die Guardia Civil erklärt, dass der Drogenkonsum an der Playa nach Nationalitäten aufgeteilt ist: Während deutsche und italienische Touristen Cannabis und Kokain bevorzugen, konsumieren Niederländer und Belgier eher synthetische Drogen. „Wer den Zugang zu den Lokalen kontrolliert, kontrolliert auch den Drogenverkauf in den Etablissements“, heißt es im Bericht.

Im Zentrum der Auseinandersetzungen steht demnach das Ziel, Bandenmitglieder auf Schlüsselpositionen im Drogenhandel zu platzieren – etwa als sogenannte „Tiqueteros“ (Promoter), Kellner oder vor allem als Sicherheitsmitarbeiter in den Nachtlokalen. „Wer den Sicherheitsdienst leitet, vermittelt nach außen einen legalen und schützenden Eindruck […] und kann völlig unbehelligt agieren, da er jeden hinauswerfen kann, der versucht, ohne Erlaubnis der Organisation Drogen zu verkaufen“, erklärt die Guardia Civil. Darüber hinaus ermöglichen diese strategischen Positionen an den Eingängen, das Eintreffen von Polizei oder Sicherheitskräften frühzeitig zu erkennen und die Kollegen im Inneren zu warnen – um Festnahmen und Drogenbeschlagnahmungen zu verhindern. Für die kriminellen Organisationen vor Ort sind solche Positionen „die perfekte Tarnung“.

Die Kontrolle über die Geschäfte an der Playa de Palma ist für die Banden besonders lukrativ, weil „die Gewinne deutlich höher sind als an einem gewöhnlichen Verkaufsstandort“. Die dort verkauften Dosen seien "stärker gestreckt, was die Gewinne massiv steigert“, so der Polizeibericht.

Gewalt und Revierkämpfe

Die Guardia Civil ordnet mehrere in den letzten Jahren registrierte Gewaltakte auf Mallorca diesem Bandenkrieg zu. Der Bericht verweist auf die „große Massenschlägerei“ im August 2010 zwischen Mitgliedern der Hells Angels und des Gremium MC – zwei Rockerbanden, die um die Kontrolle der Playa de Palma kämpften. Die Auseinandersetzung endete mit 19 Festnahmen – darunter Deutsche, Türken, Libanesen und Albaner – sowie der Beschlagnahmung von Macheten, Messern und Klappmessern.

Auch über jüngere schwere Vorfälle liegen den Ermittlern Erkenntnisse vor. So führen sie auf abgehörte Gespräche zwischen Milojevic und seinen Komplizen einen mutmaßlich absichtlich gelegten Brandanschlag zurück, bei dem ein 60.000 Euro teures Auto eines auf Mallorca ansässigen Hells-Angels-Mitglieds zerstört wurde. Ebenso dokumentiert ist eine Prügelattacke im März 2024 gegen den Besitzer eines Restaurants – ausgeführt von zwei Personen, die von ihm Geld verlangten, damit er weiterhin an der Playa de Palma arbeiten dürfe.

Polizeiliche Großverfahren

Der Kampf gegen die in der Region aktiven Banden hat in den vergangenen Jahren zu mehreren polizeilichen und juristischen Großverfahren geführt. Der Bericht verweist etwa auf die „Operation Casablanca“, die zwischen 2009 und 2013 die Aktivitäten der Hells Angels auf Mallorca ins Visier nahm. Festgenommen wurde dabei auch der Deutsche Frank Hanebuth. Am Ende verurteilte der Oberste Gerichtshof 32 Personen wegen Geldwäsche, Bedrohung, Nötigung, Urkundenfälschung, Begünstigung, Prostitution, Freiheitsberaubung, Drogenhandel und Waffenbesitz – erkannte jedoch nicht an, dass es sich bei der Gruppe um eine kriminelle Organisation handelte.

Auch die „Operation Hook“ wird erwähnt – eine Aktion von 2020 gegen die United Tribuns, die von eben jenem Stefan Milojevic angeführt wurden. Das Verfahren endete mit der Verurteilung des Anführers und vier weiterer Mitglieder wegen Drogenhandels.

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