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"Die Stimmung kippt": Deutscher in Cala Millor fühlt sich von Polizist diskriminiert

Ein Beamter der Ortspolizei von Sant Llorenç soll einen deutschen Auswanderer ausländerfeindlich behandelt haben, als dieser im Halteverbot angehalten hatte

Archivbild der Einkaufsstraße in Cala Millor

Archivbild der Einkaufsstraße in Cala Millor / Nele Bendgens

Sophie Mono

Sophie Mono

Mehrfach haben sich in den vergangenen Monaten MZ-Leser über deutschenfeindliche Kommentare von Einheimischen beschwert. Auch jetzt hat ein weiterer deutscher Auswanderer schlechte Erfahrungen gemacht, an der Ostküste - mit einem Ortspolizisten, der ihm gegenüber diskriminierende Bemerkungen gemacht haben soll.

Tourismus schon länger negativ bewertet

Bereits seit dem Jahr 1999 lebt Ole Haarstrick auf Mallorca, zunächst viele Jahre lang in Cala Ratjada, dann in Cala Millor. Seine Frau ist Kubanerin, Haarstrick spricht fließend Spanisch, ist gut integriert. "Aber an meinem Akzent und meinem blonden Haar merkt man sofort, dass ich Ausländer bin", berichtet er der MZ.

Lange Jahre über war der heute 55-Jährige im Tourismus tätig, unter anderem mit geführten Jeep-Touren für Urlauber. "Ich habe schon seit mehreren Jahren eine Negativstimmung gespürt gegenüber dem Tourismus, deshalb hatte ich da keine Lust mehr drauf", so der Deutsche, der den Jeep-Verleih Ende vergangenen Jahres dicht gemacht hat und seitdem Foodtrucks in Palma führt - in dem Glauben, abseits des Urlaubergeschäfts nicht mehr auf Ablehnung durch die Insulaner zu stoßen.

Dahin fahren, wo er herkommt

Vor zehn Tagen dann, so berichtet er, sei er mit seinem Auto mit spanischem Kennzeichen zu seiner Stammapotheke in Cala Millor gefahren. "An dem benachbarten Hotel und auch an der Straße vor der Apotheke waren Bauarbeiten, weshalb dort zeitweise ein Halteverbot gilt", berichtet Haarstrick. Er habe daher auch nur kurz mit laufendem Motor angehalten und einen Beamten der Ortspolizei von Sant Llorenç gefragt, ob er trotzdem kurz halten und seine Medikamente abholen dürfe. Der Polizist verneinte. Auch das kurze Parken in einer Parklücke 20 Meter entfernt, aus der gerade ein anderer Wagen herausfuhr, habe der Beamte dem Deutschen nicht gestattet. "Ich fragte ihn also aus Spaß, ob ich dann jetzt zum drei Kilometer entfernten Aldi-Parkplatz fahren müsse." Daraufhin habe der Polizist ihm geantwortet, er solle am besten gleich in das Land fahren, aus dem er komme.

Als Haarstrick entgegnete, dass der Beamte doch selbst dorthin gehen solle, wo er herkomme, habe dieser gesagt, er sei Mallorquiner und es sei "seine Insel". Statt zu deeskalieren, habe der Polizist weiter diskutiert, und Haarstrick sogar zum Aussteigen bewegen wollen. Dieser sei dann aber einfach weggefahren, um die Diskussion nicht weiter hochkochen zu lassen, wie er sagt.

Cala Millor.

Cala Millor. / Foto: Biel Capó

"Die Stimmung kippt gegen Leute, die hier leben"

"Mich hat das mitgenommen, ich war die folgenden zwei, drei Tage wirklich geknickt", erzählt Haarstrick im Gespräch mit der MZ. "Ich kam richtig ins Grübeln. So etwas habe ich persönlich in 25 Jahren hier noch nie erlebt, aber es scheint, dass die Stimmung kippt, und zwar nicht mehr nur gegen den Tourismus, sondern auch gegen die Leute, die hier leben. Dabei sind meine Kinder hier zur Schule gegangen und mein Enkel lebt auch hier."

In seinem Bekanntenkreis kenne er gleich mehrere Zugezogenen-Familien, die ihre Zelte auf Mallorca abbrächen und nach Deutschland oder aufs spanische Festland zögen. "Nicht nur wegen der hohen Preise, sondern vor allem wegen der Stimmung hier", betont Haarstrick. Er selbst hofft, nicht noch einmal eine solche Situation zu erleben. "Sollte sich so etwas wiederholen, dann werde wohl auch ich wegziehen. Ich will nirgendwo leben, wo ich mich nicht mehr willkommen fühle."

Besonders schockiert habe ihn die Tatsache, dass der Ausspruch von einem Polizisten im Dienst ausgegangen sei. "Man stelle sich mal vor, so etwas würde ein Polizist in Deutschland zu ausländischen Bürgern sagen." Kurz habe er überlegt, den betreffenden Beamten anzuzeigen, zumal er einen Zeugen habe, weil einer seiner spanischen Angestellten gerade am Telefon war und über die Freisprechanlage des Autos alles mitgehört habe. Letztlich entschied sich Haarstrick aber gegen die Anzeige. Vor allem, um künftige Schikanen durch die Ortspolizei zu vermeiden.

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