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Vor dem Bierkönig zusammengeschlagen: Wie ein deutscher Mallorca-Urlauber sich langsam zurück ins Leben kämpft

Ein Mallorca-Urlaub endete für Simon K. mit einem Schädel-Hirn-Trauma. Vier Männer attackierten ihn vor dem Bierkönig – die Täter sind bis heute nicht gefasst

Simon K. ist Fan des Karlsruher SC.

Simon K. ist Fan des Karlsruher SC. / Privat

Ralf Petzold

Ralf Petzold

"Als Simons Freunde anriefen, wussten wir nicht, was passiert war. Sie meinten, wir sollen schnellstmöglich kommen. Es gehe um Leben und Tod", sagt die Mutter von Simon K. der MZ. Vier Männer hatten den deutschen Mallorca-Urlauber zuvor vor dem Bierkönig zusammengeschlagen. Wohl lediglich, weil er ein Trikot des Karlsruher SC trug. Dreieinhalb Wochen lang lag der 27-Jährige im Krankenhaus. Er wird sich wohl niemals gänzlich von der Attacke erholen. Die Mutter sucht bis heute die Täter.

Simon K. aus Eppingen - das liegt zwischen Karlsruhe, Heilbronn und Heidelberg - war mit zwei Freunden an der Playa de Palma. Es war August 2023 und es ging wild zu am Ballermann. Fast täglich berichtete die MZ über Schlägereien und Festnahmen. An einem Abend trennen sich die drei Freunde. Einer von ihnen ist früh im Hotel. Gegen 2.20 Uhr verabschiedet sich auch Simon K und macht sich auf den Weg ins Hotel. Der dritte Freund feiert weiter.

Täter wollen ihm das Trikot ausziehen

"Als er aus dem Bierkönig rauskommt, greifen ihn vier Männer an", sagt die Mutter. Sie hat bei der Polizei das Überwachungsvideo des Bierkönigs gesehen. Ihr Sohn erinnert sich an fast nichts. "Die Angreifer versuchen, ihm das KSC-Trikot auszuziehen. Er wehrt sich." Die vier Männer verpassen dem 27-Jährigen eine Kopfnuss und einen Fußfeger. Der Eppinger kippt um, fällt auf dem Hinterkopf und bleibt bewusstlos liegen. "Auf dem Video ist zu sehen, wie ein Türsteher sich umdreht und ihm zu Hilfe eilt. Er wird den Notruf gewählt haben."

Auch andere Passanten kommen. Ein Straßenhändler beobachtete die Szene, ohne einzugreifen. Die vier Angreifer fliehen. "Mein Sohn vermutet, dass es sich um Hoffenheimer handelte. Zwischen den Fußballvereinen herrscht eine große Rivalität", sagt die Mutter.

Zwei Wochen künstliches Koma

Die Polizei benachrichtigte das Hotel des Urlaubers, die Rezeption informiert die Freunde, die wiederum die Eltern anriefen. "Simons Nase war vierfach gebrochen, sein Auge geschwollen. Wegen eines Schädel-Hirn-Traumas hatten ihn die Ärzte in ein künstliches Koma versetzt." Es war unklar, ob der Deutsche überlebt. Als die Schwellung des Gehirns leicht zurückging, entschieden sich die Ärzte dafür, den Schädel aufzubohren, um für eine Druckentlastung zu sorgen. Nach zwei Wochen erwachte Simon K. aus dem Koma. In Deutschland wurde ihm ein Schädelimplantat eingesetzt. Seitdem ist er in Reha.

Die Eltern gingen zur Ortspolizei nach Palma, die sie an die Nationalpolizei verwies. "Dort sagten die Beamten, dass die Ermittlungen bereits laufen", so die Mutter. Zurück in Deutschland meldet sich die Polizei Sinsheim und zeigt ihr das Video der Tat. Es sollte das letzte Mal sein, dass sie etwas von den Ermittlern hörte. "Ich weiß nicht, wie oft ich angerufen habe. Beim BKA, beim LKA, bei der Polizei in Sinsheim. Ich fühle mich alleingelassen. Niemand will zuständig sein."

"Als sei er wieder ein Baby"

Ihr Sohn saß anfangs im Rollstuhl und konnte nicht sprechen. "Es war, als sei er wieder ein Baby. Früher hatte er eine eigene Wohnung, mittlerweile lebt er wieder bei uns", sagt sie. Der 29-Jährige kämpft sich langsam zurück ins Leben. Er kann wieder laufen und sprechen. "Er macht gute Fortschritte." In der linken Körperhälfte komme es aber immer wieder zu Lähmungserscheinungen. "Sein linker Arm geht ungewollt nach oben. Das müssen wir noch üben. Autofahren darf er daher noch nicht." Auch an das Führen schwerer Maschinen ist nicht zu denken, weswegen Simon K. seinem Job als Anlagenführer nicht länger nachgehen kann. "Er arbeitet gerade probeweise zwei Stunden im selben Unternehmen an einem anderen Posten. Einfach um zu schauen, ob er belastbar ist."

Auch das Wesen des 29-Jährigen habe sich nach der Tat verändert. Er vergesse hin und wieder Sachen. Sich zu konzentrieren fällt ihm schwer. "Er wird sich wohl nie zu 100 Prozent erholen", sagt die Mutter, die bereits die Fernsehsendung "Aktenzeichen XY" kontaktierte, um auf den Fall aufmerksam zu machen und die Täter zu finden. Eine Antwort der Pressestelle der Nationalpolizei zu dem Stand der Ermittlung steht derzeit noch aus.

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